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Freizeit in München:Acht Tipps für eine Weltreise durch die Stadt

Wen das Fernweh plagt, der muss in diesen Zeiten München nicht mal verlassen. Denn hier gibt es Plätze, an denen es sich anfühlt wie in Italien, Frankreich, Nepal oder dem hohen Norden.

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Italien vor Sankt Ursula

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Quelle: Stephan Rumpf

Wer in München Italien sucht, wird nicht nur an einem Fleck fündig. In Schwabing holt man sich in einer der vielen Gelaterien ein Eis und setzt sich wie in Florenz auf die Treppenstufen der Sankt Ursula Kirche, die auch liebevoll "Dom von Schwabing" genannt wird. Nicht nur die warme Fassadenfarbe hinter den Rundbögen erinnert an das Land im Süden, sondern auch ihre Florentiner Architektur: Ornamente nach dem Vorbild oberitalienischer Glasmalerei finden sich genauso in der Basilika wie Gewändefiguren in Terrakottafarben.

Bei einem Spaziergang durch die Altstadt trifft man mehrmals auf italienische Einflüsse: Der Max-Joseph-Platz wurde von Leo von Klenze nach dem Vorbild des Kapitolplatzes in Rom entworfen - mit dem kleinen Unterschied, dass sich der Platz nicht unter Mark Aurels, sondern Max Josephs Hand erstreckt. Auf dem Odeonsplatz befindet sich die erste Kirche im italienischen Barockstil nördlich der Alpen, die Theatinerkirche. Gleich daneben lässt sich in diesen Sommermonaten noch ein Blick auf die Rundbögen der Feldherrnhalle nach dem Vorbild der Loggia dei Lanci in Florenz werfen, ehe sie hinter den anstehenden Restaurationsarbeiten verschwinden.

Ein Gefühl, als sei man mitten in Venedig am Canale Grande, ermöglichen die Gondelfahrten auf dem Nymphenburger Kanal. Zur Ruhe kommen kann man wunderbar im Garten der Lenbachvilla im Stil der italienischen Renaissance. Zwischen plätschernden Brunnen und Weinreben, die sich an den terracottafarbenen Wänden hinaufrangeln, lebt hier die Toskana mitten in München auf. Noch authentischeres Italien-Flair, ein "ciao ragazzi" und Espresso direkt am Tresen gibt es in zahlreichen Münchner Cafés, ganz typisch etwa in der Bar Centrale in der Ledererstraße unweit des Marienplatzes.

Sankt Ursula, Mo., Mi, Fr. 10-12 Uhr, Di., Do. 14-16 Uhr, Kaiserplatz 1; Theatinerkirche, täglich 7-20 Uhr, Salvatorplatz 2A; Gondel Nymphenburg, Fr. bis So. 11-18 Uhr, Schloss Nymphenburg 1, Infos: www.gondel-nymphenburg.de; Lenbachhaus, Di. bis So. 10-18 Uhr, Luisenstraße 33, Eintritt in den Garten kostenlos; Bar Centrale, Mo. bis Mi. 7.30-23 Uhr, Do. bis Sa. 7.30-0 Uhr, Ledererstraße 23, Telefon 22 37 6, www.bar-centrale.com

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Japan im Englischen Garten

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Quelle: Robert Haas

Der Englische Garten ist zwar nach den englischen Landschaftsgärten benannt, die Friedrich Ludwig von Sckell bei der Gestaltung als Vorbild dienten, aber hier findet sich auch ein Stück Japan. Betritt man den Englischen Garten vom Hofgarten kommend, stößt man auf eine kleine Insel mit einem japanischen Teehaus, die dank der leuchtend roten Sternahorne und Gingkobäume gleich ins Auge fällt.

Über einen schmalen steinernen Steg erreicht man das Teehaus Kanshoan, in dem man einer traditionellen japanischen Teezeremonie beiwohnen kann. Das Teehaus wurde in Japan angefertigt und aufgebaut, dann zerlegt nach München geschaffen. Die Zeremonie-Vorführung dauert etwa eine Stunde, eine Schale Tee und eine Süßigkeit sind in dem Unkostenbeitrag von 10 Euro inbegriffen. Wegen Corona sind die Vorführungen allerdings bis auf weiteres abgesagt. Wer in der Stadt dennoch japanischen Tee oder Matcha trinken möchte, wird auch im Glockenbachviertel im "Tushita Teehaus" fündig. Noch mehr Japan, auch zum Mitnachhause nehmen, findet man in Schwabing im "Japanalia". Dort kann man japanische Antiquitäten erwerben, und in der "Micheko Galerie" in der zeitgenössische japanische Kunst betrachten.

