SZ-Kolumne "Bester Dinge":Koalition der Holzköpfe

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(Foto: Sven Koerner)

Handwerker aus dem Erzgebirge haben Scholz, Baerbock und Lindner als Räuchermännchen nachgebaut. Gerade in diesen Zeiten: eine wohltuend zurückhaltende Karikatur.

Von Marcel Laskus

Die politische Straßenkarikatur umgibt ein fauliger Geruch, seitdem es auf Demonstrationen üblich geworden ist, die Gesichter von Angela Merkel und Jens Spahn nicht mehr mit dem Stilmittel Witz, sondern nur noch mit dem Stilmittel Hass zu verformen. Harmlos waren die Zeiten, als es noch genügte, aus Helmut Kohl eine erntereife Williams-Christ-Birne zu machen. Heute hingegen: Sträflingsuniformen, Galgen, überzeichnete Fratzen. Drunter geht es nur noch selten.

Umso dankbarer muss man deshalb jener Gegenbewegung sein, die im Erzgebirge lieber mit der Drehbank als der Brechstange arbeitet. 2020 wurde hier schon Virologe Christian Drosten zur Räucherfigur gedrechselt, 2021 Angela Merkel. Nun, knapp ein Jahr nach Gesprächsbeginn der Ampelkoalitionäre, sind drei weitere Politiker bei der "Seiffener Volkskunst" erhältlich: Christian Lindner, Annalena Baerbock und Olaf Scholz.

Die Bedeutung dieser 72,60 Euro pro Stück teuren Schöpfung weist gleich zweifach über das Erzgebirge hinaus. Zum einen kann nun, wer möchte, ohne Widerspruch behaupten, dass diese drei ungleichen Politiker aus demselben Holz geschnitzt seien. Viel wichtiger aber ist: die wohltuende optische Zurückhaltung. Der Raum für Interpretationen.

Zwar sehen die drei nicht fotorealistisch aus und schon gar nicht vorteilhaft (Baerbock wirkt älter, Scholz zerknautschter, Lindner kahler). Dennoch brüllen einem die Figuren die politische Haltung der Macher nicht ins Gesicht; auf plumpe Feindseligkeit wird verzichtet. Selbst die Frage danach, warum ihnen im Winter, wenn die Zeit der Räuchermännchen beginnt, der Kopf wirklich qualmen wird, lässt dann noch Interpretationen zu.

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