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Impfzentren, Termine, Regeln:So funktioniert die Corona-Impfung in Bayern

Hier entlang: Das Erdinger Impfzentrum befindet sich in der Sporthalle einer Grundschule.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Schon im Mai will Bayern die Impfung für alle freigeben. Wer kann sich schon vorher impfen lassen? Wie bekommt man einen Termin? Welche Unterlagen braucht man? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Von Bernd Kramer und Stefan Simon

Am Sonntag vor Silvester bekamen die ersten Menschen in Bayern den ersehnten Piks: In einem Seniorenheim in Germering erhielt ein 91-Jähriger seine Dosis mit dem Impfstoff gegen das Coronavirus, es folgten seine Frau und mehr als 80 weitere Bewohnerinnen und Bewohner. Nach und nach sollen mehr und mehr Bürgerinnen und Bürger die Impfung bekommen. Aber wie funktioniert das? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Ist die Covid-19-Impfung verpflichtend?

Nein, eine Impfpflicht gibt es in Deutschland nur gegen Masern, sonst nicht. Die Corona-Impfung ist freiwillig.

Wie kann ich mich bei meinem Hausarzt impfen lassen?

Zunächst war eine Impfung ausschließlich in dafür aufgebauten Impfzentren möglich. Seit April verabreichen auch die ersten Hausärztinnen und Hausärzte in Bayern die Corona-Impfung, zunächst allerdings in geringem Umfang. Nach kurzer Zeit wurde aber bereits ein großer Teil der Impfungen in den Arztpraxen verabreicht. Laut bayerischem Gesundheitsministerium waren es Anfang April teils bereits mehr als die Hälfte aller an einem Tag verspritzten Impfdosen. Auch bei der Impfung in der Arztpraxis gilt zunächst weiterhin die Impfreihenfolge: Menschen, die als besonders gefährdet für schwere Verläufe gelten oder ein besonders hohes Ansteckungsrisiko haben, bekommen die Dosis eher. Impftermine beim Hausarzt werden nicht über ein zentrales Impfportal vergeben wie die Termine in den Impfzentren.

Ich bin Kontaktperson, wie kann ich geimpft werden?

Schwangere können bis zu zwei Kontaktpersonen ausweisen, die in der Impfreihenfolge dadurch nach vorne in die zweite Priorisierungsgruppe rutschen. In der Regel reicht dafür laut Impfverordnung eine einfach Bestätigung der Schwangeren, die bei der Impfung vorgelegt wird. Teils wird aber zusätzlich auch eine Kopie des Mutterpasses und des Personalausweises der Schwangeren verlangt. So steht es etwa in einer Informationsbroschüre des Landkreises Augsburg. Auch ältere Pflegebedürftige, so sie nicht in einem Heim leben, oder Risikopatienten können zwei Kontaktpersonen benennen, die dann in der Impfreihenfolge in dieselbe Priorisierungsgruppe rutschen, wie sie selbst. Hier braucht es ebenfalls eine schriftliche Bestätigung der betreffenden Person und gegebenenfalls einen Nachweis über deren Pflegegrad oder die Vorerkrankungen.

Werde ich informiert, wenn ich mich impfen lassen kann?

Zentral per Post angeschrieben wurden alle Menschen über 80 Jahren mit dem Erstwohnsitz in Bayern. Die übrigen sollten selbst einen Impftermin in einem Impfzentrum oder in einer Praxis vereinbaren. Solange der Impfstoff noch knapp ist, kontaktieren die Hausärztinnen und Hausärzte ihre Patienten. "In der Anfangsphase mit noch wenig Impfstoff sollten Patienten davon absehen, in ihrer Hausarztpraxis anzurufen, um nicht die Leitungen zu blockieren und die Abläufe in den Praxen zu verzögern", hatte eine Sprecherin des Bayerischen Hausärzteverbandes Ende März gesagt.

Wie kann ich mich für eine Impfung anmelden?

Wer sich beim Hausarzt impfen lasse möchte, muss direkt einen Termin mit der Praxis vereinbaren. Am Anfang dürften viele Ärztinnen und Ärzte selbst auf die ihnen bekannten Risikopatienten zugehen und nur diesen ein Impfangebot machen. Auf Dauer werden Impfwillige aber auch von sich aus Termine in den Praxen vereinbaren können. Ganz anders funktioniert die Terminvergabe in den Impfzentren: Einen Termin können Impfwillige online über das Impfportal der bayerischen Staatsregierung vereinbaren. Auf dem Portal werden unter anderem Beruf, Alter und Vorerkrankungen abgefragt. Mit diesen Angaben wird festgelegt, wann der oder die Impfwillige an der Reihe ist. Die Impfinteressenten werden per SMS oder E-Mail benachrichtigt, sobald sie ihre Termine buchen können. Ihnen stehen dann in der Regel mehrere Termine zur Auswahl, aus denen sie zwei wählen: einen für die erste Impfdosis, einen für die zweite einige Wochen später.

Muss ich den Termin über das Impfportal buchen? Kann ich den Impftermin auch telefonisch vereinbaren?

Neben dem Online-Portal gibt es zwei andere Wege, um einen Termin im Impfzentrum zu vereinbaren. Man kann sich direkt an das Impfzentrum wenden, das für den jeweiligen Landkreis zuständig ist. Oder man wählt die bundesweit einheitliche Hotline 116 117 und lässt sich von dort an das zuständige Impfzentrum weiterleiten. Die Nutzung des Impfportals wird vom Freistaat aber empfohlen; die anderen Wege soll möglichst nur nutzen, wer keine Internetverbindung hat. Inzwischen wurde das Impfportal so angepasst, dass man sich auch ohne eigene E-Mail-Adresse registrieren kann. Mit einer E-Mail-Adresse zum Beispiel eines Familienmitglieds können nun bis zu fünf Personen angemeldet werden.