Teezeremonie, Teehaus Kanshoan, www.urasenke-muenchen.de, Tushita Teehaus, Klenzestr. 53, www.tushita.eu, Japanalia, Herzogstr. 7, www.japanalia.de, Micheko Galerie, Theresienstr. 18, www.micheko.com

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Französisches Flair

Im Hofgarten beim Boule

Quelle: Florian Peljak

Wer an noch lauen Nachmittagen durch den Hofgarten flaniert, der hört unwillkürlich ein metallisches Geräusch - klack-klack, klack-klack. Das sind die Boule-Spieler, die das französische Spiel "Petanque" zelebrieren mitsamt mitgebrachtem Picknick, Rotwein und Pastis. Ein kleinen Gruppen stehen sie beisammen, werfen ihre Kugeln und versuchen mit ihren Metallkugeln möglichst nah an den kleinen, farbigen Ball, das sogenannte Schwein, heranzukommen, der als Ziel dient.

Bleibt man kurz stehen und schaut ihnen zu, kann es passieren, dass man freundlich aufgefordert wird, doch eine Runde mitzuspielen. Ein Satz Ersatzkugeln hat schon irgendwer dabei. Auch das sogenannte Franzosenviertel Haidhausen hat französisches Flair. Zum Beispiel in der Belfort- oder Pariser Straße mit den Häuserfassaden aus dem späten 19. Jahrhundert im Stil der Neurenaissance und des Neubarock. Der nahegelegene Bordeauxplatz, der an die seit 1964 bestehende Städtepartnerschaft erinnert, lädt mit einem Brunnen und der Grünanlagen zum Picknick ein. Französische Bäckereien und Cafés wie "Lola's Eckcafé" oder "Claude & Julien" verkaufen Baguette, Croissants und Café au laît, eine Institution ist die Crêperie "Bernard & Bernard" in der Inneren Wiener Straße.

Boule im Hofgarten, Hofgartenstraße 1; Bordeauxplatz, Wörthstraße 31; Lola's Eckcafé, Metzstraße 37; Claude & Julien, Elsässer Str. 25; Schloss Nymphenburg, Schloss Nymphenburg 1, Bernard & Bernard, Innere Wiener Straße 32

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Auf den Spuren der alten Ägypter

SMÄK  eroeffnung kunst und_zeit antinous

Quelle: SMÄK/Marianne Franke

Wer hätte gedacht, dass man sich auf dem Weg durch die Münchner Innenstadt ins alte Ägypten zurückversetzen lassen kann? Beim Anblick des großen Eingangsportals aus Sichtbeton des Staatlichen Museums für Ägyptische Kunst denkt man direkt an alte Grabmäler. Auch der Obelisk am Karolinenplatz und das sogenannte ägyptisierende Tor am Alten Botanischen Garten erinnern an die Hochkultur am Nil. Ergänzt werden diese architektonischen Eindrücke durch die Statue "Harmlos" in der Grünanlage des Prinz-Carl-Palais, welche Antinoos darstellt, den im Nil verstorbenen Begleiter und Geliebten des römischen Kaisers Hadrian.

Am Marienplatz kann man die Abbildung des aus Ägypten stammenden Heiligen Onophrius bestaunen, die im Trubel der Stadt oft zu Unrecht untergeht. Das Museum für ägyptische Kunst arbeitet gerade an einem Rundgang, mit dessen Hilfe man sich in Zukunft noch intensiver auf die Spuren des alten Ägyptens in München begeben kann.

Staatliches Museum ägyptischer Kunst, Di. 10-20 Uhr, Mi.-So., 10-18 Uhr, Gabelsbergerstraße 35, www.smaek.de; Ägyptisierendes Tor am Alten Botanischen Garten, Sophienstraße Ecke Elisenstraße; Der "Harmlos", Statue in der Grünanlage des Prinz-Carl-Palais, Franz-Josef-Strauß-Ring 5; Abbildung des Onophrius, Marienplatz

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Akropolis in der Maxvorstadt

Milder Wintertag am Königsplatz in München, 2014

Quelle: Alessandra Schellnegger

Wen es nach Griechenland zieht, schlägt am besten den Weg zum Königsplatz ein - in das kulturelle Herz der Stadt, das einem antiken Forum gleicht. Zu verdanken hat das München bekanntlich einem glühenden Verehrer des antiken Griechenlands: Ludwig dem I. Wer ein geschultes Auge hat, erkennt, dass der bayerische König seine Hofarchitekten eine Anlage schaffen ließ, die alle drei griechischen Baustile miteinander vereint: Die Propyläen mit dorischen Säulen entstanden - ursprünglich als Stadttor gedacht - nach dem Vorbild der Akropolis in Athen.

Die Glyptothek, die momentan noch aussieht wie ein Verhüllungsprojekt von Christo und Jeanne-Claude, folgt dem ionischen Stil, und die Antikensammlung wird von korinthischen Säulen gestützt. Dieses Zusammenspiel betrachtet man auf der Wiese oder den Stufen der Antikensammlung - zumindest noch so lange, bis der beliebte Sonnenplatz vor der Glyptothek im Herbst wieder zugänglich ist. Diesen Sommer kann man das ludovizianische Isar-Athen aus neuen Perspektiven ansehen - zum Beispiel von oben: das Riesenrad unmittelbar vor den Propyläen bringt Fahrgäste auf Augenhöhe mit griechischen Freiheitskämpfern im Relief des klassizistischen Bauwerks, auf der Theresienwiese lässt sich die Ruhmeshalle mit ihrer Bavaria nach dem Vorbild der Stadtgöttin Athena ungestört von Oktoberfestzelten genießen - ideal für einen Herbstspaziergang.

