Verdacht auf Steuerhinterziehung Durchsuchungen bei Alfons Schuhbeck

Seit vielen Jahren im Kochgeschäft: Alfons Schuhbeck, hier in der Küche seines Restaurants Südtiroler Stuben am Platzl.

(Foto: Imago)
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Starkoch Alfons Schuhbeck wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.
  • Bereits am Dienstagvormittag hatte die Staatsanwaltschaft München I mehrere Räumlichkeiten am Platzl durchsucht.
  • Der 70-jährige Schuhbeck beschäftigt eigenen Angaben zufolge um die 250 Mitarbeiter. Sein privates Vermögen wird auf rund 15 Millionen Euro geschätzt.
Von Franz Kotteder

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Starkoch Alfons Schuhbeck wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Nach Informationen der SZ soll es um eine Summe von bis zu fast einer Million Euro gehen. Bereits am Dienstagvormittag hatte die Staatsanwaltschaft München I mehrere Räumlichkeiten am Platzl durchsucht, die alle zum umfangreichen Firmengeflecht Schuhbecks gehören.

Die Sprecherin der Behörde, Oberstaatsanwältin Anne Leiding, bestätigt die Durchsuchungen, wollte sich aber "aus rechtlichen Gründen" nicht zum Anlass dafür äußern. Die Formulierung, aus "rechtlichen Gründen" könne man nicht sagen, worum es gehe, wird oftmals gewählt, wenn es um den Verdacht der Steuerhinterziehung geht. Wegen des Steuergeheimnisses ziehen sich Ermittlungsbehörden dann auf diese Formulierung zurück.

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Während der Durchsuchungen waren mehrere Schuhbeck-Läden bis gegen Mittag geschlossen. Alfons Schuhbecks Reich am Platzl umfasst die Restaurants Südtiroler Stuben, Schuhbecks Orlando, Orlando Bar und Lounge, Orlando Sportsbar sowie das Fine-Dining-Restaurant Alfons. Außerdem hat Schuhbeck rund ums Platzl eine Eisdiele, einen mehrstöckigen Gewürzladen, ein wegen Umbau derzeit geschlossenes Tee- und Schokoladengeschäft sowie einen Müsliladen, der ebenfalls gerade umgebaut wird, sowie eine Kochschule. Der 70-jährige Schuhbeck beschäftigt eigenen Angaben zufolge um die 250 Mitarbeiter. Sein privates Vermögen wird auf rund 15 Millionen Euro geschätzt.

Die Staatsanwälte gingen am Dienstag sehr geräuschlos vor. Bis auf die vorübergehende Schließung der Geschäfte bemerkten selbst direkte Nachbarn nichts von der Aktion. Schon am frühen Nachmittag waren die Läden wieder geöffnet, vor dem Haus am Platzl 5 stapelten noch ein paar Männer mehrere Umzugskisten mit der Aufschrift "Partyservice" in ein Auto, dann fuhren sie davon. In den Schuhbeck-Geschäften sagten die Kassenkräfte, sie wüssten von nichts und hätten auch nichts mitbekommen.

Ob sich der Verdacht erhärtet oder zerstreut, bleibt abzuwarten. Ein Ermittlungsverfahren führt keineswegs automatisch zu einer Anklage oder gar einer Verurteilung. Viele Verfahren werden, wenn die Vorwürfe sich als falsch herausstellen, auch eingestellt. "Ich werde sehr eng und sehr offen mit den Behörden zusammenarbeiten, um alle Vorwürfe zu entkräften", erklärte Schuhbeck. Die Ermittlungen betreffen seinen Angaben zufolge "ausschließlich die Gastronomiebetriebe am Platzl, nicht die sonstigen Unternehmen", zu denen Ladengeschäfte, ein Party-Service oder diverse Schuhbeck-Marken gehören.

Alfons Schuhbeck ist noch als Fernsehkoch aktiv, ansonsten aber ist er seit vielen Jahren längst in erster Linie Unternehmer. Mehr als zwölf Firmen ranken sich um seine Schuhbecks Holding GmbH & Co. KG, die offiziell als "Holding für Aktivitäten von Alfons Schuhbeck in den Bereichen Kochen, Lebensmittel, Veranstaltungen und Lebenskunst" firmiert.

Es gibt jeweils eigene Gesellschaften für die verschiedenen Geschäftsfelder; sie heißen zum Beispiel Schuhbecks Wein-Depot, Schuhbecks Internet, Schuhbecks Orlando oder Schuhbecks Gewürze. Daneben gibt es eine Reihe von Firmen, die für weitere Aktivitäten stehen, die Schuhbeck zum Teil mit Partnern betreibt. Dazu gehören etwa die Teatro Events GmbH, die für die seit Jahren recht erfolgreiche Dinnershow in der Messestadt Riem verantwortlich zeichnet, die Schuhbeck International AG, die für Handel und Franchise zuständig ist, und die Samt Food GmbH, die bei Rostock Schuhbeck-Fertiggerichte produziert.

Daneben ist er seit vielen Jahren offizieller Koch der Fußballmannschaft des FC Bayern bei Auswärtsspielen in der Champions League. Gemeinsam mit FCB-Präsident Uli Hoeneß machte Schuhbeck auch schon Werbung für McDonald's.

Möglich, dass er bald noch weitere Erfahrungen mit seinem Freund Hoeneß teilen muss - falls sich der Verdacht der Staatsanwaltschaft erhärtet. Prominente Steuersünder können kaum auf Gnade hoffen, und Schuhbeck war 1994 schon einmal im Zusammenhang mit dem Verkauf von Kapitalanlagen wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt worden, zu einem Jahr auf Bewährung und einer Geldstrafe von 250 000 Mark. Ein Verfahren wegen Betrugs wurde später eingestellt. Schuhbeck hatte erklärt, selbst Opfer eines Anlageberaters geworden zu sein. Danach führte die Staatsanwaltschaft noch jahrelang weitere Ermittlungen gegen ihn. Diese musste sie jedoch alle ergebnislos einstellen.

Schuhbeck hat seither sein Firmenkonglomerat ausgebaut. Zuletzt war er 2014 auf Platz 99 unter den 100 größten Gastro-Unternehmen Deutschlands, damals mit einem Jahresumsatz von 22,2 Millionen Euro. Seit 2015 ist der "Platzl-Hirsch", wie er wegen seiner beherrschenden Stellung gerne genannt wird, nicht mehr in der Top-100-Liste vertreten. Das könnte auch daran liegen, dass der Gesamtumsatz seiner vielen verschiedenen Geschäftsbereiche nicht leicht zu ermitteln ist. Die einzelnen Unternehmen weisen in den verschiedenen Jahresbilanzen zum Teil hohe Verluste, aber auch wieder erhebliche Gewinne aus.

Möglicherweise hat das die Staatsanwaltschaft stutzig gemacht.