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Coronavirus weltweit:Polizei in London löst Demo auf - Mehrere Beamte verletzt

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  • In London sind mehrere Polizisten bei dem Versuch verletzt worden, eine Demonstration Tausender Gegner der Corona-Maßnahmen am Trafalgar Square aufzulösen.
  • Auch Tirol, Tschechien und Luxemburg sind nun Risikogebiete.
  • Polen meldet 1587 Neuinfektionen binnen 24 Stunden.
  • Die spanische Regierung empfiehlt einen vollständigen Lockdown für Madrid.
  • In Moskau sollen Senioren wieder in die Selbstisolation gehen.
  • Die aktuellen Meldungen aus Deutschland im Überblick

In London sind mehrere Polizisten bei dem Versuch verletzt worden, eine Demonstration Tausender Gegner der Corona-Maßnahmen am Trafalgar Square aufzulösen. Die Polizei beendete die Kundgebung, da die Teilnehmer keinen Abstand gehalten beziehungsweise keine Masken getragen hätten.

Unterdessen hat der britische Premierminister Boris Johnson hat zur internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen das Coronavirus aufgerufen. Neun Monate nach Beginn der Pandemie sehe schon "der bloße Gedanke der internationalen Gemeinschaft zerschlissen" aus, sagte Johnson in einer Aufzeichnung seiner Rede für die UN-Generalversammlung. Johnson stellte einen Plan zur Vorbeugung künftiger Pandemien vor, darunter ein Forschungsnetzwerk für Infektionskrankheiten in aller Welt, das gefährliche Erreger identifizieren könne, bevor sie von Tieren auf Menschen sprängen. Johnson, der im Frühjahr selbst schwer an Covid-19 erkrankt war, kündigte an, dass Großbritannien 500 Millionen Pfund (547 Millionen Euro) für das globale Impfschutzprogramm Covax geben werde, mit dem die Versorgung der 92 ärmsten Länder mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus gewährleistet werden soll, sobald dieser zur Verfügung steht. Zur Finanzierung der Weltgesundheitsorganisation wolle Großbritannien in den nächsten vier Jahren 340 Millionen Pfund (372 Millionen Euro) beitragen.

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Großbritannien verzeichnet nach Regierungsangaben 6042 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. 34 weitere positiv getestete Menschen seien gestorben. Am Vortag hatte das Land 6874 bestätigte Ansteckungen gemeldet.

Bund erklärt Tschechien, Luxemburg und Tirol zu Corona-Risikogebieten

Die Bundesregierung hat das österreichische Bundesland Tirol wegen rasant steigender Infektionszahlen zu Corona-Risikogebieten erklärt. Die Risikoliste des Robert Koch-Instituts wurde am Freitag entsprechend aktualisiert. Das Bundesland mit der Hauptstadt Innsbruck ist eine Grenzregion zu Deutschland und zudem ein bei Deutschen sehr beliebtes Urlaubsgebiet im Sommer wie Winter. Dort liegt auch der Skiort Ischgl, der im vergangenen Winter zu den Hotspots gehörte, von denen sich die Pandemie in Europa ausbreitete.

Darüber hinaus gelten nun auch ganz Tschechien und Luxemburg als Risikogebiete. Damit sind nun 15 von 27 EU-Ländern zumindest teilweise Corona-Risikogebiete, Spanien, Tschechien und Luxemburg sogar ganz. Polen ist das einzige der neun Nachbarländer Deutschlands, das noch nicht betroffen ist.

Die meisten tschechischen Regionen waren bereits am Mittwoch in die Risikoliste aufgenommen worden. Jetzt folgten noch die Mährisch-Schlesische Region im äußersten Osten des Landes an der Grenze zu Polen und das an Sachsen grenzende Usti (Aussig).

Luxemburg grenzt an das Saarland und an Rheinland-Pfalz. Die Regierung des Großherzogtums hatte frühere Grenzschließungen und Reisewarnungen seitens Deutschlands stets kritisiert. In dem kleinen Land mit seinen etwa 630 000 Einwohnern gibt es zahlreiche Berufspendler, die regelmäßig die Grenze überqueren. Sie sind allerdings von Quarantäneregeln ausgenommen.

Es wurde erwartet, dass das Auswärtige Amt noch am Freitagabend für alle neuen Risikogebiete eine Reisewarnung für Urlaubsreisen ausspricht. Für die Länder der Europäischen Union und des Schengen-Raums decken sich die Kriterien.

Reisende, die aus Risikogebieten zurückkehren, müssen sich 48 Stunden vor oder nach der Einreise auf Corona testen lassen und dann solange in Quarantäne, bis das Testergebnis da ist. Die Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung für touristische Reisen haben. Allerdings hat sie auch eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Urlaubern, Buchungen kostenlos zu stornieren.

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie hatte das Auswärtige Amt am 17. März erstmals eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen. Für mehr als 30 europäische Länder wurde sie Mitte Juni zunächst wieder aufgehoben. Schon nach wenigen Wochen mussten die Reisewarnungen für die ersten Länder aber wegen steigender Infektionszahlen wieder reaktiviert werden.

