Sieben Kurven in der Formel 1:"Das Tempo ist wirklich unglaublich"

Sieben Kurven in der Formel 1: Mit 22 und nach erst 17 Grand-Prix-Einsätzen hat sich Oscar Piastri festgesetzt in der Spitzenklasse dieser Saison.

Mit 22 und nach erst 17 Grand-Prix-Einsätzen hat sich Oscar Piastri festgesetzt in der Spitzenklasse dieser Saison.

(Foto: Mark Thompson/Getty Images)

Oscar Piastri fährt mit 22 Jahren erstaunlich cool, Mercedes liefert eine Szene, die an eine alte Rivalität erinnert - und alle Fahrer leiden unter den grenzwertigen Bedingungen. Die Höhepunkte des Rennwochenendes.

Von Elmar Brümmer

Cool. Ein besseres Wort fällt einem leider nicht ein, um den Shooting Star dieser Formel-1-Saison zu beschreiben. Mit 22 Jahren und nach erst 17 Grand-Prix-Einsätzen hat sich der Australier festgesetzt in der Spitzenklasse dieser Saison. Hält sich im Sprintrennen Max Verstappen vom Hals, und manövriert im Großen Preis von Katar so, als habe er nie etwas anderes getan, dabei war ihm die komplizierte Piste völlig unbekannt. Im Getümmel nach dem Start machte er den entscheidenden Sprung nach vorn. "So hatten wir es geplant", behauptete er später, "ich musste nur zur richtigen Zeit bremsen." Nach dem dritten Rang in Suzuka jetzt der zweite Platz: "Das Tempo ist wirklich unglaublich." Sprach er über sich oder den McLaren? "Ich bin glücklich, wieder einen Pokal mitnehmen zu können."

Lando Norris

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(Foto: Ibraheem Al Omari/Reuters)

Fast 100 Rennen hat das große britische Talent jetzt schon im Fahrtenbuch stehen, vier zweite Plätze in diesem Jahr, so viele wie Red-Bull-Zweitbesetzung Sergio Perez. Fehlt nur noch der eine, der entscheidende Schritt für den 23-Jährigen. In Katar, auf Rang drei liegend, wähnte er sich schnell genug. Tatsächlich ist der papayafarbene Rennwagen das Auto der Stunde in der Formel 1. Aber vor ihm lag Teamkollege Piastri, und der Kommandostand verfügte: "Positionen halten." Norris kreischte vor Ärger ins Helmmikrofon, fügte sich aber. So stand er dann zum dritten Mal in Serie auf dem Podium, diesmal als Dritter. In Woking freuen sie sich, eine so ausgeglichen starke Fahrerkombination zu haben. Aber sie ahnen auch, dass das noch eine Menge Ärger mit sich bringen wird.

Max Verstappen

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(Foto: Andy Hone/Motorsport Images/Imago)

Sein Teamchef Christian Horner hatte einen entscheidenden Charakterzug des alten und neuen Weltmeisters verraten: "Max will nicht bloß gewinnen, er will dominieren." Was der Niederländer dann auch tat, durch die Reifen-Pflichtstopps allerdings etwas dezenter als gewohnt. Saisonsieg Nummer 14, Karriereerfolg Nummer 49, und im vorletzten Umlauf noch den Extrapunkt für die schnellste Runde. Dass ihn seine Erfahrung in diesem Jahr schneller als alle anderen hat werden lassen, glaubt der frisch gekürte Hattrick-Weltmeister nicht. Wohl aber: "Man wächst nicht nur als Fahrer, sondern auch als Mensch. Es gibt viele Dinge, die ich dazugelernt habe, und sie helfen mir, mit jeder Art von Drucksituation während des Wochenendes umzugehen - mit schwierigen Bedingungen zum Beispiel."

