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Sportveranstaltung:Gute Chancen auf Gay Games

Das Organisationsteam hinter der Bewerbung für die Gay Games München übt schon mal den Siegessprung im Olympiastadion - für den Fall, dass München den Zuschlag erhält.

Das Organisationsteam hinter der Bewerbung für die Gay Games München übt schon mal den Siegessprung im Olympiastadion - für den Fall, dass München den Zuschlag erhält.

(Foto: Doris Leonhardt)

München hat es in die Endauswahl für das globale Breitensportereignis im Jahr 2026 geschafft, die letzten Konkurrenten sind Guadalajara und Valencia. Die Planungen des Organisationsteams sind bereits ausgereift.

Von Stefan Galler

Schon die Olympischen Spiele von 1972 hatten sich selbst das Motto gegeben, fröhlich und heiter zu sein, was dann durch das Attentat palästinensischer Terroristen auf jüdische Sportler auf schreckliche Weise konterkariert wurde. Und doch bleiben von damals auch die farbenfrohen Bilder dieser "Regenbogenspiele" im Gedächtnis, die voll im Trend der Siebzigerjahre lagen und gut zum aufkommenden Farbfernsehen passten.

Bei den Gay Games, einer globalen Sportveranstaltung speziell für homosexuelle Teilnehmer, sollen sich 2026, also 54 Jahre nach den Sommerspielen, wieder Athleten aus aller Welt unter dem Zeltdach miteinander messen. Die Chancen, dass München den Zuschlag für dieses Event bekommt, stehen jedenfalls nicht schlecht: Man hat es in die Endauswahl von drei Bewerberstädten geschafft, die Konkurrenten heißen Guadalajara (Mexiko) und Valencia (Spanien).

"Unsere Bewerbung wird sehr solide sein", sagt Martina Kohlhuber, die wie beispielsweise Grünen-Stadtrat Beppo Brem dem Organisationskomitee angehört. Das Konzept sei auch finanziell ausgewogen und habe einen womöglich entscheidenden Vorteil, sagt Kohlhuber: "Dass wir den Olympiapark als Partner gewinnen konnten und die Wettkämpfe dort sowie auf der Zentralen Hochschulsportanlage stattfinden können, garantiert kurze Wege und natürlich ein außergewöhnliches Ambiente." Unter die letzten drei Bewerber hat man es damit bereits geschafft, nun geht es darum, bis zum 30. April dem Dachverband Federation of Gay Games (FGG) ein 300 Seiten starkes "Bid Book" vorzulegen. Und darauf zu hoffen, dass jene Delegierten beeindruckt sind, die im Herbst in Hongkong (wo 2022 die nächste Auflage stattfindet) über den Austragungsort 2026 entscheiden.

Dafür, dass die Gay Games erst in mehr als fünf Jahren stattfinden sollen, sind die Planungen schon erstaunlich detailliert: Die Spiele werden vom 8. bis 15. August dauern, es gibt Wettkämpfe in insgesamt 34 Disziplinen, angefangen von den olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Schwimmen über Mannschaftswettkämpfe im Fußball, Basketball, Feldhockey, Handball und Volleyball bis hin zu Wettbewerben, die keine olympische Zulassung haben wie Cheerleading, Schach, Bridge, Bowling oder Pool-Billard.

Niemand muss sich der LGBTQ-Bewegung zugehörig fühlen, jeder kann mitmachen

Die Gay Games sind eine reine Breitensport-Veranstaltung, es gibt keine Qualifikations- oder Nominierungskriterien. Teilnehmen kann ausnahmslos jeder, der Lust hat und bereit ist, das Startgeld zu bezahlen, das laut aktueller Kalkulation je nach Disziplin zwischen 45 und 130 Dollar pro Person liegt. Gerechnet wird mit rund 10 000 Teilnehmern, davon mit Abstand die meisten aus Europa und Nordamerika.

Kein Starter muss sich der LGBTQ-Bewegung (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender & Queer) zugehörig fühlen. "Wir prüfen nicht nach", sagt Martina Kohlhuber und lacht. "Es geht uns mit solchen Veranstaltungen um die Sichtbarkeit, aber auch um die Sportler, die in ihren Disziplinen gut sind. Gerade vor dem Hintergrund, dass Outing im Profisport immer noch schwierig ist."

Den Vorwurf, mit eigenen Gay Games einer weiteren Integration von Schwulen und Lesben in die Gesellschaft entgegenzuwirken, weil man sich damit ja eher abgrenze, widerspricht die Organisatorin: "Das ist ganz sicher so nicht beabsichtigt, deshalb gibt es ja auch keine Beschränkungen, jeder kann mittun." Und außerdem wolle man ein Event für die ganze Stadt anbieten, mit einem zentralen "Village" in der City und vielen Veranstaltungen, die über das Sportliche hinausgehen. So würde im Falle eines Zuschlags im Vorfeld der Spiele eine Menschenrechtskonferenz stattfinden, im Rahmenprogramm gäbe es Konzerte, ein Filmfestival, Kunstausstellungen. Und ein paar weitere "Sportarten" in Form von Demonstrationswettbewerben, darunter Aerobic und sogar Schuhplatteln.

Für München wären die Spiele "eine große Ehre", schrieb Oberbürgermeister Dieter Reiter

Schon diese Auswahl zeigt, wie bunt es bei den Spielen zugehen soll. Die Münchner Community wolle sich zeigen, sie stehe voll hinter der Bewerbung, heißt es aus den Reihen der Organisatoren. So sind alleine fünf LGBTQ-Sportvereine aus der Landeshauptstadt in die Organisation eingebunden, darunter Team München, die Isarhechte und der Martial-Arts-Klub Bushido. Deshalb sei die Bewerbung womöglich auch authentischer als jene der Konkurrenz. Dennoch sieht man Guadalajara als ernsten Konkurrenten an, weil Mexiko wie kaum ein anderes Land unter der US-Regierung von Donald Trump zu leiden hatte und weil die Gay Games, die erstmals 1982 in San Francisco und zuletzt 2018 in Paris stattfanden, noch nie in Lateinamerika über die Bühne gegangen sind; während Deutschland beispielsweise bereits 2010 (Köln) zum Zuge gekommen ist.

Dafür hat die Münchner Bewerbung ein anderes Faustpfand: Eine enge Verbindung zu den LGBTQ-Szenen in Osteuropa, ausgehend von jener in der Partnerstadt Kiew. Gerade in der Ukraine, aber auch in Russland, Polen oder Ungarn sehen sich Homosexuelle bis heute massiven Repressalien ausgesetzt. Darauf will die Bewerbung ebenso hinweisen wie auf die Situation von schwulen und lesbischen Flüchtlingen aus Afrika, die sich in München zum Bündnis "Rainbow Refugees" zusammengefunden haben.

Die Phalanx der Unterstützer der Kampagne ist schon jetzt groß: Der Münchner Stadtrat beschloss schon im Juli 2020, sich für die Gay Games 2026 in München stark zu machen und stellte 50 000 Euro zur Verfügung. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wandte sich mit einem klaren Bekenntnis an den Dachverband FGG und schrieb, als "kosmopolitische Weltstadt mit Herz und Heimat einer queeren Vielfalt" wäre es für München "eine große Ehre", die Gay Games 2026 veranstalten zu dürfen. Unterstützung sagten unter anderem auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und der FC Bayern München zu. Als potenzielle Sponsoren konnten bereits große Unternehmen wie BMW und Siemens gewonnen werden.

© SZ vom 03.03.2021/wean
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