Die Einstufung als Risikogebiet und die anschließende Reisewarnung erfolgt, wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen die Marke von 50 Fällen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen übersteigt. Bei der Reisewarnung für Länder außerhalb Europas kann es bisher auch noch andere Gründe für eine Reisewarnung geben wie Einreisesperren oder Einschränkungen des Flugverkehrs. Das soll aber zum 1. Oktober geändert werden.

Polen verzeichnet so viele Corona-Neuinfektionen wie noch nie

Polen hat so viele neue Corona-Fälle registriert wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Am Freitag verzeichneten die Behörden 1587 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden, wie das Gesundheitsministerium in Warschau mitteilte. Der Schwerpunkt der nachgewiesenen Neuinfektionen lag mit 295 Fällen in der Region um Warschau, aber auch Kleinpolen im Süden des Landes (241) und Kujawien-Pommern nordwestlich der Hauptstadt (162) waren stark betroffen. Der bisherige Rekordwert von 1136 Neuinfektionen wurde einen Tag zuvor erfasst.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, es gebe keine großen lokalen Epidemieherde. "Das ist ein Effekt unserer Rückkehr zur Normalität." Viele Ausbrüche seien auf private Feiern zurückzuführen, auch in Pflegeheimen nehme die Zahl der Infizierten zu. Es gebe die Überlegung, Besuche in diesen Heimen nicht mehr zuzulassen.

In Polen haben sich nach offiziellen Angaben bislang 84 396 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert. 2392 Menschen starben demnach in Zusammenhang mit dem Virus. Polen hat rund 38 Millionen Einwohner. Das Land wird vom Robert-Koch-Institut nicht als Risikogebiet eingestuft.

Spanische Regierung empfiehlt vollständigen Lockdown für Madrid

Wegen der weiter steigenden Infektionszahlen hat die spanische Regierung einen vollständigen Lockdown für die Hauptstadt des Landes empfohlen. Dies teilte Gesundheitsminister Salvador Illa am Freitag mit. Bislang haben die Behörden lediglich verschärfte Kontakt- und Bewegungsbeschränkungen für Teile der Metropole verhängt.

In Spanien wächst derweil der Druck auf die Kliniken, mehr Intensivkapazitäten bereitzustellen. Im Großraum Madrid ist die Zahl der belegten Intensivbetten am Donnerstag nach offiziellen Daten auf 39 Prozent gestiegen, verglichen mit 25 Prozent Ende vergangener Woche. Doch nach Aussage von Miguel Hernan, Harvard-Professor und ehemaliger Berater der spanischen Regierung, spiegelt dieser Wert die tatsächliche Belastung nicht wider. Die Intensivkapazität sei tatsächlich fast voll ausgeschöpft. "Wir stehen wieder vor einer ernsten Notlage im Gesundheitswesen", erklärte Hernan auf Twitter. "Die Intensivbetten sind unsere letzte Verteidigungslinie."

Moskau schickt Senioren wieder in die Selbstisolation

Weil die Corona-Infektionszahlen auch dort wieder stark steigen, schickt Moskau Senioren und chronisch kranke Menschen in die Selbstisolation. Von Montag an sollten sie ihre Wohnungen und Häuser nur im Ausnahmefall oder für kurze Spaziergänge verlassen, schrieb der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin am Freitag in einem Blogeintrag. Er rief zudem die Bewohner der Millionenmetropole zu mehr Disziplin und Verantwortung beim Tragen des Mund-Nasen-Schutzes auf. "Wir wollen nicht zu den Beschränkungen im Frühling zurückkehren." Damals gab es wochenlang einen strengen Lockdown für die geschätzt rund 15 Millionen Moskauer.

In Russland steigen die Corona-Zahlen seit einigen Tagen stark an. Am Freitag wurden offiziell mehr als 7200 neue Fälle gezählt, so viele wie seit Juni nicht mehr. Moskau ist seit Beginn der Corona-Krise der Hotspot in Russland. In der Hauptstadt gab es zuletzt mehr als 1500 Neuinfektionen; die Zahl hat sich seit der vergangenen Woche fast verdoppelt.

Karneval in Rio wegen Pandemie verschoben

Die brasilianische Metropole Rio de Janeiro verschiebt wegen der Corona-Pandemie den weltberühmten Karneval. Ein neuer Termin hängt laut dem Verband der Sambaschulen davon ab, wann es eine Impfkampagne geben wird, wie das Nachrichtenportal G1 am Donnerstagabend berichtete.

Eigentlich sollte der Karneval in Rio im Februar stattfinden. "Angesichts all dieser Unsicherheit, dieser Instabilität (...) sind wir zu dem Schluss gekommen, dass diese Veranstaltung verschoben werden muss", sagte Verbandspräsident Jorge Castanheira. Die Schulen hätten weder die Zeit noch die finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen, um den Karneval im Februar auf die Beine zu stellen.

