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Corona-Krise:Die bayerische Wirtschaft stottert

Auch Gastronom Konstantinos Skafidas aus Unterfranken beklagt fehlende Gäste.

(Foto: Privat)
  • Die bayerische Staatsregierung hat zahlreiche Maßnhamen getroffen, um eine Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Die Folgen für das Geschäft von Gastronomen und Hoteliers fallen teils heftig aus.
  • Viele Unternehmer sind existenzbedroht. Handelsverbände und Politik erkennen den Ernst der Lage, ob die bisherigen Maßnahmen der Regierung reichen, ist unklar.
  • Während einige Inhaber schließen müssen, versuchen sich vor allem Gastronomen an alternativen Geschäftsideen.

Das Hallenbad hat einen Gegenstromanlage, der Whirlpool eine Wärmebank und der beheizte Außenpool, so wirbt das Wellness- und Vitalhotel Böhmhof in Bodenmais, ist ganzjährig geöffnet. Normalerweise. Denn von Donnerstag an hat das Hotel in einer der beliebtesten Ferienregionen Bayerns erst einmal geschlossen. "Wir haben viele Stornierungen, das macht im Moment sowieso alles keinen Sinn", sagt Inhaberin Karin Geiger-Wastl. Sie weiß gerade gar nicht, wo sie zuerst anpacken soll, um alle durch das Coronavirus anfallenden Probleme zu lösen. Sie kann aber mit Sicherheit sagen, dass viele Hotels in den nächsten Wochen um ihre Existenz werden kämpfen müssen. Die Reisebranche, sagt Geiger-Wastl, braucht Hilfe. "Und zwar ohne Verzögerung."

Mit dieser Forderung steht die niederbayerische Hotelchefin nicht alleine da. Die IHK Schwaben hat am Dienstag eine repräsentative Blitzstudie vorgestellt, was Unternehmer zu der Krise sagen und was ihre drängendsten Probleme sind, Vieles dreht sich dabei um Wirtschaftshilfen, Lohnerstattungen und Kurzarbeitergeld. Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen mahnte bei der Gelegenheit, dass die angekündigten Staatshilfen schnell und unbürokratisch ausgezahlt werden müssen. Es brauche Planbarkeit und Rechtssicherheit. "Es geht um Tage, nicht um Wochen. So viel Sauerstoff haben viele Unternehmen nicht." Er habe aber das Gefühl, dass die Dringlichkeit bei der Politik angekommen sei. Und tatsächlich verkündete die Staatsregierung wenige Stunden später, dass die Soforthilfen für kleine Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern von Mittwoch an beantragt werden können.

Coronavirus - Tourismus

Den Unterkünften bleiben nun die Gäste aus.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

"Wenn der Staat Geschäfte schließt, wenn er das öffentliche Leben runterfährt, muss er dafür sorgen, dass die Wirtschaft überlebt," sagte Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag nach der Kabinettssitzung. Von Mittwoch an sollen die Formulare deshalb online auf den Internetseiten des Wirtschaftsministerium und der Bezirksregierungen stehen, mit denen Firmen schnell Geld beantragen können, um Zahlungsschwierigkeiten wegen der Corona-Krise zu überbrücken.

Zwischen 5000 und 30 000 Euro werden je nach Betriebsgröße gewährt, die bereits von Freitag an ausgezahlt werden können, wie Söder ankündigte. "So schnell, so direkt hilft nur der Freistaat Bayern". Es sei äußerst wichtig, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Bayerns erhalten bleibe, sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW). Er will in Zusammenarbeit mit den Arbeitsagenturen eine Arbeitskraft-Plattform gründen. So könne Arbeitskraft, die wegen der Corona-Krise freigesetzt werde, anderswo eingesetzt werden, etwa in der Landwirtschaft. Aiwanger erwartet Engpässe, auch deswegen, weil Hilfskräfte aus Osteuropa möglicherweise nicht zur Verfügung stünden.

Bodenmais im niederbayerischen Landkreis Regen ist für seine Wellnesshotels bekannt.

