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Coronavirus:Bayern schließt alle Schulen und Kitas für fünf Wochen

  • Vom kommenden Montag an sperrt der Freistaat Bayern alle Schulen und Kindertagesstätten zu, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen - bis zum Ende der bayerischen Osterferien am 19. April.
  • Die Regierung appelliert an Nachbarn und Freunde, sich gegenseitig bei der Betreuung der Kinder zu helfen.
  • Eine Notbetreuung wird es nur für wenige Kinder geben.
  • Die Abschlussprüfungen an den Schulen sollen nicht verschoben werden.

Corona-Zwangsferien in Bayern: Der Freistaat sperrt alle Schulen und Kindertagesstätten für fünf Wochen zu, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Das gab die Staatsregierung am Freitagmorgen bekannt. Die Regelung gilt vom kommenden Montag an und vorerst bis zum Ende der bayerischen Osterferien am 19. April. Das bedeutet: Fünf Wochen lang wird nahezu kein Kind in Bayern eine Schule oder einen Kindergarten betreten, nur in wenigen Fällen wird eine Notbetreuung organisiert.

"Diese fünf Wochen können ganz entscheidend sein", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in einer Pressekonferenz. Es gehe darum, die Ausbreitung des Erregers zu verlangsamen. Er kündigte zudem an, Besuche in Altenheimen und Krankenhäusern weitgehend verbieten und Veranstaltungen mit mehr als 100 Besuchern verhindern zu wollen, so sie nicht unbedingt nötig seien. Bei der Schul- und Kita-Schließung ist im Einzelnen Folgendes geplant: Generell wird der Freistaat ein Betretungsverbot erlassen, das für alle Kindertagesstätten, Heilpädagogische Tagesstätten und die Tagespflege gilt, also auch für Tagesmütter, sowie für alle Arten von Schulen, private wie staatliche.

Diese Schulschließung gilt bis zum 19. April, dann soll eine "Bestandsaufnahme" gemacht werden, wie Söder sagte. In dieser Zeit soll laut Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) kein Unterricht erfolgen, es würden auch keine Proben oder Klausuren geschrieben. Die Zeit bis zu den Osterferien, die am 4. April beginnen, sei aber auch keine Ferienzeit: Kinder sollten sich zu Hause mit Unterrichtsmaterialien beschäftigen, die etwa per Mail oder über das staatliche Online-Portal Mebis verteilt werden könnten. Da dieses seit dem Donnerstag überlastet ist, arbeite man daran die "Serverleistung hochzufahren", sagte Piazolo.

Die Kinder sollen in den kommenden Wochen generell zu Hause betreut werden. Piazolo und Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) appellierten auch daran, dass sich Nachbarn und Freunde gegenseitig dabei helfen. Denn eine Notbetreuung soll es nur für ganz wenige Kinder geben: Dann, wenn sie bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen, das einen "systemkritischen" Beruf hat. Die Regierung denkt hier an Polizei, Rettungskräfte sowie das Personal in Krankenhäusern, Arztpraxen, Altenheimen oder auch Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Für diese Kinder wird es nach Angaben der Minister "Notgruppen" in den Kitas geben und eine Betreuung an den Schulen - zumindest für Erst- bis Sechstklässler. Das gilt auch für Kinder, deren Eltern beide einen solchen Beruf haben. Kinder, die bei beiden Elternteilen aufwachsen, von denen aber nur einer einen solchen Beruf hat, dürfen nicht in die Notbetreuung geschickt werden.

Für die anstehenden Abschlussprüfungen an den Schulen versprach Piazolo, die betroffenen Schüler würden nicht benachteiligt, man arbeite an Lösungen, wie man "faire Bedingungen" sicherstellen könne. Es sei aber nicht geplant, die Prüfungen zu verschieben. Auch der Übertritt an weiterführende Schulen - die Übertrittszeugnisse sollen Anfang Mai verteilt werden - werde regulär erfolgen. In Bayern gibt es insgesamt etwa 6000 Schulen und 9800 Kindertagesstätten.

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Dass Bayern derart drastische Schritte plant, war bereits am Donnerstag deutlich geworden, als Ministerpräsident Markus Söder dies nicht mehr ausschloss, so wie es seine Staatsregierung in den Tagen zuvor noch getan hatte. Allerdings wollte er offenbar nicht mit einem bayerischen Alleingang vorpreschen, sondern sich erst mit den Ministerpräsidenten der anderen Bundesländer abstimmen, die er am Donnerstag in Berlin traf. Bayern, wo inzwischen 500 Coronavirus-Fälle bestätigt worden sind, ist neben Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg am stärksten von der Pandemie betroffen. Vor Bayern hatte sich bereits das Saarland, das an das französische Risikogebiet Grand Est grenzt, als erstes Bundesland dazu entschlossen, alle Schulen und Kitas vom kommenden Montag an zu schließen.

Söder sprach von einer "Bewährungsprobe" für das Gesundheitssystem und für die ganze Gesellschaft. Man dürfe jetzt keine Zeit "verspielen": "Wir müssen entscheiden, wir müssen handeln." Er verwies dabei auch darauf, dass in diesen Tagen alle Nachbarländer ähnliche Regelungen träfen wie Bayern. Die Schließung von Schulen und Kitas werde vor allem in den ersten Tagen Probleme bereiten und viele treffen, sagte Söder, man müsse nun aber vorrangig an die denken, für die das Coronavirus große Auswirkungen haben könne. Erst am Donnerstag starb in Bayern erstmal ein Mann an den Folgen einer solchen Infektion.

In den vergangenen Tagen hatten immer mehr Schulen zugesperrt, weil bei ihnen Lehrer oder Kinder positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet wurden. Am Freitagmorgen meldete das Kultusministerium 125 geschlossene Schulen im Freistaat, mehr als die Hälfte davon in Oberbayern. Nicht mitgerechnet sind jene Schulen, in denen nur einzelne Klassen zu Hause bleiben sollen, weil bei ihnen ein Coronavirus-Verdachtsfall aufgetreten ist.

© SZ.de/amm
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