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Psychologie:Der Traum vom Prinzen ist ungebrochen

Eine Geschlechterquote für Aufsichtsräte fördert die Beteiligung von Frauen in Führungsgremien

Ewig lockt der Prinz - oder zumindest der Mann mit dicker Geldbörse und rahmengenähten Lederschuhen.

(Foto: imago stock&people/imago/allOver-MEV)

Der Wunschpartner vieler Frauen bleibt ein wohlhabender Mann von hohem Status. Umgekehrt gilt das nicht, gut verdienende Frauen bleiben eher alleine.

Von Sebastian Herrmann

Der Hochadel wohnt und lebt in den Wartezimmern von Arztpraxen. Auf den distanzierten Beobachter wirkt das zumindest so, denn dort liegen stets diese Magazine, die moderne Märchen über Prinzen und Prinzessinnen erzählen. Da wartet man auf seinen Termin beim Arzt, schnauft in seine FFP2-Maske, versucht, das unterdrückte Husten der anderen Patienten zu ignorieren, und blättert befremdet durch diese Form des verstaubten Society-Entertainments. Doch die Märchen vom Liebesglück weltfremder Titelträger sind alles andere als aus der Zeit gefallen: Sie entlarven, dass den Sprösslingen hochwohlgeborener Geschlechter selbst in feministisch dominierten Zeiten die Herzen vieler Frauen zufliegen.

Der Traum vom Prinzen ist ungebrochen, das alte Beuteschema noch immer brandaktuell, das zeigen Daten aus den USA. Nun mangelt es in den Vereinigten Staaten zwar trotz der medial durchaus penetranten Anwesenheit von Harry und Meghan an einem eigenen Königshaus. Dafür existiert auch dort ein Mittel, das selbst Bürgerlichen eine glanzvolle Aura verleiht: Geld. Ein großzügig gefülltes Bankkonto kann die Abwesenheit einer juwelenbesetzten Krone kompensieren. Wie Rosemary Hopcroft von der University of North Carolina im Fachjournal Evolution and Human Behaviour berichtet, bleiben männliche Gutverdiener auf dem Partnermarkt die großen Gewinner.

Weiblicher Wohlstand korreliert mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Kinderlosigkeit

Die Analyse der Daten von mehr als 55 000 US-Amerikanern zeigte, dass wohlhabende Männer mit höherer Wahrscheinlichkeit heiraten und Kinder bekommen, sich seltener scheiden lassen und wenn doch, nach einer Scheidung rascher wieder eine neue Ehe eingehen als Geringverdiener. Am unteren Ende der sozialen Leiter bleibt Männern deutlich weniger Hoffnung auf die Liebe, sie frieren alleine im Schatten der solventen Prinzen über ihnen. Für Frauen zeigen die Daten einen gegenteiligen Zusammenhang. Ein höheres Einkommen stand in keinem Zusammenhang mit der Chance zu heiraten. Dafür korrelierte weiblicher Wohlstand mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Scheidung und Kinderlosigkeit.

"Gutes Einkommen und ein hoher Status haben für Frauen in der Partnersuche nach wie vor eine höhere Priorität als für Männer", fasst die Soziologin Hopcroft zusammen. Erst kürzlich legte ein internationales Forscherteam um Kathryn Walter von der University of California, Santa Barbara, eine Studie vor, die diesen unromantischen Zusammenhang belegte. Befragungen in 45 Ländern ergaben ein klares Bild: Frauen wünschen sich als langfristige Partner Männer von hohem Status mit guten finanziellen Aussichten; Männer verzehren sich hingegen nach Frauen, die mit Jugend und Schönheit gesegnet sind.

Quer durch die Welt und auch in den progressiven Gesellschaften des Westens bleiben Partnerpräferenzen also konstant. Verschärft wird die Situation in vielen Industriestaaten dadurch, dass Frauen dort die Männer in Sachen Bildungsabschlüsse überflügelt haben und selbst oft sehr gut verdienen. Als Nebeneffekt reduziert dies ihre Auswahl potenzieller Partner: Ihrem Beuteschema bleiben Frauen wohl treu, statt sich auf Partnersuche sozial abwärts zu orientieren. Ewig lockt der Prinz.

© SZ/mikö
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