Formel 1 in Austin:Warum aufhören mit der Jagd?

Formel 1 in Austin: Auch auf dem Circuit of the Americas in Austin Erster: Weltmeister Max Verstappen setzt weiter Maßstäbe.

Auch auf dem Circuit of the Americas in Austin Erster: Weltmeister Max Verstappen setzt weiter Maßstäbe.

(Foto: Chandan Khanna/AFP)

Beim Großen Preis der USA setzt sich Weltmeister Max Verstappen durch. Mit seinem 15. Saisonsieg stellt er seine Bestmarke aus dem Vorjahr ein - und einen Punkterekord auf. Der Zweitplatzierte Lewis Hamilton wird nachträglich disqualifiziert.

Von Anna Dreher

Als noch zwei Runden zu fahren waren, sah Max Verstappen im Rückspiegel Lewis Hamilton immer näher kommen. Der siebenmalige Weltmeister würde dem dreimaligen Weltmeister doch nicht etwa auf den letzten Metern noch den Sieg streitig machen? Aber dafür hätte der Große Preis der USA am Sonntag noch etwas länger dauern müssen. Am Ende war es doch wieder Verstappen, der als Erster über die Ziellinie raste, mit 2,2 Sekunden Vorsprung auf seinen Verfolger.

Der Niederländer dürfte erleichtert gewesen sein, denn mit seinem an und für sich überlegenen Red Bull hatte er diesmal Schwierigkeiten. "Das gesamte Rennen hatte ich Probleme mit den Bremsen", sagte Verstappen, als er aus dem Auto gestiegen war. "Das hat mein Rennen definitiv schwieriger gemacht als gestern. Und zum Ende war es wirklich knapp." Allein die Reifenbelastung war dadurch höher. Helmut Marko, Motorsport-Berater von Red Bull, ging am Mikrofon von Sky näher darauf ein: "Wir haben die Bremsbeläge gewechselt", erklärte der 80-Jährige. "Es war wahnsinnig schwierig für ihn, am Limit zu fahren. Aber er hat es meisterlich gemeistert. Das war sicher das härteste Rennen in diesem Jahr."

Die Bedeutung dieses Triumphes manifestierte sich in Zahlen. Verstappen gewann in Austin das 15. Rennen dieser Saison, damit stellte der 26-Jährige seinen eigenen Rekord aus dem Vorjahr ein. In seiner Formel-1-Karriere sah er zum 50. Mal die schwarz-weiße Zielflagge, die für den Sieger geschwenkt wird. Und er übertraf seinen Punkterekord aus dem Jahr 2022, als er 454 Zähler einsammelte, nun steht er bei 466 nach dem 18. von 22 Wettkampf-Wochenenden. Seinen dritten WM-Titel in Serie hatte sich Verstappen vorzeitig schon vor zwei Wochen in Katar gesichert, aber warum deshalb aufhören mit der Jagd nach Erfolgen und Rekorden?

Beim Sprint am Samstag vermochte Mercedes-Pilot Hamilton ihn lediglich in der Anfangsphase unter Druck zu setzen, nach den ersten Runden setzte sich Verstappen doch wieder ab und letztlich durch. Hamilton kam als Zweiter ins Ziel, vor Charles Leclerc im Ferrari. Das brachte die erste Ausbeute an diesem Wochenende. Die zweite folgte am Sonntag: Hinter Sieger Verstappen reihten sich Hamilton und Lando Norris im McLaren ein. Danach sah sah es zumindest zunächst aus.

Weil die Rennkommissare bei der technischen Nachkontrolle den Unterboden des Mercedes als nicht regelkonform werteten, wurde Hamilton nachträglich disqualifiziert - wie auch der Sechstplatzierte Leclerc aufgrund einer regelwidrigen Bodenplatte. Damit rückte Norris auf Rang zwei vor, als Dritten führt die Ergebnisliste nun Ferrari-Fahrer Carlos Sainz.

Leclerc verliert schon beim Start den Spitzenplatz nach den ersten Metern an Norris

Beim Höhepunkt von Texas hätte Verstappen eigentlich ebenfalls zu Beginn die beste Aussicht gehabt, wäre ihm in der Qualifikation am Freitag nicht ein Fahrfehler unterlaufen, durch den er die Streckenbegrenzung überquerte. Zur Strafe zählte seine Bestzeit nicht - und Leclerc, der in dem engen Kampf um die beste Parkbucht ohnehin nur fünf Tausendstelsekunden langsamer über den Circuit of the Americas gefahren war, kam zu seiner dritten Pole Position diese Saison. Dahinter gingen Norris bei seinem 100. Formel-1-Rennen und Hamilton in diesen Grand Prix. Nico Hülkenberg, einziger Deutscher im Fahrerfeld, begann nach Umbauten seines Haas von der Boxengasse aus. Am Ende wurde er 13, durch die Änderung rückte er zwei Ränge vor.

