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Wiesn-Alternative:Ganz München wird zum Festplatz

Abendstimmung im Olympiapark in München, 2012

Ein Riesenrad im Olympiapark soll es in diesem Corona-Sommer wieder geben - und sogar eines auf dem Königsplatz.

(Foto: Robert Haas)

Riesenräder im Olympiapark und auf dem Königsplatz, Marktstände und Fahrgeschäfte, Konzertbühnen und Trampolinparks an verschiedenen Orten. So sieht der "Sommer in der Stadt" aus.

Von Christian Rost

Der "Sommer in der Stadt" kann kommen. Der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats hat am Dienstag das Konzept für das münchenweite Festival ohne Gegenstimmen gebilligt. Vom 22. Juli bis zum Ende der Sommerferien wird es in etlichen Stadtteilen ein Unterhaltungsprogramm mit Fahrgeschäften, Marktbuden, Sportevents, kulturellen Darbietungen und Veranstaltungen für Kinder geben. Zwei Riesenräder auf dem Königsplatz und im Olympiapark werden aufgestellt, und die Gastronomie beteiligt sich allein mit 23 Biergärten an dem - wie es hieß - "Experiment", das offiziell nicht als Ersatz für das wegen der Corona-Pandemie abgesagte Oktoberfest gedacht ist, aber doch wieder Freude und Gäste in die Stadt bringen soll.

Nicht nur die Schausteller und Budenbetreiber, für die die Wiesn alljährlich die Haupteinnahmequelle darstellt, brauchen dringend einen Impuls, die Lage sei für weite Teile der Wirtschaft schlimmer als befürchtet", sagt Wolfgang Fischer vom Stadtmarketingverein City-Partner. Fischer war einer der Interessensvertreter der Wirtschaft, den die Stadträte eingeladen hatten, um sich vor der Abstimmung über den "Sommer in der Stadt" ein Bild vom Ausmaß der Krise zu verschaffen. Die Industrie- und Handelskammer warnte vor einer "größeren Insolvenzwelle im Herbst", die Handwerkskammer mahnte die Stadt, den Verkehr und somit das Gewerbe nicht weiter auszubremsen. Und der Handelsverband Bayern sprach sich eindringlich für Werbeaktionen aus, um den Tourismus zurück in die Landeshauptstadt zu holen. Das waren neue Töne im Stadtrat, schließlich hatte es das prosperierende München bislang nicht nötig, um Gäste zu buhlen. Doch in einer Zeit, in der die Zahl der Arbeitslosen steigt und die Menschen ihr Geld zusammenhalten, muss umgedacht werden. "Uns fehlen die Umsätze", brachte es Christian Schottenhamel für den Hotel- und Gaststättenverband auf den Punkt.

Einen Umsatzschub soll der "Sommer in der Stadt" nun in einer "besucherschwachen Zeit" bringen, wie es das Wirtschaftsreferat in seinem Konzept für das Festival beschreibt. Die Münchner, die ihre Ferien in diesem Jahr notgedrungen zu Hause verbringen, sollen ebenso angesprochen werden wie all die Urlauber, die sich in den umliegenden Regionen in Oberbayern oder im Allgäu aufhalten. Egal, wie die Leute angelockt werden: Es sei "jede Aktion willkommen", begrüßte Gregor Lemke, Sprecher von 37 Innenstadtwirten, die Pläne.

In der Not entsteht nun Neues, da gab es keinen Widerspruch quer durch die Fraktionen im Rathaus. Die Grünen wollten nur festgeschrieben haben, dass die Gastronomie auch ausreichend ökologische, vegetarische und vegane Angebote bereithält. Ansonsten können die Akteure wie geplant mit den Vorbereitungen loslegen. Verantwortlich zeichnet nicht die Stadt für die einzelnen Programmpunkte, sondern in Abstimmung mit den Bezirksausschüssen private Kuratoren. Es beteiligen sich der Verband der Münchner Schausteller, die Marktkaufleute, die Hoteliers und Wirte, die Olympiapark GmbH, das Stadtjugendamt, das Kultur- und Sportreferat, Kunsthandwerker und viele mehr. Edmund Radlinger vom Schaustellerverband sagte, es sei gut für seine Branche, dass nun wieder "Bewegung ins Spiel kommt nach Monaten ohne Umsätze".

Neben der Theresienwiese wird der Olympiapark ein großer Schauplatz des ersten Stadtsommers. Blickfang dort wird ein 55 Meter hohes Riesenrad. Von der Olympiahalle über den Coubertinplatz entlang des Olympiasees werden Marktstände, Buden, Karusselle und Gastronomiebetriebe ein betont familienorientiertes Unterhaltungsangebot bilden. Unter dem Motto "Bayern" steht das Angebot auf dem Festivalgelände im Park. Ein weiteres Riesenrad, ebenfalls umgeben von Fahrgeschäften, ist am Königsplatz vorgesehen. Der Schaustellerverband organisiert auf vier Münchner Plätzen Kurzweil: dem Mariahilfplatz, dem Orleansplatz, dem Weißenburger Platz und dem Wittelsbacherplatz. Im Gespräch sind außerdem das Werksviertel und die Fläche am Friedensengel. Speziell für das jüngere Publikum plant das Stadtjugendamt Events mit Musik und Tanz. Einen Sportparcours soll es am Gasteig geben, und am Willy-Brandt-Platz wird eine Trampolinanlage aufgebaut.

Ebenfalls am Start ist Mini-München, wegen der pandemiebedingten Einschränkungen allerdings mit gedeckelter Teilnehmerzahl an unterschiedlichen Plätzen und in Parks. Mehrere Bühnen als Auftrittsmöglichkeiten für Künstler plant das Kulturreferat im Olympiapark, im Innenhof des Stadtmuseums, am Valentin-Karlstadt-Musäum, im Innenhof des Deutschen Theaters sowie am Gasteig. Um das Kunsthandwerk zu unterstützen, sind Stände am Odeonsplatz, entlang der Residenzstraße, auf dem Max-Joseph-Platz bis hin zur Schrammerstraße vorgesehen. Ausgedehnte Spaziergänge sind auf Themenpfaden wie dem Museums-Pfad oder dem Biergarten-Pfad möglich. Sobald das Programm im Detail steht, wird es unter www.muenchen.de/sommer veröffentlicht.

© SZ vom 08.07.2020/wean
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