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Medikamentenstudie:Künstliche Antikörper gegen Covid-19

Der Pharmakonzern verwendet für sein neues Medikament künstlich hergestellte Kopien von Antikörpern.

(Foto: Darron Cummings/AP)

Frühe Daten des Pharmakonzerns Eli Lilly deuten auf eine mögliche neue Behandlungsoption für Corona-Patienten hin. Noch aber fehlt die Begutachtung durch unabhängige Experten.

Von Berit Uhlmann

Der Pharmakonzern Eli Lilly hat Zwischenergebnisse einer Corona-Medikamentenstudie vorgelegt. Die getesteten neutralisierenden Antikörper haben demnach ein Potenzial, schwere Verläufe von Covid-19 zu verhindern. Antikörper werden auf natürlichem Weg von Infizierten gebildet und verhindern, dass Sars-CoV-2 an die Rezeptoren der menschlichen Zellen bindet. Man findet sie im Blut von Genesenen. Der Pharmakonzern verwendet künstlich hergestellte Kopien solcher Antikörper.

Die sogenannten monoklonalen Antikörper wurden mehr als 300 leicht bis mittelschwer Erkrankten verabreicht. 150 zufällig ausgewählte Patienten erhielten ein Placebo. Während in der Medikamentengruppe 1,7 Prozent der Kranken eine Klinik oder Notaufnahme aufsuchten, waren es in der Placebogruppe sechs Prozent. In absoluten Zahlen sieht das Ergebnis allerdings weniger imposant aus. Mit den Antikörpern erkrankten fünf Patienten schwer, ohne die Therapie waren es neun Patienten. Zugleich zeigte sich nach Konzernangaben, dass die Viruslast in der Medikamentengruppe schneller sank als in der Kontrollgruppe. Ernste Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten.

Die Ergebnisse stammen aus der zweiten Phase der gewöhnlich dreistufigen Medikamentenprüfung. Der Konzern spricht von "Proof of concept-Daten", sie sollen also zunächst nur die prinzipielle Machbarkeit des Ansatzes aufzeigen. Bislang gibt es lediglich die Pressemitteilung des Unternehmens; Details fehlen ebenso wie eine unabhängige Überprüfung durch externe Fachleute.

Interessant an dem Ansatz ist, dass er schwere Verläufe verhindern soll. Die Arzneimittel, die bisher den größten Nutzen gezeigt haben - Dexamethason und Remdesivir - nützen nur Patienten, die bereits schwer erkrankt sind. Sie können bisherigen Erkenntnissen zufolge Todesfälle verhindern oder die Erkrankungsdauer verkürzen.

© SZ/beu/weis
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