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Fernsehen und Streaming:Das sind die besten Serien des Monats

"Das Boot" ist hochprofessionell auf Weltmarktgängigkeit hin inszeniert. Und in "Homecoming" spielt Julia Roberts zum ersten Mal die Hauptrolle in einer Serie.

Von SZ-Autoren

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House of Cards (Sky, später Netflix)

House of Cards - Staffel 6

Quelle: dpa

Hauptdarsteller Kevin Spacey wurde mehrfach der sexuellen Nötigung beschuldigt und deshalb als Hauptdarsteller und Produzent von House of Cards gefeuert - die letzte Staffel findet deshalb ohne ihn statt. Präsidentin ist ohnehin seit dem Ende von Staffel fünf Claire, die Frau von Spaceys hypermacchiavellistischem Frank Underwood.

Ohne zu viel zu verraten: Diese grandios gespielte Claire Underwood, eine Frau und Mitglied der Demokraten, ist noch skrupelloser, noch berechnender, noch kälter als ihr Mann. Die Herrschaft des mittelalten weißen Mannes mag vorbei sein, lautet die Botschaft von House of Cards. Es ist jedoch egal, welches Geschlecht, welche Hautfarbe und welches Parteibuch ein Mensch hat: Wer Macht hat, der wird sie missbrauchen.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Jürgen Schmieder.

2 / 8

Homecoming (Amazon Prime)

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Quelle: Hilary B Gayle/AP

Jetzt ist also auch Julia Roberts ins Seriengeschäft eingestiegen: In Homecoming spielt sie Heidi Bergman, die als Therapeutin des gerade eröffneten Homecoming-Programms zurückgekehrte Soldaten wie den besonnenen Walter betreut. Vier Jahre später, 2022, jobbt sie als Kellnerin in einer Kleinstadt, wo eines Tages ein Ermittler auftaucht und Fragen hat dazu, was damals in der Einrichtung vorgegangen ist. Fragen, die sich auch der Zuschauer stellt. Wie viel weiß Heidi selbst? Was hat ihr damaliger Boss, der blasierte Colin Belfast, mit der Sache zu tun? Und was wurde aus ihrem Lieblingspatienten Walter?

Homecoming überzeugt nicht nur durch ein fantastisches Ensemble, die Serie schafft es auch, immer mal wieder Momente von Leichtigkeit und Humor herzustellen - zwei Dinge, die den meisten Drama- und Thrillerserien dieser Tage bitter fehlen.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Patrick Heidmann.

3 / 8

Mission Wahrheit - Die New York Times und Donald Trump (bis 5.12. in der Arte-Mediathek)

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Quelle: Aletheia Films/WDR

Ein Jahr lang hat die Regisseurin Liz Garbus das Team der New York Times bei ihrer Berichterstattung über Donald Trump begleitet, angefangen beim Amtseid des neuen Präsidenten im Januar 2017. Trump ist überall, im Vordergrund, im Mittelpunkt, am Horizont; Trump entwertet mutwillig den Journalismus und wertet ihn ungewollt auf, denn die Berichterstattung über Trump hat der New York Times neue Abonnenten gebracht.

Tatsächlich fühlt sich die Dokumentation Mission Wahrheit schon nach ein paar Minuten wie eine fiktionale Serie an, was natürlich am Score und an der feinen Kameraarbeit liegt, aber eben auch an der Redaktion der New York Times. Manchmal wird ein Journalist, der gerade im Dunkeln sitzt, von der Smartphone-Beleuchtung etwas zu melodramatisch ausgeleuchtet, im Ganzen ist Mission Wahrheit aber ein gelungenes Beispiel für einen Trend in Film und Fernsehen: die intensive Beschäftigung mit journalistischer Arbeit.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Holger Gertz.

4 / 8

Hackerville (TNT Serie)

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Quelle: HBO/TNT

In Hackerville wird die BKA-Beamtin und Spezialistin für Internetkriminalität Lisa Metz (Anna Schumacher) für ihren ersten Außeneinsatz an den rumänischen Hacker-Hotspot Timişoara geschickt. Ausgerechnet - bis sie acht Jahre alt war, lebte sie mit ihrer Mutter in der Stadt im Westen Rumäniens. Nun kann sie zwei Hacker-Angriffe auf Banken in Deutschland dorthin zurückverfolgen. Einmal wurde gar kein Geld, einmal wurden 9,99 Euro gestohlen. Das ist gar nichts, eigentlich. Dennoch ist das BKA alarmiert: Vor drei Jahren sind durch einen Hack nach demselben Muster mehrere Millionen verschwunden.

Die Familiengeschichte, die Lisa in ihrer Heimat aufarbeitet, ist mal richtig brisant und spannend, real und dicht erzählt. Anna Schumacher besticht als geradlinige Ermittlerin, bei der es keine Sekunde darum geht, dass sie eine Frau ist. Bis in die Nebenrollen, unter anderem mit Ronald Zehrfeld und Nina Kunzendorf, ist die Serie top besetzt. Das mag im Zweifel nicht viel heißen, an Hacker-Stoffen sind schon viele gescheitert. Meistens deshalb, weil das Thema ziemlich abstrakt ist. Hackerville aber ist nicht gar abstrakt, sondern hochdramatisch, oft beklemmend und sehr politisch.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Kathrin Hollmer.

