SZ-Kolumne "Bester Dinge":Golf im Schafspelz

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(Foto: imago/cookelma)

Vier Männer spielen in Kentucky 24 Stunden lang Minigolf und lochen 2097 Bälle ein - Weltrekord. Doch die eigentliche Kunst daran sind nicht die Treffer.

Von Veronika Wulf

Menschen gehen joggen, um fit zu bleiben. Sie stemmen Gewichte, um Muskeln aufzubauen. Und sie spielen Minigolf, weil das Wetter gut ist und es in dem malerischen Städtchen, das die Familie zum Wochenendausflug aufgesucht hat, sonst rein gar nichts zu tun gibt, worauf sich alle einigen können. Es gehört zur speziellen Charakteristik dieser Sportart, dass sie selten als solche ernst genommen wird. Wer die Regeln der Golfvariante für Bürger mit Mini-Geldbörse ein bisschen zu gut kennt und auf ihnen beharrt, läuft Gefahr, als seltsamer Sonderling abgestempelt zu werden.

Außer natürlich bei den 8739 Vereinsmitgliedern. Denn selbstverständlich gibt es auch im Minigolf (offiziell: Bahnengolf), wie bei jeder Beschäftigung, mit der Deutsche ihre Freizeit füllen, etliche Vereine. Der Deutsche Minigolfsport-Verband ist sogar Mitglied im Olympischen Sportbund, die Deutschen schneiden international spitzenmäßig ab, auch zuletzt bei der Senioren-WM in Wanne-Eickel.

Doch auch beim Gelegenheitsminigolfer ist oft ein Wettkampfgeist zu erleben, der in auffälligem Ungleichgewicht zum erreichbaren Ruhm steht. Geht der Ball nicht ins Loch, wird wahlweise die Bahn (Tannennadeln!), der Schläger (falsche Größe!) oder der Nebenmann (hat abgelenkt!) verantwortlich gemacht und dem Mitspieler prinzipiell Dyskalkulie vorgeworfen. Umso beachtlicher ist der Weltrekord, der vier Minigolfern im Städtchen Erlanger in Kentucky gelang: Sie spielten 24 Stunden lang und trafen dabei 2097 Löcher, berichtet CNN. Ohne überlieferten Streit. Vielleicht lag es am guten Zweck; sie sammelten fast 3000 Dollar für die Fluthilfe in Kentucky. Oder schlicht daran, dass sie miteinander spielten, nicht gegeneinander.

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