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Starkoch in Bedrängnis:Alfons Schuhbeck meldet Insolvenz an

"Meine rund 50 Mitarbeiter trifft das richtig hart": Alfons Schuhbeck - hier bei einer Buchpräsentation in Vor-Corona-Zeiten - hat viele Firmen.

(Foto: Catherina Hess)

Die Gastronomie am Platzl und der Partyservice sind zahlungsunfähig, doch die Betriebe bleiben vorerst offen. Der Corona-Lockdown und ausgebliebene Staatshilfen sollen schuld sein - es gibt aber auch Zoff mit dem Fiskus.

Von Franz Kotteder und Klaus Ott

In den vergangenen Wochen war Alfons Schuhbeck, 72, Münchner Meisterkoch und Freund vieler Prominenter, wieder mal gut im Gespräch. Dafür hat auch der FC Bayern gesorgt, dem der Küchen-Künstler eng verbunden ist. Der neue Bayern-Trainer Julian Nagelsmann kam bei seiner Vorstellung aufs Essen zu sprechen. "Ich habe gerade schon mit Alfons Schuhbeck gesprochen, ob er mir mal einen sehr guten Hackbraten machen würde", sagte er bei einer Fragerunde mit Fans auf Instagram. Das sei vielleicht nicht Sterneküche, so Nagelsmann. Aber was ein Sternekoch zubereitet, auch wenn's eher rustikal ist, das schmeckt bestimmt.

In diesen Tagen muss sich Schuhbeck indes um ein Thema kümmern, das ihm und anderen weniger bekommt als die von ihm zubereiteten Mahlzeiten. Beim Münchner Amtsgericht hat Schuhbeck für seine Gastronomie-Betriebe am Platzl nahe dem Hofbräuhaus und seinen Partyservice Insolvenz angemeldet. Das bedeutet: Die Betriebe sind zahlungsunfähig. Sie sollen aber, wie Schuhbeck am Sonntagnachmittag auf Anfrage der SZ über die Anwaltskanzlei König Gauweiler Sauter und seinen Medienberater mitteilen ließ, vorerst offen bleiben. Schuhbeck will retten, was noch zu retten ist. "Ich habe schon viele Krisen überstanden."

Schuld an der Misere soll die Corona-Krise und der Staat sein. Die "vollmundig angekündigten Staatshilfen" seien bei ihm bis heute ausgeblieben, sagt Schuhbeck. Ob die finanzielle Notlage nur an der Pandemie und am Staat liegt, muss sich allerdings erst noch zeigen. Bei Schuhbeck läuft nach einer Razzia Mitte 2019 nach wie vor ein Steuerverfahren. Es könnte also sein, dass der Starkoch dem Fiskus noch einiges schuldet.

Das könnte auch für die Partyservice GmbH gelten. Der jüngste im Handelsregister öffentlich verfügbare Geschäftsbericht dieser Firma stammt vom September 2018 und Januar 2019 und bezieht sich auf das Geschäftsjahr 2016. Die Partyservice GmbH wies damals Verbindlichkeiten in Höhe von knapp vier Millionen Euro aus; aber Forderungen, die fast genauso hoch ausfielen. Bei den Verbindlichkeiten schlugen Steuerrückstände mit fast 1,3 Millionen Euro zu Buche. Keine Kleinigkeit. Später kam es für ihn beim Fiskus noch schlimmer; nicht von den Zahlen her, aber vom Umgang. Bei der Razzia Ende Juni 2019, als die Staatsanwaltschaft München I Schuhbecks Geschäftsräume am Platzl durchsuchte, ging es um den Verdacht auf Steuerhinterziehung. Dem Vernehmen nach stand eine Summe bis zu fast einer Million Euro im Raume.

Kann Schuhbeck mit Pfanne und Kochlöffel besser umgehen als mit Bilanzen?

"Ich werde sehr eng und sehr offen mit den Behörden zusammenarbeiten, um alle Vorwürfe zu entkräften", hatte Schuhbeck nach der Razzia erklärt. Die Ermittlungen beträfen ausschließlich die Gastronomiebetriebe am Platzl, nicht die sonstigen Unternehmen von Schuhbeck, wie Ladengeschäfte, Party-Service oder die diversen Schuhbeck-Marken, so die damalige Erklärung. Das Steuerverfahren soll nach wie vor laufen. Ob es irgendetwas mit den Problemen der jetzt zahlungsunfähigen Gastronomie-Betriebe und der Partyservice GmbH zu tun hat, oder nicht, ist unklar. Auf alle Fälle hat der lange Lockdown alle Caterer und Gastro-Betriebe empfindlich getroffen. Schließlich gab es zuletzt ein halbes Jahr lang praktisch keine Einnahmen, und auch jetzt noch fehlen die Touristen, die sich früher rund ums Platzl drängelten.