5 / 8

Das Boot (Sky)

´Das Boot"

Quelle: Nik Konietzny/dpa

Die Handlung der Serie "Das Boot" spielt kurz nach der des Kinofilms "Das Boot" - im Jahr 1942, als es für die deutsche Kriegsmarine schon nicht mehr besonders gut aussieht. Es gibt ein neues Schiff, eine neue Besatzung und einen neuen "Kaleun", dessen Feind nicht nur der Kriegsgegner ist, sondern auch ein erster Offizier, der glaubt, den Job besser zu können als der Chef.

Den größten Schritt weg vom Film und von Romanvorlage und Film macht die Serie aber, indem sie die Hälfte der Handlung ans Land verlegt. Und, völlig irre, weil die im Bootskontext doch eigentlich Unglück bringen: Es kommen Frauen in ihr vor. Mehrere sogar, und sie weinen und winken auch nicht bloß am Kai, während das Schiff ausläuft. Sie haben richtig was zu tun mit dem Krieg, der überall auf der Welt und zu jeder Zeit sehr schnell auch zu ihrem wird.

Die Entschlossenheit, mit der das neue "Boot" den Welterfolg anpeilt, ähnelt derjenigen der Matrosen, wenn sie schwitzend die Torpedos zum Abschuss bereit machen. Und das sieht man, im Guten wie im Schlechten. Für Scherze und Langeweile ist im Gegensatz zum Film keine Zeit. "Das Boot" ist ein hochprofessionell hergestelltes, glänzendes Medienprodukt geworden, das aus einigen guten Gründen womöglich in der ganzen Welt gesehen werden wird. Aber wenn ihm das ein wenig mehr egal gewesen wäre, hätte es noch etwas sein können: originell und vielleicht sogar sehr relevant.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Kathleen Hildebrand.

6 / 8

Die Wege des Herrn (bis 29.12. in der Arte-Mediathek)

Arte-Serie ´Die Wege des Herrn"

Quelle: Tine Harden/dpa

Dies ist eine Pfarrerserie, aber keine gewöhnliche. Die Hauptfigur Johannes, gespielt von Lars Mikkelsen (dem Bruder des Hollywood-Stars Mads Mikkelsen), ist bereits in der neunten Generation Geistlicher der evangelisch-lutherischen Volkskirche. Er ist ein unkonventioneller aber einfühlsamer Seelsorger. Als erster in der Familie will er Bischof werden. Die Chancen scheinen gut zu stehen gut, doch dann verliert er überraschend die Wahl - und plötzlich zeigt sich seine dunkle Seite. Jesus, mit dem er spricht, macht er Vorwürfe, er trinkt und betrügt. Drehbuchautor und Showrunner von Die Wege des Herrn ist Adam Price, der bereits mit der ungewöhnlichen dänischen Politserie Borgen Seriengeschichte geschrieben hat. Auch seine neue Serie hat das Zeug dazu. Nicht wegen ihrer Provokationen, sondern weil sie schonungslos das Thema Glauben und Zweifeln verhandelt

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Kathrin Hollmer.

7 / 8

Milk & Honey (Vox-Mediathek)

Standfotos Dreharbeiten 'Milk & Honey'

Quelle: Vox

Diese Serie funktioniert erstaunlich gut - vorausgesetzt, man akzeptiert die hanebüchene Grundannahme, dass da in Brandenburg ein paar junge Männer die wirtschaftlich miserable Lage einer Imkerei zum Anlass nehmen, einen Escort-Service zu gründen und sich fortan zahlungskräftiger Weiblichkeit andienen. Natürlich geht da so einiges schief, woraus sich rasch eine charmante Grundkomik ergibt, die verzeihen lässt, dass nicht jedes Detail in den gegebenen Handlungsrahmen passt.

Die harten Probleme der Existenz existieren in Milk & Honey nur als Motivationslieferanten. Im Vordergrund steht das Leichte, das Gefühlige, das Komische. Als wäre das nicht genug, sind die Protagonisten alle sehr schön anzusehen, und es ist immer Sommer.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Hans Hoff.

8 / 8

Ad Vitam (bis 7.12. in der Arte-Mediathek)

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Quelle: © Ivan Mathie 2017

Die Welt in der französischen Science-Fiction-Serie Ad Vitam von Thomas Cailley sieht größtenteils genauso aus wie die unsere. Sogar die Menschen sind noch immer die gleichen, denn der Tod ist besiegt. Hurra! Alle finden es super, nicht mehr sterben zu müssen, nur ein paar Jugendliche haben damit ein Problem. Die Menschen feiern gerade den 169. Geburtstag der ältesten Frau der Welt, als ein paar junge Körper am Strand angespült werden. Einer von ihnen hat zwei Punkte auf der Schulter, Erkennungszeichen einer Selbstmord-Sekte, die sich aber schon vor Jahren kollektiv selbst aus der Welt geschafft haben soll. Ermittler Darius (Yvan Attal) wird auf die Sache angesetzt. In einer Welt ewiger Jugend steht der Tod unter Strafe. Die Fiktion vom ewigen Leben ist interessant - denn tun wir nicht so, als könnten wir ewig so weiterleben - die Zukunft des Planeten verfeuern, aus den Regenwäldern Klopapier machen? Diese Fragen schwingen in Ad Vitam auf kluge Weise mit.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Philipp Bovermann.

© SZ.de/khil/luch
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