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Hofbräuhaus in München:Der Schlüssel zur kühlen Mass - ein Privileg

Masskrug-Tresore, Schwemme im Hofbräuhaus

Wirt Wolfgang Sperger vor den Masskrug-Tresoren im Hofbräuhaus.

(Foto: Florian Peljak)

Das Hofbräuhaus wird 430 Jahre alt. Wer hier Stammgast ist, kann seinen Bierkrug in einem der 616 Tresore verwahren - für drei Euro pro Jahr.

Am Freitag vor der Wiesn ist im Hofbräuhaus so viel los wie an keinem anderen Tag: 3500 Durstige. Die Stadt brummt vorfreudig, alle Gäste sind schon da, und solange noch nicht ozapft is, geht man eben ins Hofbräuhaus. Wer das zum ersten Mal tut, wird Augen machen, nicht nur wegen der tausend Menschen in der Schwemme, wegen der maximal zünftigen Musikanten, der Spanferkel-Berge, nein, er wird über ein Prozedere staunen: Männer, die ein schmiedeeisernes Fach aufsperren, einen Tonkrug rausnehmen, an der Messingspüle im Eck auswaschen und sich mit offenem Bierdeckel an den Tisch setzen - bis der Kellner die nonverbale Bestellung aufnimmt und mit randvollem Krug zurückkommt. Willkommen in der Welt der Masskrugtresore!

Ein Tresor für Bierkrüge? Wer kommt denn auf so was? Erklären kann das Wolfgang Sperger, der Wirt. Der 50-Jährige ist im Hofbräuhaus aufgewachsen, hinter einem der Fenster an der Nordseite war sein Kinderzimmer. Als er elf war, hatte sein Vater die Pacht übernommen, 1980. Die Tresore hatte Vorgänger Hans Glanegger eingeführt: "Als Olympia kam, gab es einen Erlass der Stadt, dass man keine Steinkrüge mehr wollte - weil man nicht sieht, wie viel drin ist. Die Stammgäste sagten: Für die Touristen könnt ihr gern Glaskrüge nehmen, aber wir behalten unsere Keferloher!", erzählt Sperger. Dabei ging es weniger um Ästhetik als ums Bier: "Durch die Grobporigkeit und die Salzglasierung hält die Kohlensäure länger. Der Ton isoliert das Bier länger, es bleibt kälter und frischer." Und das wegen der paar Touristen aufgeben? Ja wirklich nicht.

Masskrug-Tresore, Schwemme im Hofbräuhaus

In den 616 Tresoren können Stammkunden ihre Masskrüge verwahren.

(Foto: Florian Peljak)

Am 27. September vor 430 Jahren wurde das Hofbräuhaus eröffnet, am 22. September 1897 feierte man den Umbau in der neuen Form. Aus ein paar Touristen sind gewaltige Ströme geworden, dennoch komme der Großteil der Gäste aus Stadt und Oberland, sagt Sperger. 3500 Stammgäste, 123 Stammtische - und 616 Besitzer eines Masskrugtresores. Genau genommen 615. Der Krug in Nummer 124 wird nur zum Abstauben entnommen.

Sein Besitzer Ludwig Aidelsburger ist seit sieben Jahren tot, aber Ehrenstammgast: Seit 1949 kam er regelmäßig, gehörte zu den Elektrikern, die die Oper wieder aufbauten. "Die kamen immer zum Mittagessen", erzählt Sperger, "daraus ist ein Stammtisch entstanden." Nur mit der Stammtisch-Fahne gab's Probleme: Das Symbol für Strom sah zu sehr nach SS aus: ging nicht. Da die Truppe recht bunt war, einigte man sich auf "Wuide Rundn". "Zwei von 20 Mitgliedern haben sie deshalb verloren", sagt Sperger, "denen gefiel der Name nicht: I bin ned wuid!" Doch was es nicht alles für Stammtische gibt: Donnerstags die U-Boot-Fahrer, dann die "Captain's Corner" von der Lufthansa, "De Zammagwiafedn" oder "Höchste Eisenbahn". Auf einem Stammtisch-Schild sind Verstorbene mit eingraviertem Kreuz versehen.