Was das Steuerverfahren anbelangt, so soll Schuhbecks Fall nicht mit Wirten vergleichbar sein, die bewusst Geld in schwarze Kassen geleitet haben, um das Finanzamt zu hintergehen. Solche Verfahren um andere prominente Wirtsleute gab es in München ja auch. War es im Gegensatz dazu bei Schuhbeck nur Schlamperei, sofern überhaupt ein Vergehen vorläge? Kann der Starkoch mit Pfanne und Kochlöffel besser umgehen als mit Bilanzen?

Für die Sportstars, Schauspieler und Kabarettisten, denen der Koch leckere Mahlzeiten kredenzt, wäre es weniger fatal als für ihn. Immerhin hat Schuhbeck in den vergangenen Jahrzehnten ein kleines kulinarisches Imperium geschaffen. Im Grunde steht er fast nur noch fürs Fernsehen am Herd. Im Hauptberuf ist Schuhbeck, der bis vor zwei Jahren auch noch einen Stern im Michelin hatte, längst Unternehmer. Da gibt es eine Gewürze GmbH; eine Am Platzl GmbH; eine Kochschule und eine Orlando GmbH; eine Verwaltungs und eine Partyservice Verwaltungs GmbH; eine Holding und eine Internet GmbH; eine International AG und eine Wein-Depot AG sowie in Rostock eine Fabrik für Fertiggerichte.

Geschäftsführer der vielen Unternehmen in der Regel: Alfons Schuhbeck, Gastronom. So steht es im Handelsregister. Das könnten leicht mehr Firmen sein als Zutaten bei dem von Bayern-Trainer Nagelsmann so sehnlich gewünschten Hackbraten. In der Küche greift Schubeck normalerweise nicht daneben. Aber war das auch bei seinen Geschäften so?

Bei der Partyservice GmbH soll nun ein Anwalt aus der Münchner Kanzlei Jaffé als vorläufiger Insolvenzverwalter helfen, die Zahlen zu ordnen. Michael Jaffé ist einer der bedeutendsten Spezialisten in Deutschland für Unternehmen in Not. Seine Kanzlei wird dann eingeschaltet, wenn die Fälle besonders gut, besonders verzwickt und besonders wichtig sein. Aktuell kümmern sich Jaffé und seine Leute vor allem um Wirecard, einen der größten Wirtschaftsskandale im Lande.

Wirecard steht für einen mutmaßlichen Milliardenbetrug und einen geflüchteten Vorstand (Jan Marsalek), der mit seinen Geheimdienstverbindungen wie ein kleiner 007 wirkte, eine Art Möchtegern-James-Bond. Allerdings offenbar einer von der anderen Seite, bei den Bösewichten. Im Vergleich dazu wirkt Alfons Schuhbeck, der sich öffentlich gerne in seiner Kochkluft zeigt, wie aus einer anderen Zeit. Als es in München noch gemütlicher zuging und nicht so schnelllebig wie heute.

Jaffés Kanzlei ist darauf spezialisiert zu retten, was noch zu retten ist. Insofern ist Schuhbeck mit seiner Partyservice GmbH dort in guten Händen. Ein Insolvenzverfahren bedeutet längst nicht mehr das Aus für die betreffende Firma. Manches Unternehmen geht nach einer Sanierung gestärkt daraus hervor. Die Insolvenzordnung sieht insbesondere den Erhalt des Unternehmens vor. Und weiter: "Dem redlichen Schuldner wird Gelegenheit gegeben, sich von seinen restlichen Verbindlichkeiten zu befreien."

Alfons Schuhbeck war selbst am Sonntag nicht zu sprechen. "Das ist ein wirklich schwerer Schritt, aber mir bleibt nichts anderes übrig", zitieren ihn seine Berater in der Erklärung. "Ich will weitermachen, und vielleicht ist die Insolvenz sogar eine Chance." Der Starkoch hofft, zumindest den Gewürzhandel und sein Beratungsgeschäft retten zu können. "Ich werde schon einen Neustart hinbekommen, aber meine rund 50 Mitarbeiter trifft das richtig hart", so Schuhbeck weiter.

© SZ vom 19.07.2021/mmo
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