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Fahrbericht Nissan Qashqai:Der Held soll wieder siegen

Der Nissan Qashqai bietet viel Auto für wenig Geld.

Mit 1,5 Millionen verkauften Exemplaren ist der Qashqai europaweit Spitzenreiter in seinem Segment. Die zweite Generation soll diese Position ausbauen - oder zumindest halten.

(Foto: STG)

Qashqai, der zweite: Sparsame Motoren, Assistenzsysteme und Leichtbau sollen Nissans Erfolgsmodell wieder an die Spitze führen. Platzangebot und Einstiegspreis sind attraktiv, aber der Crossover hat auch einige Schwächen.

Gut schaut er aus, der neue Qashqai, der im Februar zu den Händlern rollt. Moderner, windschnittiger, wertiger. Kein verkappter SUV, sondern ein gefälliger Crossover mit mehr Chrom, mehr LED-Licht, mehr Mut zu frischen Proportionen. Die +2-Version mit sieben Sitzen wird aus dem Programm genommen. Stattdessen setzt Nissan auf ein etwas großzügigeres Raumkonzept: Länge plus 47 Millimeter, Radstand plus elf Millimeter, Kopffreiheit plus zehn Millimeter, Knieraum im Fond plus elf Millimeter. Nuancen, gewiss, aber der Trend stimmt - auch beim Leichtbau mit 40 Kilo weniger.

Der Kofferraum ist dagegen um 20 Liter auf 439 Liter gewachsen. Der doppelte Ladeboden und die beiden variabel einsetzbaren Bodenplatten ermöglichen 16 verschiedene Konfigurationen. Bei Bedarf verschwindet sogar das Abdeckrollo in einem separaten Fach unter der bei umgeklappten Rücksitzen völlig ebenen Ladefläche. Auch der Innenraum wurde deutlich aufgewertet. Die Oberflächen wirken gefälliger, die Anzeigen und Bedienungselemente sind übersichtlicher angeordnet, die Sitze sind komfortabler, ein neues multifunktionales Farbdisplay zwischen Tacho und Drehzahlmesser ergänzt den optionalen zentralen Touchscreen.

Der Kofferraum des Nissan Qashqai ist um 20 Liter gewachsen.

Der Kofferraum des Nissan Qashqai ist um 20 Liter gewachsen.

(Foto: STG)

Schwächen? Das überladene Multifunktionslenkrad verdeckt den Blick auf Tankuhr und Hochschaltanzeige, die Tasten für manche Sekundärfunktionen wie PDC und Start-Stopp verstecken sich in der Tiefe des linken Fußraumes, das rechte Knie kollidiert schon mal mit der Mittelkonsole, die Hupe hat kaum Bobby-Car-Qualität.

Europaweit Spitzenreiter im Segment

Mit einem Marktanteil von 16,2 Prozent und mit 1,5 Millionen verkauften Exemplaren über Laufzeit steht der Qashqai europaweit an der Spitze des Segments. Diese Position will Nissan halten oder ausbauen - zum Beispiel durch Leasing-Restwerte, die 7,2 Prozente über denen des Vorgängers liegen. Die günstigste Variante steht mit 19 490 Euro in der Liste, das teuerste Sondermodell kostet voll ausgestattet 35 150 Euro. Weil der Hersteller mit niedrigen Bestellraten für den Allradantrieb (zwölf Prozent) und die Automatik (fünf Prozent) kalkuliert, gibt's das stufenlose Getriebe nur in Verbindung mit dem frontgetriebenen 1,6-Liter-Diesel und die 4x4-Technik ausschließlich in Verbindung mit dem Handschalter - auch nur für den 1.6 dCi. Als sparsamste Version glänzt der 110 PS starke 1,5-Liter-Diesel mit einem Mixverbrauch von asketischen 3,8 Liter - 36 Prozent weniger als der Vorgänger.

Bei den Benzinern bescheinigt Nissan dem neuen, 115 PS starken 1,2-Liter-Aggregat mit 5,6 l/100 km exakt das gleiche Trinkverhalten wie der ab Sommer lieferbaren 1,6-Liter-Maschine, die mit 150 PS und 240 Nm freilich spürbar besser im Futter steht. Die Hälfte des Absatzes wird nach Ansicht der Vertriebsspezialisten auf den 1,6-Liter-Diesel entfallen, der 130 PS leistet, ein maximales Drehmoment von 320 Nm entwickelt und je nach Getriebe und Antriebsart zwischen 4,4 und 4,9 Liter verbraucht.

Während die Fronttriebler mit einer Verbundlenker-Hinterachse vorlieb nehmen müssen, bedingt der Allradantrieb auch hinten einzeln aufgehängte Räder. Quer durch die Bank wird eine neue elektrische Servolenkung verbaut, die mehr Stabilität und eine bessere Rückmeldung verspricht. Außerdem darf der Fahrer zwischen den zwei Kennlinien Normal und Sport wählen. Das klingt kompliziert, funktioniert in der Praxis aber recht ordentlich mit direktem Ansprechverhalten, gutem Fahrbahnkontakt und sauber herausgefilterten Antriebseinflüssen.