Lesung:Von der besten Feindin zur Freundin

Lesung: Die Schriftstellerin Christa Wolf, hier auf einem Foto von 1971.

Die Schriftstellerin Christa Wolf, hier auf einem Foto von 1971.

(Foto: DB/dpa)

Die Schauspielerinnen Martina Gedeck und Johanna Wokalek lesen im Münchner Prinzregententheater aus den Briefen der Schriftstellerinnen Brigitte Reimann und Christa Wolf.

Von Josef Grübl

Wer Martina Gedeck oder Johanna Wokalek sehen möchte, musste bislang fernsehen oder ins Kino gehen. Auf der Bühne stehen die beiden Schauspielerinnen selten, vor der Kamera dafür umso öfter. Vor 15 Jahren drehten sie zusammen "Der Baader Meinhof Komplex", Gedeck bestach darin als Ulrike Meinhof, Wokalek war nicht minder beeindruckend als Gudrun Ensslin. Jetzt haben sie wieder ein gemeinsames Projekt. Wer die Schauspielerinnen dabei erleben möchte, muss allerdings ins Theater gehen: Sie lesen im Münchner Prinzregententheater aus dem Briefwechsel von Brigitte Reimann und Christa Wolf.

Freundschaft auf den ersten Blick war es wohl nicht, was diese beiden Schriftstellerinnen verband. Die DDR war ihre Heimat, dort feierten sie in den frühen Sechzigerjahren erste Erfolge. Die vier Jahre jüngere Brigitte Reimann arbeitete ab 1960 in einem VEB in Hoyerswerda und leitete dort einen "Zirkel schreibender Arbeiter". Die 1929 geborene Christa Wolf bezeichnete sie in ihrem Tagebuch als "beste Feindin" - sie verdächtigte sie, ihr als Jury-Mitglied einen Literaturpreis vorenthalten zu haben.

Erst drei Jahre später, im Oktober 1963, reisten die zwei Frauen als Mitglieder einer Schriftsteller-Delegation nach Moskau, auf dieser Reise freundeten sie sich an. "Ich mag sie sehr leiden", schrieb Brigitte Reimann schon ein paar Tage nach Reiseantritt über Christa Wolf. Zu jener Zeit erschienen auch Reimanns "Die Geschwister" und Wolfs "Der geteilte Himmel", in beiden Erzählungen ging es um die Teilung Deutschlands. Sie wurden Freundinnen und schrieben sich bis zum frühen Tod Reimanns im Jahr 1973 Briefe, diese wurden Jahrzehnte später unter dem Titel "Sei gegrüßt und lebe" als Buch veröffentlicht. Christa Wolf starb 2011, einige Jahre später erschien eine um Tagebucheinträge ergänzte Neuauflage des Buchs.

Im Rahmen der Reihe "Literatur erlesen" werden Martina Gedeck und Johanna Wokalek aus diesem Buch lesen, sie wollen die Konflikte, Krisen und Widersprüche dieser bedeutenden Stimmen der deutschen Literatur wieder lebendig machen.

Erlesene Literatur: Martina Gedeck und Johanna Wokalek lesen aus dem Briefwechsel Reimann/Wolf, Mi., 24. Januar, 20 Uhr, Prinzregententheater, Prinzregentenplatz 12

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