Wirtschaft:Stimmung in der Metall- und Elektroindustrie verdüstert sich

Wirtschaft: Hohe Energie- und Arbeitskosten sowie eine "überbordende Bürokratie" machen den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie derzeit zu schaffen.

Hohe Energie- und Arbeitskosten sowie eine "überbordende Bürokratie" machen den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie derzeit zu schaffen.

(Foto: Felix Kästle/dpa)

Nur knapp ein Viertel der bayerischen Unternehmen bewertet die Geschäftslage als gut. Dies zeigt laut Branchensprecher Bertram Brossardt eine aktuelle Umfrage.

Von Lina Krauß

Die Geschäftslage der bayerischen Metall- und Elektroindustrie hat sich im zweiten Halbjahr 2023 verschlechtert. Nur knapp ein Viertel der Unternehmen bewerte diese als gut. Und: "Die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben pessimistisch", sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Bayme und VBM, bei der Vorstellung einer Umfrage am Dienstag in München. Er wies in dem Zusammenhang auf die Haushaltspolitik der Bundesregierung, hohe Energie- und Arbeitskosten sowie eine "überbordende Bürokratie" hin.

Die Folge: Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie wollen im kommenden Jahr noch weniger investieren. "Zwei Drittel der Unternehmen sehen schlechtere Standortbedingungen im Inland", sagte Brossardt. Deshalb seien vor allem die inländischen Investitionspläne gesunken. Zudem habe sich die Schere zugunsten der Auslandsinvestitionen weiter geöffnet. "Jedes zweite Unternehmen will im Ausland investieren, im Inland ist es nur jedes siebte."

In der Beschäftigung verzeichnet die Metall- und Elektroindustrie einen Anstieg. Dieser sei sogar besser als zunächst prognostiziert. Voraussichtlich werden die Unternehmen bis Jahresende 11 000 neue Stellen schaffen. Die Zahl der Beschäftigten hat damit einen Höchststand von 878 000 erreicht. Doch beabsichtigen einige Branchen im nächsten Jahr Stellen abzubauen. Das sind vor allem die Elektronikindustrie und Hersteller von Metallerzeugnissen. Insgesamt werde im kommenden Jahr ein Rückgang der Beschäftigung um rund 5000 Personen erwartet. Stellen aufbauen wolle lediglich ein Fünftel der Unternehmen - insbesondere in der IT-Branche und im "Sonstigen Fahrzeugbau". "Steuern wir nicht um, werden wir einen Anstieg der Arbeitslosigkeit erleben", warnte Brossardt.

Auch die Produktion der Unternehmen habe sich laut Umfrage etwas besser entwickelt als zunächst erwartet. Statt ein leichtes Plus von maximal einem Prozent werde die Metall- und Elektroindustrie nun voraussichtlich ein Plus von drei Prozent verzeichnen. Da sich unter anderem Lieferkettenprobleme gelöst hätten, haben die Unternehmen aufgestaute Aufträge abarbeiten können. Es kommen jedoch nur wenige neue Aufträge hinzu. "Für das kommende Jahr rechnen wir mit einer Stagnation", sagte Brossardt.

Er warnt, dass es zu einer Deindustrialisierung kommen könne, "sollten sich die Rahmenbedingungen nicht zügig verbessern und die Politik für Planungssicherheit und Stabilität sorgen". Konkret fordert Brossardt eine verlässliche Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen. Trotz der Haushaltslage müsse die Bundesregierung die Stromsteuer für das produzierende Gewerbe senken und einen Brückenstrompreis einführen. Außerdem müsse man bei den Beitragssätzen zur Sozialversicherung zu einem gemeinsamen Ziel von unter 40 Prozent zurückkehren. Die Haushaltsplanung der Bundesregierung bezeichnete Brossardt als "vollkommene Missplanung". Die Ampel solle sich auf das Sparen konzentrieren und nicht auf zusätzliche Belastungen für Wirtschaft und Bürger. Für die Tarifverhandlungen im kommenden Jahr kündigte er an, "dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen".

Zur SZ-Startseite

SZ PlusMeinungAus der Landespolitik
:Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister in Teilzeit

Der Wirtschaftsminister ist viel beschäftigt. Doch um Wirtschaft geht es auf Aiwangers Terminen inzwischen selten, lieber spricht er auf Bauerndemos. Dabei bräuchte Bayern gerade jetzt mehr Wirtschaftspolitik statt weniger.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: