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Bayern gegen Gladbach:Sieg im Spiel der Kuriositäten

Bayern München - Borussia Mönchengladbach

Zurzeit der starke Mann beim FC Bayern: Torschütez Leon Goretzka.

(Foto: dpa)

Die Gladbacher zwingen Bayern zeitweise fast in eine Außenseiterrolle. Doch die Einwechslungen von Trainer Flick greifen - und Leon Goretzka schießt die Münchner nahe an den Titel.

Aus dem Stadion von Maik Rosner

Die Ausholbewegung geriet schwungvoll, der Fuß schnellte nach vorn, und weil es recht leise war in der Münchner Arena, ließ sich auch gut hören, wie der Ball an die Werbebande klatschte. Besonders an dieser Szene war jedoch nicht die Akustik. Derjenige, der beim Spiel des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach geschossen hatte, war der Münchner Trainer Hansi Flick gewesen. Sein Gesichtsausdruck dabei erklärte auch den Grund für seine Einlage an der Seitenlinie. Flick war verärgert, weil die Unzulänglichkeiten in seiner Mannschaft gerade das 1:1 durch das Eigentor von Benjamin Pavard nach sich gezogen hatten (37.), nachdem Joshua Zirkzee die Führung für den amtierenden und auch kommenden Meister erzielt hatte (26.).

Am Ende reichte es für die Bayern durch Leon Goretzkas spätes Tor (86.) aber zu einem 2:1 (1:1). "So ein spätes Tor zu machen zu einem Sieg, der uns am Dienstag die Meisterschaft ermöglicht, macht mich überglücklich", sagte der Torschütze am Sky-Mikrofon. Für die Borussia musste sich die Niederlage wie ein einkalkulierter, aber unglücklicher Rückschlag im Bemühen um den Einzug in die Champions League anfühlen. Die diesmal lange Zeit nicht souveränen Bayern bauten dagegen ihre jüngste Serie auf 13 Siege hintereinander aus, trotz der jüngsten Ermüdungserscheinungen. Ihren achten Meistertitel in Serie und ihren 30. insgesamt können sich die Münchner bei derzeit sieben Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund nun am Dienstag sichern, wenn sie am drittletzten Spieltag der Saison bei Werder Bremen gewinnen sollten. "Wir wollen da gewinnen und das Ding nach Hause bringen", sagte Goretzka.

Gladbach verliert bereits nach zehn Minuten Marcus Thuram

Es war für die Bayern ein Spiel unter erschwerten Bedingungen gewesen, da sie ja nicht nur auf die gesperrten Robert Lewandowski und Thomas Müller verzichten mussten, sondern auch auf Thiago nach einer Leisten-Operation sowie auf die Langzeitverletzten Niklas Süle, Philippe Coutinho und Corentin Tolisso. Hinzu kam das fordernde 2:1 im Pokal-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt vom Mittwochabend. Auch deshalb hatte Flick nun eine Aufstellung gewählt, mit der er alle Prognosen widerlegte. Zwar begann Zirkzee in der Sturmspitze als Ersatz für Lewandowski, doch auf Müllers Position im zentralen offensiven Mittelfeld rutschte überraschend der ehemalige Gladbacher Michaël Cuisance. Zudem durfte Lucas Hernández als Linksverteidiger beginnen. Alphonso Davies schaute dafür erstmals nach 30 Spielen von Beginn an zunächst von der Bank aus zu, ebenso wie Kingsley Coman - eine weitere Überraschung.

Allerdings erging es den Gästen aus Mönchengladbach nur kurz besser mit den Absenzen in der Offensive. Alassane Pléa fehlte gesperrt, und kaum hatte das Spiel begonnen, musste auch Marcus Thuram seinen Dienst angeschlagen beenden. "Sehr bitter", sei das gewesen, sagte Trainer Marco Rose später. Er brachte Breel Embolo für Thuram (10.). Eine Schwächung schien das nicht zu bedeuten, denn Embolo führte sich mit einem Schnittstellenpass auf Jonas Hofmann ein, der den Ball an Torwart Manuel Neuer vorbei einschob. Allerdings wurde das Tor nach einer Videoüberprüfung wegen einer Abseitsposition nicht gegeben (16.).

