Wo es sich am besten lebt:Das Glück zu Erlangen

Wo es sich am besten lebt: Der Himbeerpalast von Erlangen, genutzt von den beiden prägenden Institutionen der Stadt: früher von Siemens, künftig von den universitären Geisteswissenschaften.

Der Himbeerpalast von Erlangen, genutzt von den beiden prägenden Institutionen der Stadt: früher von Siemens, künftig von den universitären Geisteswissenschaften.

(Foto: imago images/imagebroker)

Rankings haben immer recht - gerade, wenn sie von wissenschaftlich gestützten Instituten stammen. Die neueste Erkenntnis dürfte in Franken einige erfreuen.

Glosse von Olaf Przybilla

Lebensqualität in Franken? Gerade im Altbayerischen soll's da gewisse Zweifel geben, die allerdings schon daher rühren, dass man dort für den Bereich nördlich der Donau mitunter bereits den ersten Teil des Wortes grundsätzlich anzweifelt: Leben.

Das aber gehört zur innerbayerischen Folklore - und zum Glück gibt es für solche Streitsachen ja die Wissenschaft. In Form des unbestechlichen Instituts der deutschen Wirtschaft hat die nun festgestellt: Wer in Deutschland in der kreisfreien Großstadt mit der höchsten Lebensqualität wohnen will, der muss nach Franken ziehen, natürlich.

Und zwar nach, Trommelwirbel: Erlangen.

Für Erlanger sind das selbstredend keine Neuigkeiten. Das aufregendste Wohnhaus der Republik? Welches denn sonst als der Lange Johann: schöne 380 Wohneinheiten, Ende der Sechzigerjahre an eine Wasserschutzzone hingebaut, allesamt mit Loggia oder Terrasse, geschosshohe Waschbetonelemente an einprägsamer Ausfallstraße, gegenüber ein Parkhaus, praktisch.

Das aufgeräumteste Stadtzentrum? Ist nirgendwo anders als in Erlangen zu finden. Schachbrettartig wollten es die hugenottischen Neustadtgründer, was heute noch von unschätzbar praktischem Nutzen ist. Wer irgendwas sucht: immer geradeaus - und dann rechts oder links.

Schönstes Festival unter der Sonne? Kann nur das Poetenfest in Erlangen sein: liegen und lesen lassen. Und das unter Schlossparkbäumen.

Für Volksfestfreunde gibt's den "Berg", der ist liebenswerter als Vergleichbares in einer nicht zu benennenden bayerischen Landeshauptstadt. Für Freunde des Geldverdienens gibt es eine sehr große Firma, für Freunde der Denkkultur eine sehr große Bildungseinrichtung, für Freunde der transatlantischen Freundschaft gab's mal eine sehr große Innenstadtfläche. Als die Army abgezogen ist, wusste man das zu nutzen, alles im Sinne der Lebensqualität.

Und wem es in dieser nun also auch amtlich festgestellten Qualitätsmetropole doch mal eng ums Herz werden sollte: Gleich nebenan liegt ja bereits die nächste Supercity, die in diesem Ranking auf Rang fünf gelistet ist - und damit vier Plätze besser platziert ist als die Bundeshauptstadt, acht Plätze besser als Freiburg und elf Plätze besser als die Hansestadt Hamburg.

Die Rede ist natürlich - wer ahnte es nicht - von Fürth. Lebensqualität, dein Name sei Franken.

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