Katar

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(Foto: Ariel Schalit/AP)

Oscar Piastri, der triumphale Zweite, lag dem Sieger Max Verstappen zu Füßen - im Wortsinn. Nie war der Begriff Cool-Down-Room treffender als beim Großen Preis von Katar, der den Fahrern wie 57 Qualifikationsrunden am Stück vorkam. George Russell befürchtete ohnmächtig zu werden, und versuchte sich mit der ausgestreckten Hand Luft zuzufächeln. Logan Seargant musste aufgeben und aus dem Cockpit gehoben werden, Alexander Albon erlitt einen Hitzschlag, Fernando Alonso wurde der Sitz zu heiß. "Es war so, als ob einem anderthalb Stunden lang frontal ein Fön ins Gesicht gehalten wird", stöhnte Russell nach der Tortur. Obwohl es ein Nachtrennen war, sank die Temperatur nicht unter 36 Grad, dazu kamen 75 Prozent Luftfeuchtigkeit - und anders als im Qualifying kein Wind. Der Franzose Esteban Ocon befand: "Es war die Hölle."

Nico Hülkenberg

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(Foto: Andy Hone/Motorsport Images/Imago)

Auf einer Runde gehört der einzige Deutsche im Fahrerfeld auch mit 36 und in einem Haas-Ferrari noch zu den Besten. Auf die Distanz gesehen hatte Nico Hülkenberg allerdings ein Wochenende zum Vergessen. Im Sprint auf Punktekurs liegend wurde er von Sergio Perez und Esteban Ocon in ein Sandwich genommen, es passen nun mal keine drei Autos durch eine Kurve. Das Rennen begann mit einem Upgrade, nachdem der Ferrari von Carlos Sainz wegen eines Problems mit der Benzinzufuhr nicht starten konnte. Trotzdem hätte Hülkenberg in der Startaufstellung in Box 14 einparken müssen, der Ingenieur hatte ihn extra noch einmal darauf hingewiesen. Doch nach der Einführungsrunde rollte der Emmericher noch eine weiter. "Aus Gewohnheit", wie er sich ärgerte. Zehn-Sekunden-Zeitstrafe, Rennen ruiniert. "Ich habe es verkackt", gab er offen zu.

Reifen

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(Foto: Xavi Bonilla/PanoramiC/Imago)

Richtig aufgehübscht hat der deutsche Rennstreckenarchitekt Herman Tilke den Losail International Circuit, der eigentlich eine Motoradpiste war. Auf Wunsch des Automobilweltverbandes FIA hatte er auch neue Streckenbegrenzungen angebracht, so genannte Pyramiden-Kerbs. Diese Randsteine sollten die Piloten davon abhalten, mit ihren Autos zu weit über die Piste hinaus zu räubern. Die Abschreckung funktionierte allerdings kaum, und schlimmer noch: die hohe Belastung führte dazu, dass sich nach einiger Zeit die Laufflächen von den Reifen abzulösen begannen. Aus Sicherheitsgründen wurde dann für den 17. WM-Lauf drei Pflichtstopps verfügt, die Pneus durften nicht länger als 18 Runden benutzt werden. Passiert ist nichts, außer einer großen Peinlichkeit für einen hoch technologischen Sport. Trotzdem dürfte der Exklusivvertrag der Formel 1 mit Pirelli morgen bis mindestens 2027 verlängert werden.

Mercedes

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(Foto: ANP/Imago)

Es hätte der entscheidende Angriff auf Max Verstappen sein sollen, gleich in der ersten Kurve. George Russell und Mercedes-Teamkollege Lewis Hamilton hatten den Weltmeister auch schon in der Zange. Hamilton war außen von Rang drei aus nach vorn geschossen, wollte vor Verstappen in die Kurve einbiegen - und räumte dabei Russell in der Mitte ab. Der konnte nach einem Dreher immerhin weiterfahren und wurde Vierter, während der Rekordchampion im Kiesbett stand und später über die Piste stapfte, was ihn 25 000 Dollar Strafe kostet. Eine Szene, die an die Auseinandersetzung zwischen Nico Rosberg und Hamilton erinnert, aus der eine In-Team-Feindschaft wurde. Das Lamentieren Russells über Funk unterband Rennstallchef Toto Wolff daher sofort. Hamilton zeigte die Größe, alle Schuld auf sich zu nehmen: "Zu 100 Prozent mein Fehler." Die beiden Rivalen, zwischen denen es schon ein Weilchen schwelt, umarmten sich. Aber der Generationenkonflikt dürfte weitergehen.

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