Masskrug-Tresore, Schwemme im Hofbräuhaus

Günther Berger hat seinen Krug auch im Tresor. Hier spült er ihn ab.

(Foto: Florian Peljak)

Der Weg zum Tresor führt über den Stammtisch, erklärt Sperger: "Ein Stammtisch gründet sich meist aus einer Berufsgruppe: Feuerwehr, Polizei, Stadtgärtner, Trambahnfahrer. Die Stammtischler schauen erst mal, ob einer dazu passt und nach einer Zeit kann es sein, dass sie ihn aufnehmen." Und es gibt die Stammgäste ohne Stammtisch: Man kenne sich irgendwann, rede mit den Leuten: Was machst du eigentlich? "Irgendwann sag' ich dann: Geh halt nauf und füll' deinen Antrag aus", erklärt Sperger. Dann gibt's eine Stammgastkarte, mit Bierzeichen und Vergünstigungen: Man zahlt zehn Mass, kriegt elf. Und wenn man eine Weile dabei sei - so zwischen einem und fünf Jahren, also eher fünf -, "dann stellt man sich bei mir oder beim Ebner für ein Masskrugfach an. Wenn eins frei wird, vergeben wir das".

Herbert Ebner ist Stammtisch-Koordinator und Verwalter der Masskrugfächer, einer von 300 Angestellten. Er kontrolliert auch den Eingang der drei Euro Tresormiete pro Jahr. "Wahrscheinlich könnten wir auch 3000 verlangen", scherzt Sperger, der überhaupt mit einem sonnigen Gemüt versehen ist. Wer bis 31. März nicht zahlt, bekommt einen Anruf. "Wir schauen auch nach, ob die Krüge benutzt werden, ob eine Staubschicht drauf ist", so Sperger, "das ist für uns wichtig. Da rufen wir schon mal an und fragen: Geht's dir gut?" Könnte ja sein, dass einer krank ist oder sich über irgendwas geärgert hat. So geht Kundenbindung.

Masskrug-Tresore, Schwemme im Hofbräuhaus

Die Tresormiete kostet die Inhaber der Masskrugfächer drei Euro pro Jahr.

(Foto: Florian Peljak)

Stammgäste aufbauen sei schwierig, meint der Wirt. "Wir haben mal die Tische sauber gemacht, frühmorgens alles raus in den Biergarten, mit Dampfstrahler drüber und wieder zurück." Kurz darauf habe einer gerufen: "Du, wo is'n mei Tisch?" Da habe er erst kapiert: Mein Tisch - das ist der Anspruch. Der Tisch des Stammgasts stand nicht am alten Platz. "Wir haben dann zusammen seinen Tisch gesucht." Und dann ist da noch Kurti, der Stammtischreparateur: "Zu dem kommen alle, wenn was kaputt ist", sagt Sperger, "der kann löten, den Deckel fester machen, wenn er runterhängt. Für eine Brotzeit." Der Wirt schwärmt vom Zusammenhalt der Runden: "Stammtisch hat so einen Negativ-Touch, so was Volkstümelndes. Aber wenn man sich über einen längeren Zeitraum immer wieder trifft und darüber redet, was so passiert im Leben, da wächst man zusammen. Und alle nehmen sich gleichzeitig frei!"

Sein liebstes Fest ist Kirchweih: "Da laden wir alle Stammgäste ein, zahlen Essen und Bier." Man könne echt froh sein, wenn man so eine tolle Gemeinschaft zusammenbringe, sagt Sperger. "Wir sind sozusagen das analoge, das richtige Facebook." Das sei doch viel schöner, wenn man die Menschen erlebe. "Was mir die Leute alles schon erzählt haben, was sie im Hofbräuhaus erlebt haben!"

Dass die Idee mit dem speziellen Service für Stammgäste sogar im fernen Dubai funktioniert, hat ihn dann auch gewundert. Dort gibt es ein Hofbräuhaus im Marriott Hotel - mit einem Arsenal voll belegter Masskrugtresore.

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