Fall für die Staatsanwaltschaft:Verdächtige Nachricht von Freisinger AfD-Politiker Huber

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Fall für die Staatsanwaltschaft: Die Staatsanwaltschaft Landshut prüft eine fragwürdige Chatnachricht des Freisinger AfD-Politikers Johannes Huber.

Die Staatsanwaltschaft Landshut prüft eine fragwürdige Chatnachricht des Freisinger AfD-Politikers Johannes Huber.

(Foto: Marco Einfeldt)

Eine fragwürdige Telegram-Nachricht des AfD-Bundestagsabgeordneten Johannes Huber prüft derzeit die Staatsanwaltschaft. Denn die liest sich wie eine Anleitung zur Erschleichung eines positiven Corona-Testergebnisses.

Von Thilo Schröder, Freising

Eine Chatnachricht des Freisinger Bundestagsabgeordneten Johannes Huber (AfD), die sich liest wie eine Anleitung zur Erschleichung eines positiven Coronatests, beschäftigt derzeit die Staatsanwaltschaft Landshut. Das hat die Freisinger Polizei auf Nachfrage am Mittwoch bestätigt. Huber antwortet darin in einer von ihm geführten Gruppe im Messengerdienst Telegram auf eine Nachricht, in der es offenbar um den Umgang mit Coronafällen am Arbeitsplatz geht. Ein Screenshot davon geistert dieser Tage durchs Netz und wird auf den 26. November datiert. Huber schreibt demnach: "Also: entweder dein Vorgesetzter entscheidet, dass du keinen Kundenkontakt hast, dann reicht 3G mit Antigen-Schnelltest. Oder du suchst dir JETZT einen Infizierten, bleibst 2 Wochen zu Hause und bekommst danach ein Genesenenzertifikat."

Zu Letzterem führt der Abgeordnete weiter aus, man könne "einen Infizierten in ein Glas spucken lassen". Eine offenbar daraus gewonnene unschädliche Flüssigkeit könne man sich dann "vor dem Test mit einem Nasenspray in die Nase spritzen. So weit, dass auch der Rachenabstrich mit PCR-Test positiv anschlägt. Eine Infektion sparst du dir damit". Auf die Nachricht folgt ein zwinkerndes Smiley.

Ist das Ihr Ernst, Herr Huber? "Nein", sagt der AfD-Abgeordnete auf Nachfrage am Telefon. Seines Wissens habe die Anleitung auch "bisher keiner genutzt". Er selbst sei weder gegen Covid-19 geimpft noch genesen. Dass die Nachricht ironisch gemeint sei, zeige der Smiley sowie der hier fehlende Kontext. Die Nachricht sei eingebettet in eine "Diskussion über skurrile Ideen, auf die die Leute kommen am Arbeitsplatz". Einen Nachweis zum Kontext in Form eines erweiterten Screenshots möchte Huber jedoch nicht geben. Er verweist auf die vom Bayerischen Rundfunk zuletzt recherchierten Nachrichten aus einem geschlossenen Telegram-Chat namens "Alternative Nachrichtengruppe Bayern". Huber ist demnach einer der Administratoren. Er lasse derzeit Datenschutzverletzungen im Zuge der Berichterstattung darüber prüfen, so Huber.

Im Nachhinein betrachte er das Teilen der fragwürdigen Test-Anleitung als "leichtfertig", sagt Johannes Huber. "Ja, klar" sei das darin skizzierte Vorgehen rechtswidrig, würde jemand tatsächlich so handeln. Eine solche Nachricht würde er "auch im internen Rahmen nicht mehr" absetzen. Ironie werde oft missverstanden, gerade in sozialen Medien. Eine Ankündigung im Chat, die Gruppe "dicht" zu machen, sollte jemand den Inhalt weiterleiten, hat Huber derweil nicht realisiert. Die Gruppe existiere weiterhin, sagt er, die für den Screenshot verantwortliche Person sei "entfernt" worden.

In einer früheren Version dieses Artikels hieß es in der Unterzeile des Titels, dass die Staatsanwaltschaft gegen Johannes Huber ermittele. Richtig ist, dass der fragliche Telegram-Post aktuell noch von der Staatsanwaltschaft geprüft wird.

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