Jahresrückblick:Wie die Münchner für Erstaunen in der Welt sorgten

Jahresrückblick: "München ist bunt": Immer wieder stellten sich Bürger gegen die Aktivisten der Pegida.

"München ist bunt": Immer wieder stellten sich Bürger gegen die Aktivisten der Pegida.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Viele Bürger engagieren sich 2015 eindrucksvoll für Flüchtlinge und gegen rechts. Wie tragfähig dieser Zusammenhalt ist, muss sich im nächsten Jahr zeigen.

Von Nina Bovensiepen

Auch dieser Eklat passte letztlich in das München-Bild dieses Jahres. In der letzten Stadtratssitzung passierte es. In der traditionellen Weihnachtsrede, die vom ältesten Mitglied des Gremiums gehalten wird, sagte CSU-Mann Reinhold Babor, in München sei nun aber die Obergrenze für Flüchtlinge erreicht. Der große Teil des Stadtrats tat daraufhin, was viele Münchner 2015 immer wieder gemacht haben: Er zeigte Haltung. Die meisten Stadträte erhoben sich und verließen den Saal.

Sie setzten an diesem 16. Dezember noch einmal ein Zeichen dafür, welche Stimmung in München beim Thema Flüchtlinge überwiegt. Gemeinsam aufstehen, ein Zeichen setzen - das ist in München im vergangenen Jahr vielfach passiert. Etwa, um Pegida in die Schranken zu weisen. Oder wenn es darum ging, sich in der Flüchtlingsfrage zu positionieren.

Oft vermischte sich beides. Etwa am 9. November, dem 77. Jahrestag der Pogromnacht, der in diesem Jahr ausgerechnet auf einen Montag fiel, den "Pegida-Tag". Die Stadt war damit gescheitert, einen Aufmarsch der Rechtspopulisten juristisch zu verhindern. Doch umso eindrucksvoller taten dies viele Münchner. Bevor sich gerade mal 100 Pegidisten an der Münchner Freiheit zusammenfanden, versammelten sich mehr als 2500 Menschen vor der Feldherrnhalle am Odeonsplatz. Ein Plakat ragte vor der Rednerbühne in die Höhe, "Geflüchteten die Hände reichen" stand darauf.

Entschlossene Zeichen gegen Pegida

Dieses entschlossene Eintreten vieler Münchner gegen Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Münchner Jahr 2015, beginnend am 12. Januar, als 20 000 Menschen am Sendlinger Tor gegen Pegida demonstrierten, und am 2. Februar mit einer Lichterkette quer durch die Altstadt.

Als unvergesslich wird vielen Münchnern das Wochenende vom 5. und 6. September in Erinnerung bleiben. Jenes Wochenende, an dem am Hauptbahnhof erstmals Tausende von Flüchtlingen ankamen und die Bürger der Stadt ihnen einen herzenswarmen Empfang bereiteten. Nicht umsonst gingen die Bilder von den klatschenden Münchnern um die Welt.

Das Besondere war ja, dass dieser Empfang von niemandem organisiert war, anders als etwa die Pegida-Gegendemonstrationen. Spontan kamen die Menschen zum Hauptbahnhof. An einem Sommerferien-Wochenende, an dem viele Münchner gar nicht in der Stadt waren und mitunter erstaunt von griechischen Inseln oder spanischen Stränden via Tablet oder TV verfolgten, was sich daheim abspielte.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB