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DFB-Team:Wer kennt diese Männer?

Germany v Estonia - UEFA Euro 2020 Qualifier

Marco Reus, Thilo Kehrer und Leroy Sané: Ein Jahr ohne EM ist ein Jahr vor der EM

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Eigentlich hätte das DFB-Team in der kommenden Woche in die EM starten sollen. Die SZ enthüllt, welchen Kader Jogi Löw nominiert hätte - und wer im nächsten Jahr dabei sein darf.

Glosse von Christof Kneer und Philipp Selldorf

Am Freitag wäre die Fußball-Europameisterschaft in Rom eröffnet worden, am kommenden Dienstag würde die deutsche Nationalmannschaft in München ihr Auftaktspiel bestreiten. Nach allem, woran man sich erinnert, wären die Franzosen der erste Gruppengegner gewesen, und jetzt, wo man drüber nachdenkt, fällt einem ein, dass anschließend wohl die Portugiesen drangekommen wären. Der dritte Gruppengegner wiederum fällt einem aus guten Gründen nicht ein, er ist noch gar nicht ermittelt. Die sogenannten Playoff-Spiele sind ebenso dem Coronavirus zum Opfer gefallen wie das gesamte Turnier, was eine interessante Frage aufwirft: Ist die Verschiebung des Turniers ein Vor- oder Nachteil für die deutsche Elf und ihren Trainer, diesen ..., na, ... Dings? Deutschland hätte sich bei einer EM in diesem Sommer "nicht verstecken" müssen, meinte in dieser Woche immerhin der Experte Lothar Matthäus, der sich im WM-Finale 1990 beim entscheidenden Elfmeter allerdings versteckt hat.

Nun ist es aber so, dass die Dings, ... na, ... wie heißt sie noch mal, .... also dass diese Nationalmannschaft im vergangenen Jahr so gut versteckt war wie nie zuvor in ihrer Geschichte. In der jüngsten Ausgabe der Sendung "Aktenzeichen XY" präsentierte Moderator Rudi Cerne das Bild eines Mannes, der am Strand von Sotschi an einer Laterne lehnt und seit Monaten als vermisst gilt ("Wer kennt diesen Mann?"). Cerne rief die Bevölkerung zur Mithilfe auf: Wer den Mann gesehen habe, möge sich bitte beim Deutschen Fußball-Bund, Otto-Fleck-Schneise 6, 60528 Frankfurt oder in einem Freiburger Schönheitssalon melden.

Aufgrund der Abwesenheit von Jogi "Joachim" Löw weiß zwar niemand, mit welchem Kader die DFB-Elf bei der EM 2020 am Strand von Herzogenaurach Quartier bezogen hätte, allerdings kennt die SZ den Bundestrainer gut genug, um zu wissen, was passiert wäre. Und für den Fall, dass Löw verschollen bleibt, wirft die SZ auch schon mal einen Blick in den Juni 2021. Welcher Spieler könnte die Verschiebung des Turniers nutzen, um sich bis dahin noch aufzudrängen, welche neuen Möglichkeiten könnten sich ergeben? Ein Überblick, seriös erleuchtet von einer Strandlaterne.

Tor

Juni 2020: Die Rollen im deutschen Tor sind klarer verteilt als vor zwei Jahren. Bei der WM 2018 durfte der lange verletzte Manuel Neuer nur aus einem einzigen Grund ins Tor: weil er Manuel Neuer war. Und Marc-André ter Stegen, sehr gesund und in Topform, durfte aus demselben einen Grund nicht ins Tor (weil er nicht Manuel Neuer war). Inzwischen ist Neuer immer noch Neuer und außerdem wieder gesund und in Topform, es gibt im Juni 2020 also keinen Grund, den zweitbesten Torwart der Welt (ter Stegen) ins Tor zu stellen.

Für DFB-Manager Oliver Bierhoff ist diese Konstellation eine Herausforderung: Er muss den anspruchsvollen ter Stegen bei Laune halten. So haben sie beim DFB überlegt, extra für ter Stegen einen Hotelclown sowie einen Animateur vom Club Robinson zu engagieren, der Beachvolleyball- und Backgammon-Turniere sowie eine Wassergymnastik-Challenge organisiert. Weiterhin soll eigens für ter Stegen das Wlan-Netz verstärkt werden, um sich auch nachts beim brandneuen Konsolenspiel "Fifa/Euro 2024" vergnügen zu können, bei dem ter Stegen als Nr. 1 im Tor steht.

Für die Auswahl des dritten deutschen Torwarts nutzt Torwarttrainer Andreas Köpke wieder seinen bewährten DFB-Torwartwürfel, der schon 2006 einen Tick mehr auf die Seite von Jens Lehmann fiel als auf die von Oliver Kahn. Wieder hat der DFB-Trainerstab eine Menge Spaß beim rituellen Würfelabend vor der Nominierung, diesmal fällt die Wahl auf Bernd Leno statt auf Kevin Trapp. Andere Torwarttalente drängen sich zurzeit nicht auf, U 21-Keeper Lennart Grill patzt bei Kaiserslauterns 1:3-Niederlage beim MSV Duisburg.