Wie eine Erinnerung an die positive Bilanz der Borussia gegen den FC Bayern mit 17 Punkten aus den vergangenen elf Spielen seit 2014 kam diese Szene daher. Das galt auch für Embolos Doppelchance kurz nach Hofmanns Abseitstor. Freistehend köpfelte der Schweizer, Neuer klatschte den Versuch zurück zu Embolo, doch dieser verfehlte mit seinem Nachschuss aus kurzer Distanz das Tor. Auch abgesehen von ihren Chancen prägte die Borussia das Geschehen und beschäftigte die Münchner Defensive.

Dass die Bayern dennoch bald in Führung in gingen, hatten sie einer ungewollten Einladung von Sommer zu verdanken. Von rechts im Strafraum passte der Torwart quer, allerdings ohne Adressaten. Zirkzee lief zum Ball und schoss diesen aus rund 20 Metern zum 1:0 direkt ins leere Tor. Es war bereits sein viertes Tor für die Profis im achten Einsatz in dieser Saison. In der dritten Liga, bei der zweiten Mannschaft der Bayern, bringt er es bisher auf zwei Treffer in 16 Spielen.

Bayern hilft ungewollt nach für Gladbach

Es passte zu diesem von den Gladbachern überwiegend bestimmten Spiel der Kuriositäten, dass auch die Münchner beim Ausgleich der Borussia ungewollt nachhalfen. Eine Hereingabe von Patrick Herrmann versuchte Pavard mit einer Grätsche abzulenken, trat den Ball aber ins eigene Tor. Weniger deswegen, sondern vor allem aufgrund der zahlreichen vermeidbaren Fehler in seiner Mannschaft, schoss Flick an der Seitenlinie den Ball weg. Einer dieser Fehler war, dass Hernández im Rücken Herrmann laufen gelassen hatte.

Vor dem Anpfiff der zweiten Hälfte versuchte der diesmal ebenfalls fehlerhafte Joshua Kimmich sich und die Kollegen aufzurütteln. "Come on, come on, come on, Körpersprache, auf geht's", rief er. Doch es blieb zunächst die Borussia, die frischer und fokussierter wirkte und den FC Bayern in eine Rolle zwang, die dieser nicht kennt, schon gar nicht in der eigenen Arena. Fast wie ein Außenseiter mussten sich die Münchner gegen die Angriffe der Borussia stemmen. Nach gut einer Stunde wechselte Flick Davies und Coman für Hernández und Cuisance ein, Gnabry übernahm das zentrale offensive Mittelfeld. Davies und Coman brachten sofort mehr Schwung und zugleich Ruhe am Ball in die Münchner Mannschaft. Und Gnabry nutzte seine neue Rolle zu einem Volleyschuss, mit dem er Sommer zu einer Parade zwang.

Nun ließ sich jener FC Bayern wiedererkennen, der zuletzt 24 von 27 Pflichtspiele unter Flick gewonnen hatte. Die gewohnte Dominanz kehrte zurück und damit jene Rollenverteilung, die die Bayern gewohnt sind, erst recht in ihrer Arena. "Es ist sehr enttäuschend", sagte Gladbachs Lars Stindl. "Nicht nur in der ersten Hälfte, sondern auch den ersten 15 Minuten der zweiten Hälfte haben wir gute Ansätze gezeigt, haben die Bayern hoch gepresst. Dann hat der FC Bayern Übergewicht gehabt und die Kräfte haben bei uns nachgelassen."

Stürmer Kwasi Wriedt aus der zweiten Mannschaft durfte zum Aufschwung der Bayern in der Schlussphase als Ersatz für Zirkzee auch noch beitragen. Und dann drückte Goretzka eine Hereingabe von Pavard mit dem Fuß zum 2:1 ins Tor. Flick jubelte, die beiden Bälle in seiner Coachingzone ließ er ruhen.

© SZ vom 14.06.2020/tbr
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