Verkehrspolitik:Bernreiter verlangt vom Bund mehr Geld für Regionalverkehr

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Von Andreas Glas, München

Nachdem sich abzeichnet, dass die Kosten für die zweite Münchner S-Bahn-Stammstrecke explodieren, sorgt sich Bau- und Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) darum, dass für weitere wichtige Verkehrsprojekte in Bayern kaum noch Mittel übrig bleiben könnten. Von der Bundesregierung verlangte Bernreiter deshalb am Donnerstag erneut mehr Geld für den öffentlichen Regionalverkehr auf Straßen und Schienen. "Wir brauchend dringend ausreichend Regionalisierungsmittel", sagte der Minister in Richtung des Bundesverkehrsministers Volker Wissing (FDP), der seinen für Donnerstag angekündigten Besuch bei Bernreiter und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kurzfristig ausfallen ließ.

Der Hintergrund für die Forderungen aus Bayern: Das Bahnnetz im Freistaat müsste an etlichen Stellen ganz dringend und viel schneller saniert und modernisiert werden, als das bisher der Fall ist. Schon um den "Status quo" im Nahverkehr sichern zu können, sei rasch mehr Geld nötig, sagte Bernreiter. Welche konkreten Auswirkungen die gestiegenen Kosten für die zweite Stammstrecke im übrigen Freistaat haben, sagte Bernreiter nicht. Es brauche nun "erst mal Klarheit" darüber, wie teuer das Münchner Großprojekt ganz genau werde. Das bayerische Verkehrsministerium erwartet inzwischen Kosten bis zu 7,2 Milliarden Euro, doch eine aktuelle Kostenschätzung der Deutschen Bahn steht weiterhin aus.

Wie SZ-Recherchen offenbart haben, verzeichnete eine interne Liste der Deutschen Bahn zuletzt mehr als 350 Stellen im bayerischen Schienennetz, an denen Lokführerinnen und Lokführer besonders langsam oder vorsichtig fahren müssen, weil Gleise und Brücken in die Jahre gekommen sind. Dies führt teils zu Zugverspätungen und Ausfällen. Eine Bahn-Sprecherin wiederum betonte, dass das Verzeichnis sich täglich ändere und es sich bei den gelisteten Langsamfahrstellen nicht immer "um Langsamfahrstellen mit Blick auf die Infrastruktur handelt". Deren Zahl sei seit mehreren Jahren in etwa gleich.

Ein Schlaglicht auf den Zustand des bayerischen Schienennetzes und mancher Züge hat auch das Zugunglück geworfen, das sich am 3. Juni in Garmisch-Partenkirchen ereignete und bei dem fünf Menschen starben. Die Suche der Staatsanwaltschaft München II nach der Ursache konzentriert sich auf den Streckenzustand an der Unfallstelle. Das erklärt, warum die Untersuchungen von Schienen und Gleisbett noch andauern und der Abschnitt noch nicht für die Reparatur freigegeben ist.

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