Staatliche Antikensammlung, Königsplatz 1, Di., Do. bis So. 10-17 Uhr, Mi. 10-20 Uhr; Bavariaring, Theresienwiese

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Wildes Norwegen an der Isar

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Quelle: Hartmut Pöstges

Naturbelassene Flussläufe, die Gischt der strömenden Wellen und das raue Gebirge im Hintergrund - das gibt es nicht nur in Norwegen, sondern auch im Münchner Umland. Denn um norwegische Flusslandschaften zu genießen, muss man nicht in den Flieger steigen, sondern kann sich zu Fuß, mit dem Rad oder der S-Bahn auf den Weg zum Riemerschmidpark zwischen Icking und Wolfratshausen machen, wo die Loisach in die Isar mündet.

Mit dem Rad kann man den Park in anderthalb bis zwei Stunden erreichen, bei einer Wanderung zu Fuß sollte man für die circa 27 Kilometer dann schon einen ganzen Tag einplanen. Mit der S7 kann man bequem vom Münchner Hauptbahnhof aus nach Icking oder Wolfratshausen fahren, von beiden Stationen aus erreicht man die Mündung zu Fuß in 30 bis 40 Minuten. Zum Abschluss laden Restaurants in Wolfratshausen zum Einkehren ein.

Mündung der Loisach in die Isar, im Riemerschmidpark zwischen Icking und Wolfratshausen, per S-Bahn S7 Richtung Wolfratshausen, Haltestelle Icking oder Wolfratshausen

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Ein Hauch Fernost im Park

Restaurierung der Buddha Statue im Münchner Westpark, 2013

Quelle: Alessandra Schellnegger

Ein bisschen Marihuana gefällig? Als die nepalesische Friedenspagode für die Gartenbauausstellung 1983 aus Nepal in den Münchner Westpark gebracht wurde, schmuggelte man in den Hohlräumen der Schnitzereien 400 Kilogramm Haschisch. Das illegale Rauschmittel ist natürlich längst nicht mehr dort, Asienflair dafür schon. Die Pagode, eine Stiftung eines gemeinnützigen Kulturvereins, wurde in sieben Monaten von 300 Handwerkern geschnitzt. Zum ersten Mal seit 200 Jahren wurde damals eine vollständige Pagode nach traditioneller Methode erbaut. Auch eine thailändische Sala, also einen Tempel, mitsamt einer neun Meter hohen Buddha-Statue gibt es zu entdecken, der im Westsee schwimmt.

Die Statue, geschaffen vom Kunstschnitzer Noppadol Khamlae, war bei ihrer Errichtung das erste freistehende Buddha-Heiligtum in Europa. Im Frühjahr und Sommer finden hier buddhistische Feste statt, aber auch im restlichen Jahr umgibt den Spaziergänger, der durch den westlichen Teil des Westparks schlendert, ein Hauch von Asien.

Westpark, rund um die Uhr geöffnet

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Florenz am Odeonsplatz

Feldherrnhalle in München, 2020

Quelle: Stephan Rumpf

Münchner Touristen in Florenz dürften bei Besichtigung der Piazza della Signoria ein Deja-vu-Erlebnis haben: Direkt neben dem beeindruckenden Palazzo Vecchio steht nämlich die Feldherrnhalle. Oder zumindest das architektonische Vorbild für eben jene: Die Loggia dei Lanzi. Das Gefühl funktioniert auch andersherum, der Odeonsplatz ist daher ein guter Ausgangspunkt für eine Florenz-Reise mitten in München.

Trotz aller Ähnlichkeit trennen die beiden gotischen Arkadenbauwerke 462 Jahre. Das Bauwerk am südlichen Ende des Odeonsplatzes wurde erst von 1841 bis 1844 im Auftrag König Ludwigs I. nach den Entwürfen von Friedrich von Gärtner erbaut. Mit dem Bau wollte Ludwig I. der bayerischen Armee und ihren Feldherrn ein Denkmal setzen. Daher kann man in München nicht Herkules und Perseus sondern die Standbilder von Graf Tilly und Fürst Wrede bestaunen. Bissige Bemerkungen zu den militärischen Leistungen der beiden Dargestellten finden sich in Lion Feuchtwangers Roman "Erfolg". Die beiden Medici-Löwen, die den Ausblick aus der Loggia dei Lanzi genießen, grüßen in München als Wappentier des Freistaates Bayern.

Bei einem kleinen Spaziergang zur Residenz (Palazzo Pitt) und in den alten Botanischen Garten (David-Statue) kann man noch mehr Architektur und Kunst aus Florenz in München entdecken.

Feldherrnhalle, rund um die Uhr geöffnet

© SZ.de/lfr

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