(Foto: mauritius images)

Dies alles ist im Sinn der Wirtschaftsverbände. Die IHK-Studie etwa wartet mit Zahlen für ganz Deutschland auf, die Antworten gleichen sich, unabhängig von der Region und der Branche. Demnach sind die Reisewirtschaft und das Gastgewerbe am schlimmsten von Corona betroffen, gleich dahinter folgt die Industrie. 90 Prozent aller Befragten rechnen mit deutlichen Umsatzrückgängen, das wisse er auch aus persönlichen Gesprächen, sagt der schwäbische IHK-Hauptgeschäftsführer Lucassen. Im Hotel in Bodenmais etwa muss der Wellnessbereich weiter unterhalten werden. Heizung, Chlorung, Lüftung. "Das kann ich nicht einfach alles abstellen", sagt Inhaberin Geiger-Wastl.

100 000 Euro alleine an Personalkosten pro Monat

5000 bis 30 000 Euro Hilfe würden ihrem Haus nicht groß weiterhelfen. "Ich habe alleine 100 000 Euro an Personalkosten pro Monat." Zusagen für billige Kredite bewertet sie positiv, aber so einen Kredit müsse man ja trotzdem zurückzahlen, und viele Hotels hätten ohnehin schon Schulden. "Was uns wirklich schnell helfen würde, wäre eine Reduzierung der Umsatzsteuer auf Verpflegungsleistungen von 19 auf sieben Prozent." Kurzarbeitszeit führt sie erst einmal nicht ein, gemeinsam mit ihren Angestellten will sie Urlaubsregelungen finden. Mit 60 Prozent des Lohns, wie er bei der Kurzarbeit ausgezahlt wird, sagt die Hotelchefin, könne kaum jemand leben.

Es gibt in Bayern Hotels, die bereits jetzt geschlossen haben, sich dafür aber von Kollegen anfeinden lassen müssen. Es gibt aber auch in der größten Corona-Krisenbranche Hotels, die noch ganz gut ausgelastet sind, wie im Allgäu zum Beispiel. Klaus Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbands Allgäu GmbH berichtet von zahlreichen Urlaubern, die in den vergangenen Wochen ihre Aufenthalte in Südtirol und Tirol storniert und stattdessen lieber im Allgäu Halt gemacht haben. "Aber das wird nun so nicht weitergehen", sagt Fischer.

Mit der Ankündigung, dass Übernachtungen zu touristischen Zwecken verboten werden und auch Reisebusreisen nicht mehr möglich seien, werden auch die Hotels im Allgäu erhebliche Einbußen zu beklagen haben. Die Osterfeiertage, hat der Ministerpräsident betont, solle man am besten zu Hause verbringen.

Sich die freie Zeit im Heimatort im Restaurant zu versüßen, ist dann aber auch nicht mehr uneingeschränkt möglich. Die Einschränkungen für die Gastronomie hat Söder am Dienstag noch einmal konkretisiert: Das Verbot einer Öffnung von Lokalen nach 15 Uhr wird auch für Biergärten und Eisdielen gelten. Kreative Lösungen sind also gefragt, zahlreiche Gastronomen experimentieren nun mit Take-Away-Angeboten. So zum Beispiel Konstantinos Skafidas, Geschäftsführer des griechischen Restaurants "Felsenkeller" in Lohr am Main in Unterfranken. Das Restaurant ist von Mittwoch an komplett geschlossen, die Küche bleibt aber offen. Sie haben sich dort überlegt, einen Abholservice einzurichten, der am Wochenende erprobt werden soll. Von Freitag an können Kunden ihr Essen telefonisch bestellen und es draußen vor dem Lokal abholen.

Der "Felsenkeller" will die Abholungen so takten, dass sich Menschenschlangen gar nicht erst bilden. Nächste Woche will Skafidas entscheiden, ob sich der Betrieb auf diese Weise lohnt. Auch über einen Lieferservice denkt er nach. Von den staatlich angeordneten Regelungen für Restaurants hält er nicht viel: "Ich kann doch nicht durch das Lokal laufen und Ehepaaren, die zusammen zum Essen da sind, sagen, dass sie mehr Abstand halten müssen. Dann mache ich lieber ganz zu."

© SZ vom 18.03.2020/wean
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