Koreaner auf dem Genfer Autosalon Manchmal hat Kia die Nase vorn

Denn vom Standpunkt der kleineren Schwestermarke sieht die Welt ganz anders aus: "Kia kann alles. Wir sind die Spaß- und Dynamik-Marke und haben die Power zu überraschen", sagt Artur Martins. Kias Marketing-Chef für Europa kann sich gut vorstellen, statt 380 000 Fahrzeuge wie im vergangenen Jahr mehr als eine halbe Million im Jahr 2020 allein in Europa zu verkauften.

Mindestens genauso wichtig wie die Verkaufszahlen sind die Profitabilität und Wertschätzung der Kunden: SUV-Modelle wie der Kia Sportage werden häufig mit Vollausstattung geliefert und liegen damit im Segment der Volumenmodelle bis 4,50 Meter Länge vorn. Im koreanischen Duell gegen den Hyundai Santa Fe hat der gefällig gestylte Sorento von Kia die Nase vorn. Dass der neue Kia Optima Sportswagon wegen seines schicken Designs auf dem Genfer Autosalon bereits als Alfa Romeo aus Asien gehandelt wird, dürfte den Neid des großen Konzernbruders nicht mindern.

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Strikt getrennter Vertrieb

Vertriebsmäßig gehen die Korea-Geschwister in Deutschland strikt getrennte Wege. Es gibt nur noch eine Handvoll Händler, die aufgrund von Altverträgen beide Marken anbieten. Auch da drängen die Oberen darauf, dass die Autos nicht in den gleichen Showrooms stehen. "Wir wollen beide Marken nicht bei einem Händler haben", sagt Schrick. Geschadet hat diese Strategie des Getrennt-Marschierens beiden Marken in Deutschland bisher nicht. Denn während der Konzern wegen der Krise in China seine Gesamtabsatzziele im vergangenen Jahr leicht verfehlt hat, konnten sowohl Hyundai als auch Kia in Deutschland für 2015 satte Zuwächse melden, Hyundai um 8,6 Prozent, Kia um vier Prozent.

Doch inzwischen geht es nicht mehr nur darum, immer mehr Autos zu verkaufen. Im Ranking der weltweit wertvollsten Unternehmen klettern beide Marken beständig nach oben: Kia vom 87. Platz im Jahr 2012 auf den 74. Platz im vergangenen Jahr. Hyundai hat sich allerdings schon auf den 40. Rang direkt nach Ford vorgearbeitet. Damit liegen die Koreaner vier Zähler vor Audi und deutlich vor Porsche.

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Eines der interessantesten Autos des Genfer Salons

Den Ruf der Billigheimer, die hässliche Hartplastikbomber zu günstigen Preisen verkaufen, haben die Koreaner längst abgestreift. Jetzt geht es um die nächste Stufe: Nicht bloß als Autobauer wahrgenommen zu werden, der gefällig aussehende, verlässliche Fahrzeuge zu attraktiven Preisen produziert, sondern auch bei technischen Innovationen ganz vorne mitzuspielen und damit einen Hauch von Premium zu verströmen.

Das Potenzial dazu ist da. In Genf präsentierte Hyundai mit dem Ioniq eines der interessantesten Fahrzeuge der gesamten Messe. Das erste Serienmodell, das je nach Kundenwunsch, mit drei alternativen Antrieben angeboten wird: als Hybrid, als Plug-in-Hybrid, den man an der Steckdose aufladen kann, und als reines Elektrofahrzeug. Und mit dem Preis möchte man den direkten Konkurrenten Toyota Prius deutlich unterbieten.