SZ-Klimakolumne:Für das Klima ist noch alles möglich

SZ-Klimakolumne: Ein Ende der fossilen Brennstoffe: Klimaaktivistinnen in Dubai mit klaren Forderungen.

Ein Ende der fossilen Brennstoffe: Klimaaktivistinnen in Dubai mit klaren Forderungen.

(Foto: Hannes P Albert/dpa)

Auf der Klimakonferenz in Dubai wimmelt es von Lobbyisten der Öl- und Gasindustrie. Das zeigt, dass es für sie - und das Klima - zum ersten Mal um alles geht.

Von Jakob Wetzel

Es gibt Wochen, in denen es einen schier zerreißen will. Die vergangene Woche war eine solche. Seit acht Tagen verhandeln die Staats- und Regierungschefs der Welt auf der Klimakonferenz in Dubai. Es ist bereits die 28. Konferenz ihrer Art. Dass sich die Weltgemeinschaft in Paris darauf verpflichtet hat, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius, möglichst gar auf nur 1,5 Grad zu begrenzen, ist acht Jahre her. Passiert ist seither zu wenig; der Klimaforscher Mojib Latif etwa hält das 1,5-Grad-Ziel inzwischen für unerreichbar, wie er im SZ-Interview erklärt. Doch nun soll es konkret werden: Können sich die Staaten darauf einigen, aus Kohle, Öl und Gas auszusteigen - und das ausgerechnet im Ölstaat Dubai?

Eigentlich müssen sie sich darauf einigen, denn anders wird es kaum gelingen, die globale Erwärmung in Grenzen zu halten. Doch bislang vermitteln einige Beteiligte in Dubai den Eindruck, es ginge ihnen weniger darum, die Erderwärmung zu begrenzen, sondern eher den Klimaschutz.

Was bisher geschah: Ein Fonds soll ärmeren Ländern dabei helfen, die Folgen der Klimakrise zu bewältigen. Ein sogenannter Klimaclub, dem Deutschland und 35 andere Länder angehören, will künftig Vorbild sein. Mehr als 100 Staaten möchten die erneuerbaren Energien stark ausbauen. Und ein von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten als "historischer Schritt" verkaufter und im Vorfeld der Konferenz raunend angekündigter Beschluss entpuppte sich als Mogelpackung: 50 Ölfirmen wollen ihre CO₂-Emissionen bis 2050 "ungefähr" auf null reduzieren - aber nicht die Emissionen aus dem geförderten Öl und Gas, sondern nur diejenigen, die bei deren Förderung entstehen. Öl und Gas selbst sollen weiter sprudeln. Das Bekenntnis schwanke zwischen schlechtem Scherz und Provokation, meint mein Kollege Thomas Hummel, der für die SZ aus Dubai über den Beginn der Konferenz berichtet hat.

Aber womöglich gibt es ja noch eine Überraschung von der COP28. Ich habe Thomas Hummel gefragt, wie er die Erfolgsaussichten der Konferenz einschätzt. Er denkt, es seien nach wie vor drei Ergebnisse möglich: Es könnte ein geordneter und gerechter Ausstieg aus fossilen Brennstoffen beschlossen werden. Die Staaten könnten alternativ lediglich vereinbaren, ihre Bemühungen um einen schrittweisen Ausstieg zu verstärken. Oder es gebe eben keine Einigung, also gar keinen Beschluss.

Für die fossilen Energien gehe es jetzt zum ersten Mal um alles, und das merke man, findet der Kollege. Der Chef von Exxon Mobil sei erstmals zu einer Klimakonferenz gereist, überhaupt sind so viele Lobbyisten anwesend wie nie und versuchen, die Verhandlungen zu beeinflussen. Putin war gerade in Abu Dhabi und möchte einen Ausstieg aus den fossilen Energien verhindern; auch aus Ländern wie Indonesien und Indien wehe starker Gegenwind. Doch wenn es gelänge, eine Allianz zu schmieden aus vom Klimawandel bedrohten Inselstaaten und Entwicklungsländern, aus den EU-Ländern und weiteren Nationen, und wenn diese den Druck erhöhen könnten - wer weiß?

Ich wünsche auch Ihnen guten Mut.

(Dieser Text stammt aus dem wöchentlichen Newsletter Klimafreitag, den Sie hier kostenfrei bestellen können.)

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