Kann ich über Impfportal auch Termine in den Arztpraxen buchen?

Nein. Hausärztinnen und Hausärzte haben keinen Zugriff auf das Impfportal. Termine muss also in dem Fall direkt mit der Praxis ausmachen (oder warten, bis die Praxis von sich aus mit einem Impfangebot kommt). Wer sich auf dem Impfportal registriert hat, aber in der Zwischenzeit in einer Praxis eine Impfung bekommen konnte, soll seine Anmeldung möglichst wieder löschen.

Ich gehöre nicht zu einer priorisierten Gruppe. Werde ich schneller geimpft, wenn ich mich jetzt schon für einen Termin registriere?

Nein. Auch wer sich jetzt schon registriert, muss sich hinten anstellen. Die Priorisierung wurde zwischenzeitlich zum Teil aber angepasst. So sind Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen und Erzieher inzwischen in die Prioritätengruppe 2 vorgerückt und können sich früher impfen als ursprünglich geplant. In Einzelfällen können Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen in der Reihenfolge aufrücken, auch wenn sie nicht zu einer priorisierten Gruppe gehören. Dafür muss ein Antrag bei der bayerischen Impfkommission gestellt werden. Die Priorisierungsregeln gelten auch für die Impfung beim Hausarzt oder der bei der Hausärztin.

Kann ich mich impfen lassen, auch wenn ich zu keiner priorisierten Gruppe gehöre?

Die Priorisierungsregeln sollen bundesweit im Juni aufgehoben werden. In Bayern soll die Impfung bereits im Mai für alle Erwachsenen geöffnet werden und damit früher als in anderen Ländern - so denn die Hersteller wie angekündigt liefern und das Impfen der besonders gefährdeten Gruppen im entsprechenden Tempo voranschreitet. Ab dann kann jede und jeder Impfwillige frei einen Termin beim Arzt oder in einem Impfzentrum vereinbaren. Für den Impfstoff von Astra Zeneca wurde die Priorisierung bereits am 21. April aufgehoben. Das heißt: Auch Menschen unter 60 Jahren und ohne Vorerkrankungen können sich mit diesem Vakzin impfen lassen - allerdings nur beim Hausarzt. Nachdem bei einigen wenigen Geimpften schwere Thrombosen aufgetrete waren, hatte die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung geändert und Astra Zeneca nur noch für Über-60-Jährige empfohlen. Da die Komplikationen allerdings sehr selten ist, stellt das bayerische Gesundheitsministerium die Entscheidung nun den Patienten frei und setzt auf die Beratung der Ärzte. "Die Ärzte kennen ihre Patienten gut, und wissen, wem sie aus dem Kreis der unter 60-Jährigen unter Berücksichtigung der Vorgaben der Ständigen Impfkommission ein Impfangebot mit diesem Wirkstoff machen können und beraten hierzu ausführlich", sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

Kann ich auch ohne Termin zur Impfung in ein Impfzentrum kommen?

Nein. Wer ohne Termin in ein Impfzentrum kommt, wird abgewiesen. Über die Reihenfolge wird nach bundesweit einheitlich festgelegten Kriterien entschieden.

Ich bin berufstätig. Kann ich mich auch am Wochenende impfen lassen?

Im Prinzip ja, zumindest am Anfang sind die Impfzentren in Bayern auch samstags und sonntags geöffnet - je nach regionalen Anforderungen allerdings, wie es beim Gesundheitsministerium heißt. Manche Arztpraxen bieten spezielle Impfsprechstunden am Abend an. Wie die Hausärztinnen und Hausärzte ihr Impfangebot organisieren, entscheiden sie aber vor Ort selbst.

Was ist, wenn ich meinen Impfausweis verloren habe?

Wer einen Impfausweis hat, soll ihn zum Termin mitbringen. Die Corona-Schutzimpfung wird dann darin notiert. Eine Impfung bekommt aber auch, wer keinen Impfausweis vorlegen kann. Das Zentrum stellt dann eine Impfbescheinigung aus.

Wie läuft der Impftermin ab?

Nachdem das Personal im Impfzentrum die Daten abgeglichen hat, erklärt ein Arzt oder eine Ärztin die Impfung. Dabei soll auch die medizinische Vorgeschichte des Impfwilligen besprochen werden, außerdem bleibt Zeit für offene Fragen. Daher sollte man wichtige Unterlagen wie etwa einen Herzpass, einen Diabetikerausweis oder eine Medikamentenliste zum Termin mitbringen. Vor der Impfung unterschreibt der Impfinteressent eine Einverständniserklärung. Nach der Impfung bleibt der Impfling für eine halbe Stunde in einem Beobachtungsraum. Eine zweite Impfung erfolgt dann nach 21 Tagen.

Ist die Corona-Impfung kostenpflichtig?

Nein. Die Kosten übernehmen der Bund, die Länder und die Krankenversicherungen.

Welchen Impfstoff erhalte ich?

Das wird nach Verfügbarkeit entschieden. Bisher sind die Vakzine von Biontech/Pfizer, Moderna und Astra Zeneca zugelassen. Eine Wahlmöglichkeit besteht nicht. Nachdem Astra Zeneca aber nur noch für Menschen über 60 empfohlen wird, hat die Landesregierung entschieden, das Vakzin in den Impfzentren nicht mehr für die Erstimpfung zu verspritzen. Erstimpfungen mit Astra Zeneca sind nur noch in Arztpraxen vorgesehen. Bei dem Mitteln von Biontech/Pfizer und Moderna handelt es sich um neuartige mRNA-Impfstoffe, die nun erstmals verwendet werden. Wie sie wirken, erklärt die SZ in diesem Video:

© SZ/amm, van
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