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Start am Pfingstwochenende:Leinen los!

Starnberg: bayrische SeenSchiffahrt - neues Hygienekonzept

Aber bitte mit Abstand: Landrat Stefan Frey, Bürgermeister Patrick Janik und der bayerische Finanzminister Albert Füracker (von links) posieren auf der "Starnberg" für die Fotografen.

(Foto: Nila Thiel)

Die Bayerische Seenschifffahrt nimmt wieder Fahrt auf: Am Starnberger See und am Ammersee legen von Samstag an täglich zwei Schiffe für je vier Rundfahrten ohne Zwischenstopps ab.

Vor dem bleigrauen und wolkenverhangenen Himmel kreischen nur die Möwen, sonst ist nicht viel los an der Starnberger Schiffswerft, als der bayrische Finanz- und Heimatminister Albert Füracker den Saisonbeginn für die Seenschifffahrt ausruft. Die MS Starnberg und die MS Seeshaupt liegen still im See, doch schon bald sollen sie wieder bis zu 2000 Gäste am Tag übers Wasser schippern. Mit Gummibändern und Aufklebern sollen die Passagiere auf Abstand gehalten werden.

Von diesem Samstag, 30. Mai, an fahren beide Schiffe täglich von 10 Uhr an voraussichtlich vier Mal eine etwa einstündige Runde auf dem Starnberger See. Am Ammersee werden Schiffe zu einstündigen Rundfahrten in Stegen und Herrsching ablegen. Auch auf dem Tegernsee und Königssee starten die Flotten wieder an diesem Pfingstwochenende.

Starnberg: bayrische SeenSchiffahrt - neues Hygienekonzept

Mit Hygieneregeln will die Bayerische Seenschifffahrt verhindert, dass es an Bord zu Infektionen kommt. Unter anderem müssen Passagiere unter Deck Masken tragen.

(Foto: Nila Thiel)

Um Warteschlangen und größere Menschenansammlungen zu vermeiden, hat sich Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt, ein Hygienekonzept überlegt: Unter Deck gilt die Maskenpflicht, auf den Sitzplätzen unter freiem Himmel das Abstandsgebot. Die Schiffe werden nach jeder Fahrt gereinigt und die Türklinken und Griffe desinfiziert - "das verzögert unseren Ablauf um ungefähr eine halbe Stunde", sagt Grießer. Aus diesem Grund entfallen auch die Zwischenstopps, Start- und Landepunkt sind derselbe. Alle Fahrgäste werden namentlich registriert. Zusätzliche Kassenhäuschen am Steg sollen den Ticketkauf erleichtern. Ein Online-Ticket-System ist noch nicht eingerichtet, man wolle erst das Interesse der Gäste abwarten und einen Vorschlag der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung (GWT) prüfen, so Grießer. Um das Abzählen von Kleingeld zu verringern, sei der Ticketpreis für eine Rundfahrt auf dem Starnberger See von 10,90 Euro auf elf Euro aufgerundet worden, auf dem Ammersee von 11,90 Euro zwölf 12 Euro. "Das Geschäft wird sich diese Saison nicht rechnen, aber es ist allemal besser, als wenn wir die Schiffe im Hafen stehen lassen", sagt Minister Füracker.

Konkret dürfen nur rund 250 Passagiere auf eines der beiden Schiffe am Starnberger See, die sonst je 800 Gäste beherbergen können. Bei vier Rundfahrten von zwei Schiffen könnten so bis zu 2000 Touristen pro Tag auf dem See unterwegs sein. Am Ammersee dürfen auf der "Utting" voraussichtlich 150 Personen einsteigen, statt der sonst möglichen 500 Menschen. "Wir werden die Schiffe nicht voll belegen", sagt Minister Füracker, "Es ist wichtig, dass Gäste und Mitarbeiter sich sorgenfrei auf den Schiffen bewegen können." Bei großer Nachfrage würden am Abend noch zusätzliche Fahrten angeboten, stellt Grießer in Aussicht. Darüber könnten sich Fahrgäste am Steg informieren. Die Gastronomie auf den Schiffen bleibt geschlossen, momentan versucht Grießer noch, Getränkeautomaten aufzutreiben, damit die Gäste wenigstens etwas zu trinken kaufen können. "Doch alles, was mit Selbstbedienung zu tun hat, ist momentan schwer auf dem Markt zu bekommen", sagt Grießer. Ein mitgebrachtes Picknick an den zugewiesenen Tischen ist gestattet.

Sonderfahrplan für Rundtouren

Mit neuem Corona-Sicherheitskonzept startet die Bayerische Seenschifffahrt am Samstag, 30. Mai, ihren Betrieb mit reduzierter Flotte. Die Fahrpläne sind online abrufbar unter www.seenschifffahrt.de, einige aktuelle Änderungen stehen noch aus. Auf dem Starnberger See fahren die MS Seeshaupt und die MS Starnberg im Wechsel je eine etwa einstündige Rundtour im Norden des Sees ohne Zwischenhalt unterwegs. Das erste Schiff legt um 10 Uhr ab, das zweite um 10.50 Uhr. Weitere Fahrten starten um 11.45 Uhr, 12.50 Uhr, 13.45 Uhr, 14.45 Uhr und 15.40 Uhr. Die letzte planmäßige Fahrt geht um 16.35 Uhr los, bei Bedarf gibt es Verstärkerfahrten um 17.35 Uhr und 18.35 Uhr. Auf dem Ammersee ist die neue Utting unterwegs, eventuell auch einer der beiden Schaufelraddampfer, wie Michael Grießer in Aussicht stellt. Die Schiffe legen in Stegen und in Herrsching ab, die Abfahrtszeiten sind an beiden Orten 11 Uhr, 12.30 Uhr, 14 Uhr und 15.30 Uhr. jesc

Der Großteil der Mitarbeiter der Seenschifffahrt kehrt nun aus der Kurzarbeit zurück. "Wir brauchen gerade sogar mehr Personal als vorher für die Besucherlenkung am Steg", so Grießer. In der coronabedingten Zwangspause hätten die Mitarbeiter die Flotte wieder auf Vordermann gebracht und Verschönerungsarbeiten an den Schiffen erledigt. Unter normalen Umständen beginnt die Hauptsaison der Bayerischen Seenschifffahrt traditionell zu Ostern. Heuer blieben auch auf dem sonst ganzjährig befahrenen Königssee alle Schiffe wegen der Corona-Pandemie in den Häfen.

Ob nun bereits am Pfingstwochenende mit einem Besucheransturm gerechnet werden muss, darüber gehen die Meinungen auseinander. "Wir hoffen natürlich, dass wir noch in diesem Jahr zu einem normalen Linienfahrplan zurückkehren können, aber wir wollen zu Beginn lieber etwas vorsichtiger planen", sagt Grießer. Die GWT hat unterdessen die Öffnungszeiten ihrer Gästeinformationen auf die Pfingstfeiertage von jeweils 11 bis 15 Uhr ausgeweitet. "Bei Sonnenschein erwarten wir viele Ausflügler in unserer Region", sagte Regionalmanagerin Daniela Tewes.

© SZ vom 29.05.2020
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