Dokumentation über Christoph Daum:Fußballtrainer, Zampano, Vorbild

Dokumentation über Christoph Daum: Lecker Törtchen: Christoph Daum und seine Ehefrau Angelica Camm-Daum bei der Premiere in Köln.

Lecker Törtchen: Christoph Daum und seine Ehefrau Angelica Camm-Daum bei der Premiere in Köln.

(Foto: Andreas Rentz/Getty)

Ein Film beschäftigt sich mit dem teils spektakulär kontroversen Dasein des Fußballtrainers Christoph Daum. Bei der Premiere rückt auch der Patient Daum in den Mittelpunkt - der mit seiner Krebserkrankung sehr offenherzig umgeht.

Von Philipp Selldorf

Um zum Wohl der Gäste seine Rede ein wenig abzukürzen, werde er sie in den ständigen Applaus hinein fortsetzen, sagte Christoph Daum, aber das ökonomische Verfahren bewährte sich allenfalls geringfügig. 80 Minuten hatte die Vorführung des ab Freitag auf Sky zugänglichen Films über Leben und Wirken des just am Dienstag 70 Jahre alt gewordenen Jubilars Daum gedauert, nun standen seine Danksagungen an die in einem Kölner Kino versammelte Festgemeinde an - und sie gerieten umfassend und länglich. Geburtstagsgäste, die gehofft hatten, der Trick mit den übersprungenen Beifallspausen werde sie ein wenig früher zum Abendessen ins nahe brasilianische Restaurant entlassen, brauchten Geduld, Geduld und noch mehr Geduld. Viel länger als Daums Grußadressen hatte der Film auch nicht gedauert.

Zugleich war es beeindruckend, wie Daum mit nicht nachlassender Begeisterung und Herzlichkeit Freunde, Gefährten und Wohltäter willkommen hieß: So viele Menschen mit bekannten und nicht so bekannten Namen, denen er durch persönliche Widmungen für ihr Erscheinen dankte, was die lange Ansprache wie eine einzige große Umarmung klingen ließ. Dieser Mann, über den der Festbesucher Michael Ballack sagte, er sei "immer laut und kontrovers" gewesen, hat im Laufe seines in der Tat sehr lauten und zum Teil spektakulär kontroversen Daseins als Fußballtrainer und Zampano offensichtlich viele bleibende Freundschaften geschlossen.

Womöglich hat Matthias Sammer mit seiner im Film geäußerten Deutung, Daum sei "mit Nächstenliebe ausgestattet", nicht mal übertrieben. Uli Hoeneß, einst der Fußball- und zwischenzeitlich auch Lebensfeind schlechthin, war zwar nicht anwesend, ein zumindest friedvolles Zwiegespräch zwischen den beiden droben am Tegernsee wird im Film aber ausreichend dokumentiert.

An diesem Abend und auf der Kinoleinwand ging es einerseits um den Fußballmann Daum, der zwar nicht überall zum vollendeten Triumph gelangte - siehe Bayer Leverkusens Unterhaching-Trauma im Jahr 2000 -, der aber trotzdem in zuverlässiger Folge große bis riesengroße Erfolge feierte wie in Köln, Stuttgart, Istanbul, Wien oder Brügge - und der darüber hinaus das Publikum immer bestens unterhalten hat. Andererseits stand neben dem Sport auch der Patient Christoph Daum im Mittelpunkt, der noch im Mai wegen seiner Lungenkrebserkrankung auf der Intensivstation eines Krankenhauses in New York gelegen hatte. "Da ging es ihm ganz schlecht", erzählte Clemens Tönnies am Kölner Abend, "da habe ich gedacht: Uiuiui, hoffentlich passiert nix." In Redaktionen wurden damals bereits Nachrufe entworfen.

"Da sehen wir wieder unseren Christoph, der auf seine Art, Leute zu motivieren, alle mitreißt"

Nun aber stand Daum höchst lebendig und lebensfroh auf der Bühne und ließ in diversen Kinofoyer-Interviews fröhlich wissen, dass er bereits 22 chemotherapeutische Behandlungen hinter sich habe. Nächstes Ziel sei es jetzt, den akuten in einen chronischen Zustand zu überführen und den Krebs somit einigermaßen zu kontrollieren. Daum hatte noch nie Scheu gehabt, öffentlich über private Dinge zu reden, die andere für intim halten würden, und so offenherzig geht er auch mit den Eindrücken seiner Krankheit um. Die Ärzte, so erfährt man im Film, loben ihn dafür - und für den Kampfgeist, der ihn auch als Fußballtrainer stark gemacht hat.

Rudi Völler zufolge leistet Daum Vorbildliches, indem er als bekannte Person unbefangen seine Krankheit thematisiert, "um Menschen mit dem gleichen Schicksal ein bisschen Hoffnung zu geben. Da sehen wir wieder unseren Christoph, der auf seine Art, Leute zu motivieren, alle mitreißt". Der DFB-Sportdirektor hielt den Prolog, bevor sich der Kinovorhang öffnete: eine leichte und doch inhaltsvolle Rede, die im Übrigen keinerlei Zeitlimit überschritt. Eine typische Rudi-Völler-Spitze enthielt sie auch. Er habe den Film noch nicht gesehen, sagte er, "aber ich weiß, dass er auf jeden Fall packender und interessanter ist als die Doku über die Nationalmannschaft in Katar".

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