Wiesn:Was vom Oktoberfest 2023 in Erinnerung bleibt

Wiesn: Zum Wiesn Ausklang 2023 wurden im Bräurosl-Festzelt Wunderkerzen angezündet.

Zum Wiesn Ausklang 2023 wurden im Bräurosl-Festzelt Wunderkerzen angezündet.

(Foto: Robert Haas)

Ein Besucher-Rekord, ein zu früh anzapfender Oberbürgermeister und ein Vollmond, der Kitsch-Motive abliefert: Neun Dinge, die in diesem Jahr besonders waren.

Von Isabel Bernstein

Eine Rekord-Wiesn für München

Schon am ersten Tag stand ein Rekord fest: dass das diesjährige Oktoberfest mit 18 Tagen ein besonders langes werden würde. Und es wurde in einigen Punkten noch einmaliger. Als wollte sie sich für ihre schlechte Performance im vergangenen Jahr entschuldigen, als teils sogar Glühwein gegen die Kälte ausgeschenkt wurde, strahlte die Sonne in diesem Jahr besonders häufig und besonders warm. Was die Menschen freute, die in diesem Jahr in Rekord-Menge auf die Theresienwiese strömten: 7,2 Millionen Besucher wurden gezählt, das 1,5 Millionen mehr als noch vor einem Jahr und knapp eine Million mehr als bei der letzten Vor-Corona-Wiesn 2019.

Einen Rekord gab es auch beim Konsum von - nein, nicht von Bier, sondern von nicht-alkoholischen Getränken, die um 50 Prozent mehr gefragt waren. Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner fasste es am Dienstag so zusammen: "Wir haben ein Oktoberfest wie aus dem Bilderbuch erlebt."

Trinkwasser-Brunnen kommen an

Wiesn: Auf dem Festgelände spendeten vier Brunnen kostenlos Wasser.

Auf dem Festgelände spendeten vier Brunnen kostenlos Wasser.

(Foto: Claus Schunk)

Apropos nicht-alkoholfreie Getränke: Erstmals gab es in diesem Jahr auf dem Festgelände vier Brunnen, an denen sich Besucher kostenlos Trinkwasser zapfen konnten. Das wurde sehr gut angenommen: Um die 100 000 Liter wurden abgefüllt. Den Konsum in den Zelten hat das offenbar nicht beeinträchtigt: Am ersten Wiesn-Sonntag hatten die Leute etwa im Schottenhamel-Zelt trotz Trinkwasser-Brunnen im Freien so einen Wasserdurst, dass das Wasser am Abend ausging.

OB Reiter zapft gut und zu früh an

Wiesn: Hatte sich mit einem Anzapf-Trainer auf den Auftritt vorbereitet: Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Hatte sich mit einem Anzapf-Trainer auf den Auftritt vorbereitet: Oberbürgermeister Dieter Reiter.

(Foto: Hannes Magerstaedt/Getty Images)

Dass Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) beim Anzapfen nichts dem Zufall überlässt, zeigt die Tatsache, dass er sich mithilfe eines Anzapf-Trainers auf seinen Auftritt am ersten Wiesn-Samstag vorbereitet. Im vergangenen Jahr wurde gefrotzelt, dass Reiter wohl wegen der Corona-Pandemie ein wenig eingerostet sei, weil er drei Schläge anstatt der standesgemäßen zwei brauchte, was ja fast schon einem Skandal gleichkommt in einem Bundesland, in dem der Auftritt im Bierzelt für einen Politiker fast wichtiger zu sein scheint als sein Parteiprogramm. In diesem Jahr ließ Reiter sich nichts nachsagen und zapfte souverän mit zwei Schlägen an. Allenfalls kann man ihm nachsagen, dass er etwas zu früh anzapfte, aber sei's drum. Oder wie Reiter vor neun Jahren sagte, als er den Sicherheitsschlag vergaß: "Scheiß drauf, Wurscht! O'zapft is!"

Vegan und bio wird nachgefragt

Wiesn: Mit der Anzahl der verspeisten Tiere prahlt das Oktoberfest in seiner Schlussbilanz nicht mehr. Tot sind sie trotzdem.