Beim Start verlor Leclerc den Spitzenplatz jedoch schon nach den ersten Metern an Norris, der sich geschickt über die Innenseite der ersten Kurve an ihm vorbeischob. Und auch Hamilton verlor unmittelbar eine Position - an Leclercs Teamkollegen Carlos Sainz. Die beiden Ferrari gingen in der ersten Runde gar ins Duell, was heikel war und als Nebeneffekt Hamilton näher an die roten Boliden brachte. In der vierten Runde holte sich der 38-Jährige seine ursprüngliche Position zurück. Er hatte in Austin nach Upgrades an seinem Wagen schon von einer Verbesserung gesprochen, das Rennen war ein weiterer Beleg dafür: "Max war einfach fehlerfrei, aber wir hätten sie einholen können, wenn es ein paar Runden mehr gewesen wären."

Formel 1 in Austin: Hätte das Rennen noch etwas länger gedauert, wäre womöglich Lewis Hamilton (links) ganz oben auf dem Treppchen gestanden statt Max Verstappen.

Hätte das Rennen noch etwas länger gedauert, wäre womöglich Lewis Hamilton (links) ganz oben auf dem Treppchen gestanden statt Max Verstappen.

(Foto: Brian Snyder/Reuters)

Verstappen hatte in den Verschiebe-Spielchen anfangs versucht, mitzumischen, mehr als einen Satz nach vorne machte er dabei nicht. Nach fünf von 56 Runden aber kam der Niederländer an Sainz vorbei. Und während er sich weiter an die Spitzengruppe heranpirschte, dürfte ein Stöhnen durch die Garage der Scuderia gegangen sein. Denn nicht nur waren die Podiumschancen von Sainz geschmälert worden, auch jene von Leclerc auf einen Sieg schwanden. Gegen den Mercedes von Hamilton kam er nicht an. Und von hinten kam Verstappen immer näher. In der elften Runde war es dann so weit: Enges Kurvenduell, Leclerc musste nach außen abweichen und wurde von der Strecke gedrängt, vorbei war der rote Bulle am stolzen Pferd.

"Bitte kein Gerede! Ich bin mit Bremsen beschäftigt!", beklagt sich Verstappen

In der 17. Runde holte sich Verstappen frische Pneus, einen Durchgang später zog Norris nach. Damit lautete die vorübergehende Reihenfolge: Hamilton, Leclerc, George Russell. Norris war nun Vierter, Verstappen Fünfter - aber die Mercedes mussten ja noch an die Box. "Lewis, glaubst du, du kannst noch fünf Runden auf den Reifen fahren?", lautete prompt die Frage. Der Brite funkte zurück: "Ich weiß nicht, es ist echt hart." Teamkollege Russell hörte kurz danach die gleiche Frage, seine Reaktion fiel anders aus: "Yep!" In Podiumsnähe brachte das den Briten allerdings auch nicht. Nachdem Hamilton nochmals bekundete, Schwierigkeiten zu haben, erhielt er nach 21 Runden frische Reifen - zu dem Preis, dass er Verstappen an sich vorbeiziehen sah. Auch Russell fiel zurück bis auf Rang acht.

Und so hatte Leclerc seine ursprüngliche Position vor Norris und Verstappen zurück. Die Frage war nur, wie lange Ferrari sich daran erfreuen können würde. Die Antwort folgte nach dem Boxenstopp in der 24. Runde: Nun war er nur noch Sechster. Letztlich beendete Leclerc das Rennen auch auf diesem Platz hinter Sergio Perez (Red Bull) und Sainz. Aber die noch wichtigere Frage, die sich an diesem Tag alle stellten, war eine ganz andere: Wie lange würde es dauern, bis sich Verstappen an die Spitze gearbeitet hat? Er kam immer näher an den McLaren heran, schließlich ins DRS-Fenster, der Heckflügel des Red Bull klappte um und zack war der Niederländer vorbei an Norris - nach exakt der Hälfte der Distanz.

Die Reihenfolge änderte sich nach Boxenstopps von Runde 35 bis 39 nochmals, kurz konnte sich Ferrari Hoffnung machen, hier noch Champagner verspritzen zu können. Aber dann zog doch wieder ein Konkurrent nach dem anderen an Leclerc vorbei, bis in der 43. Runde Verstappen erneut führte, vor Norris und Hamilton. Ganz langweilig, diesen Eindruck vermittelte Verstappen eindeutig per Funk, war dem Titelträger aber eben nicht. Als er durchgesagt bekam, die gleiche Geschwindigkeit zu haben wie Hamilton, gab er zurück: "Bitte kein Gerede! Ich bin mit Bremsen beschäftigt!" Zuvor hatte er sich bereits weniger freundlich über dieses Bauteil seines Red Bull beschwert und wiederholte kurz vor Schluss sein striktes Redeverbot. Dabei lautet beim Niederländer die Devise doch ohnehin Vollgas statt Vollbremsung. Hamilton vermochte noch Norris zu überholen. An Verstappen kam wieder mal niemand heran.

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