Juni 2021: Manuel Neuer hat seinen Stammplatz beim FC Bayern nach einem Aufsehen erregenden sportjuristischen Prozess an Alexander Nübel verloren. Der ewige Sportrechtsanwalt Christoph Schickhardt, der in dieser Angelegenheit Neuer, Nübel, den FC Bayern, den DFB sowie den SV Wehen Wiesbaden vertritt, entdeckt eine Zusatzvereinbarung in Nübels Vertrag, die dem Torwart Einsätze gegen alle Gegner garantiert, die in der Tabelle hinter Bayern stehen. Somit übernimmt Nübel vom zweiten Spieltag an das Münchner Tor. Mit einer von Schickhardt eingereichten Eilverfügung macht Nübel dann auch noch ein Recht auf Blitztabelle geltend, weshalb ihm nachträglich noch die zweite Halbzeit des ersten Spieltags zugesprochen wird.

Nübel fährt als Nummer zwei zur EM, Neuer bleibt auch ohne Spielpraxis Nummer eins. Die Kosten für einen Animateur spart sich der DFB, denn Köpkes Würfel entscheidet gegen ter Stegen, der mit Barcelona gerade das Triple gewonnen und in der Rückrunde kein Gegentor kassiert hat. Als Nummer drei fährt Sven Ulreich zum Turnier, der auf Schalke erfolgreich einen großen Torwart beerbt hat (Nübel)

Abwehr

Juni 2020: Die Nation beschäftigt ein Aufsehen erregender Streit um Abwehrchef Niklas Süle, den auch Christoph Schickhardt nicht schlichten kann. Der FC Bayern empört sich darüber, dass der DFB den lange verletzten Verteidiger auch ohne Spielpraxis fürs Turnier nominieren möchte. "Ich muss offen und ehrlich sagen, dass der DFB am Ende des Tages gut beraten ist, wenn er das exklusive pekuniäre Recht des FC Bayern auf den Spieler als Conditio sine qua non anerkennt", sagt Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Ehrenpräsident Uli Hoeneß springt ihm zur Seite. Die Idee des DFB sei "ein Scheißdreck, die sollen erst mal ihre Akademie fertig bauen und ihre Leichen aus dem Keller räumen". Bayern-Vorstand Oliver Kahn verweigert auf Schickhardts Anraten hin einen Kommentar und verweist auf seine Schweigepflicht in der Probezeit.

Löw verzichtet auf Süle und vertraut im Abwehrzentrum auf Matthias Ginter und Antonio Rüdiger, die über Spielpraxis verfügen, wenn auch nicht beim FC Bayern. Die als Alternativen vorgesehenen Jonathan Tah und Niklas Stark schaffen den Sprung in den Kader nicht, nachdem sie ihre Stammplätze in den Klubs an Männer namens Tapsoba (Tah) sowie Torunarigha (Stark) verloren haben. Im Aufgebot steht dafür Robin Koch, der zwei herausragende Qualitäten in die Wertung bringt: Er spielt in Löws Freiburg und ist nicht mit DFB-Vizepräsident Rainer Koch verwandt.

Von einer Nominierung des Freiburgers Manuel Gulde sieht Löw nach empörten Reaktionen des Freiburg-Trainers Christian Streich ("Was machet ihr mit uns kleine Freiburger?") jedoch ab. Streich fürchtet die Überbelastung seiner Spieler vor einer anstrengenden Europacup-Saison.

Für die Außenverteidigung holt Löw die Pärchen Lukas Klostermann/Thilo Kehrer (rechts) sowie Marcel Halstenberg/Jonas Hector (links). Hectors Nominierung ist wegen zunehmender Unsichtbarkeit umstritten, für ihn spricht aber, dass er sich bei der EM 2016 im Elfmeterschießen gegen Italien nicht versteckt hat (Matthäus). Dass es Dortmunds Nico Schulz auch noch gibt, hat Löw vergessen. Grund: Klubtrainer Lucien Favre hat ihn ebenfalls vergessen.

Juni 2021: Linksverteidiger Philipp Max wird von Löw weiterhin nicht berücksichtigt, trotz 17 Saisontoren und 77 Assists. Vom Linksverteidiger Robin Gosens (Bergamo) hat Löw inzwischen schon mal gehört. Dortmunds Geschäftsführer Aki Watzke wirft Löw in der Sendung "Wontorra" vor, er sei "auf dem BVB-Auge blind" und fordert die Berufung der Linksverteidiger Nico Schulz und Marcel Schmelzer.

Jérôme Boateng, der im Sommer und Winter 2020 fast zu Juventus Turin gewechselt wäre, hat sich in München unter Trainer Flick zum besten Boateng entwickelt, der er noch sein kann und Niklas Süle (keine Spielpraxis) auf die Bank verdrängt. Löw verwirft aber Gedanken an eine Rückholaktion und sagt, Boateng sei "noch nicht so weit", werde aber "weiter beobachtet". Am nächsten Morgen korrigiert er sich und sagt, er habe damit Philipp Max gemeint. Um die Freiburg-Quote zu erfüllen, erwägt er die Einberufung des ein oder anderen Schlotterbecks. Christian Streich ist völlig verzweifelt. Kein Thema sind diverse Benders (verbeult).

Und Mats Hummels? "Welcher Hummels?" (Zitat Löw)

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