Mit der Anzahl der verspeisten Tiere prahlt das Oktoberfest in seiner Schlussbilanz nicht mehr. Tot sind sie trotzdem.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Oktoberfest verändert sich: Nicht nur dass vermehrt alkoholfreies Bier und Nicht-Alkoholisches gefragt ist, auch prahlt sie nicht mehr so mit der Anzahl der gegessenen Tiere, wie das noch vor der Pandemie der Fall war. Inzwischen würden "keine toten Tiere" mehr gezählt, ließ Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner zur Halbzeit-Bilanz verlauten. Was sich abzeichnet, ist, dass Veganes vermehrt auf der Wiesn Einzug hält. Und auch bio ist gefragt: Hühnchen-Fleisch stammte in diesem Jahr erstmals nicht nur aus konventioneller Aufzucht. Wie viel davon gegessen wurde, kann freilich nicht gesagt werden (Stichwort: "keine toten Tiere zählen), aber im zweitgrößten Festzelt, dem Paulaner-Zelt, zeigte sich Wirtin Arabella Schörghuber auf Nachfrage erfreut von der Resonanz: "Das Feedback unserer Gäste auf unsere Bio-Hendl war durchgehend positiv und hat unsere Überwartungen übertroffen."

Hype um Harry Kane

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(Foto: HANDOUT/REUTERS)

Ein kleiner Teil des FC Bayern - die Herren-Fußballmannschaft - geht seit Jahren gemeinsam aufs Oktoberfest, die Frauen-Mannschaft oder andere Sportler, etwa die Basketballer, sind bei dem traditionellen Besuch in der Käfer-Schänke nie dabei. Das war auch in diesem Jahr nicht anders. Wer aber das erste Mal dabei war, war Harry Kane, der dem Vernehmen nach nicht schlecht kickt und den Bayern 100 Millionen Euro Ablöse wert war. Gekleidet war Kane - wie kann es anders sein - mit Lederhose. Wie man eine Weißwurst isst, hatte ihm Mitspieler Thomas Müller vor dem Besuch auch noch gezeigt. Die Fans freuten sich, ihren neuen Star auf der Wiesn zu sehen.

Auch alte Lieder taugen zum Wiesn-Hit

Wiesn: "Sarà perché ti amo": Ein alter Hit aus Italien ist in den Zelten überall zu hören.

"Sarà perché ti amo": Ein alter Hit aus Italien ist in den Zelten überall zu hören.

(Foto: Felix Hörhager/dpa)

Das eine Lied, das in allen Zelten rauf und runter gespielt wurde, gibt es in diesem Jahr nicht, aber einen inoffiziellen Favoriten gibt es aus Sicht von Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner schon: das Lied "Sarà perché ti amo" von Ricchi e Poveri aus dem Jahr 1981. Fußballfans des AC Mailand singen das Lied, das quasi die inoffizielle Hymne des Vereins ist, laut vor Spielen im Stadion, und über Social Media gelangte der Song wieder ins Bewusstsein auch außerhalb Italiens.

89-Jährige flirtet Rettungsdienst-Mitarbeiter an

Betrunkene müssen die Mitarbeiter der Aicher Ambulanz einige während der Wiesn versorgen. Zu einer der wohl nettesten Begegnungen dürfte die mit einer 89-Jährigen zählen, "die bislang älteste Patientin, die wegen ihres Alkoholgenusses ihren Weg zu uns fand", wie es hieß. Der Seniorin, einer erfahrene Wiesn-Gängerin, war die zweite Mass nicht gut bekommen, was ihrer Meinung nach nur daran liegen konnte, dass sie inzwischen "a Krischperl" und nicht mehr "so gut beianander" wie früher sei. Der Aufenthalt in der Sanitätsstation gefiel ihr deshalb sehr gut, weil sich so viele "fesche junge Buam" um sie bemühten. Einem davon gestattete sie, sie nach Hause zu bringen, aber "nicht ins Schlafzimmer, das ist die Tabuzone". Sie sei in dieser Hinsicht altmodisch.

Vollmond liefert Kitsch-Wiesn-Fotos

Am Freitag vor dem letzten Wiesn-Wochenende war es so weit: Der Vollmond leuchtete in voller Pracht. Und das wäre keine Besonderheit gewesen, hätten sich die Wolken an dem Abend nicht entschieden, sich zu verzupfen und den ungestörten Blick auf den Mond frei zu geben. Und so konnten Fotografen sehr viele sehr schöne Fotos festhalten, auf dass sie nächstes Jahr in schönen München-Kalendern erscheinen.

Wiesn: Ein Bild für den Kalender: Kettenkarussell im Mondschein.

Ein Bild für den Kalender: Kettenkarussell im Mondschein.

(Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber)

Wunderkerzen zum Schluss

Es ist ein schon liebgewonnener Brauch des Oktoberfests: Am letzten Abend kurz vor Schankschluss werden in den Zelten die Lichter gedimmt und Wunderkerzen angezündet. Nach einer XXL-Wiesn in diesem Jahr dürften sich die Bediensteten besonders auf diesen Moment gefreut haben, in dem sich die Anspannung löst und sie in Ruhe mit ihren Kolleginnen und Kollegen anstoßen können. Prost, auf die diesjährige Wiesn!

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