Nach den USA und Indien verzeichnet Brasilien die meisten Infektionen (mehr als 4,5 Millionen). Mehr als 139 000 Menschen sind in Brasilien im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Gewöhnlich ist es so, dass sich die Sambaschulen - kaum, dass ein Karneval zu Ende ist - schon wieder mit dem nächsten Thema, den Umzugswagen und den Kostümen beschäftigen, die sie zu den Umzügen ins Sambodrom mitbringen wollen. Jetzt würde in Rio eigentlich die heiße Phase der Vorbereitung beginnen. Nach Daten der Regierung des Bundesstaates Rio de Janeiro registrierte die Stadt Rio bis Donnerstag offiziell knapp 100 000 Infizierte, mehr als 10 000 Patienten sind bislang gestorben.

Frankreich meldet Rekord bei Neuinfektionen

In Frankreich ist innerhalb von 24 Stunden bei mehr als 16 000 Menschen eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt worden. Seit Mittwochabend wurden 16 096 neue Infektionsfälle registriert, teilten die Gesundheitsbehörden am Donnerstagabend mit. Dies ist ein neuer Rekord seit Einführung der großflächigen Tests auf das neuartige Coronavirus. Insgesamt haben sich nachweislich 497 237 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich um 52 auf 31 511.

Erstmals seit Ende Juli steigt auch die Zahl der Menschen, die in Frankreich wegen einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus müssen, nach Angaben der Behörden wieder über 6000. Mehr als 1000 Patienten befänden sich zudem auf Intensivstationen, so viele wie seit Anfang Juni nicht mehr.

Guterres bemängelt Umgang mit Pandemie

UN-Generalsekretär António Guterres hat scharfe Kritik am internationalen Umgang mit der Corona-Pandemie geübt. "Die Pandemie ist ein eindeutiger Test für die internationale Zusammenarbeit - ein Test, den wir im Wesentlichen nicht bestanden haben", sagte Guterres in New York.

Das Virus sei mit weltweit mehr als 30 Millionen bestätigten Infektionen und annähernd einer Million Toten außer Kontrolle geraten. Grund dafür sei, dass es weltweit an "Vorbereitung, Kooperation, Einigkeit und Solidarität" gefehlt habe. Wenn der Klimakrise genauso uneins und ungeordnet begegnet werde wie der Viruskrise, "dann fürchte ich das Schlimmste", sagte Guterres.

Infektionsrekord in Großbritannien

Mit 6634 neuen registrierten Fällen von Corona-Infektionen hat Großbritannien den höchsten Stand innerhalb eines Tages seit Beginn der Pandemie erreicht. Das teilte die zuständige Regierungsbehörde am Donnerstag mit. Allerdings wurde im Frühjahr noch deutlich weniger getestet - das heißt, mehr Fälle blieben unentdeckt.

Mit mehr als 40 000 Corona-Toten ist das Vereinigte Königreich in absoluten Zahlen das am schwersten von der Pandemie getroffene Land in Europa. Angesichts der stark steigenden Zahlen gelten auch wieder schärfere Schutzmaßnahmen: Pubs und Restaurants müssen in England um 22 Uhr schließen. Zudem wurde die Maskenpflicht auf Taxis und weitere Gewerbe ausgeweitet. Die Regierung forderte Arbeitnehmer auf, wenn möglich, wieder von zu Hause aus zu arbeiten.

Führende Gesundheitsexperten halten die Maßnahmen für nicht weitreichend genug. In Schottland und Nordirland gelten bereits schärfere Regeln - dort dürfen sich bis auf wenige Ausnahmen keine verschiedenen Haushalte mehr miteinander treffen.

UN: Pandemie vernichtet weltweit ungefähr 500 Millionen Jobs

Der Schaden des Coronavirus für die Arbeitsmärkte ist der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge größer als zunächst angenommen. Auch erhole sich die Wirtschaft bis Jahresende sehr viel langsamer, teilt die in Genf ansässige UN-Sonderorganisation mit.

Der Verlust an Arbeitsstunden 2020 sei "erheblich größer" als zuvor angenommen. Im Vergleich zu 2019 seien im zweiten Viertel diesen Jahres 17 Prozent weniger Stunden gearbeitet worden - das entspreche fast 500 Millionen Jobs. Im Juni war ein Verlust in Höhe von 400 Millionen Jobs vorhergesagt worden.

Die ILO schätzt zudem, dass durch die Pandemie bis jetzt weltweit ein Einkommensverlust von 3,5 Billionen Dollar entstanden ist - wenn man Hilfsprogramme der Regierungen nicht berücksichtigt. Die Situation werde sich zwar in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zur ersten verbessern, die Aussichten hätten sich aber seit Juni deutlich verschlechtert. So würden jetzigen Schätzungen zufolge im vierten Quartal Arbeitsstunden in einem Umfang vernichtet, der sich auf 245 Millionen Jobs summiere oder sogar noch deutlich mehr - im Juni war von 140 Millionen ausgegangen worden.

Die pessimistischeren Schätzungen ergeben sich durch den erneuten Anstieg der weltweiten Infektionszahlen. Zudem sei der Schaden auf weniger entwickelte Länder, in denen beispielsweise kein Home-Office möglich sei, stärker als zunächst angenommen.

© SZ.de/AP/dpa/Reuters/Bloomberg/gal/odg/pak/jsa/saul/mane

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