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Nach Oktoberfest-Aus:Stadtrat beschließt als Alternative den "Sommer in der Stadt"

Die Wiesn wurden abgesagt, die Budenbesitzer werden möglicherweise in der Stadt ihre Schmankerl anbieten.

Die Wiesn wurden abgesagt, die Budenbesitzer soll künftig an mehreren Orten in der Stadt ihre Schmankerl anbieten.

(Foto: dpa)

Statt der Wiesn sollen Schausteller mit kleinen, dezentralen Veranstaltungen unterstützt werden. An vielen Orten könnten einzelne Stände oder kleinere Fahrgeschäfte aufgebaut werden. Was über das Konzept bislang bekannt ist.

"Schafft eine, zwei, schafft viele Wiesn!" Nein, fand nicht nur der neue SPD-Stadtrat Roland Hefter in der Vollversammlung am Mittwoch, das wäre genau der falsche Slogan für den Plan, die Münchner Schausteller mit kleinen, dezentralen Veranstaltungen zu unterstützen: "Das alles hat mit der Wiesn nix zu tun, das weckt völlig falsche Assoziationen." Und tatsächlich lautet der Arbeitstitel, den das städtische Referat für Arbeit und Wirtschaft dem Projekt verleiht, ja auch: "Sommer in der Stadt". Es geht zurück auf einen gemeinsamen Antrag der drei größten Fraktionen Grüne, SPD und CSU. Die hatten vor knapp drei Wochen gefordert, die Münchner Schausteller, die durch die coronabedingte Absage von Frühlingsfest, Auer Dulten und der Wiesn in diesem Jahr fast ohne Einnahmen dastehen, durch Veranstaltungen in Stadtvierteln die Möglichkeit zu geben, wenigstens ein bisschen was zu verdienen.

Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) hatte die Forderung schnell aufgegriffen und ein Konzept vorgelegt, das diese Absicht sogar noch ausbaut. Ziel sei die "Bespielung einer hohen zweistelligen Zahl von öffentlichen und privaten Plätzen" über den ganzen Sommer hinweg.

Und das über die gesamte Stadt verteilt. "Der Infektionsschutz hat dabei natürlich absoluten Vorrang", so Baumgärtner in der Vollversammlung, deshalb werde es sich immer nur um einzelne Stände oder kleinere Fahrgeschäfte handeln, die beispielsweise bei Biergärten oder auf Wochenmärkten, bei Einkaufszentren, Freibädern oder Museen gastieren sollten: "Pro Örtlichkeit sollen nur eine Handvoll Geschäfte platziert sein", heißt es in der Vorlage für den Stadtrat.

"Kein Skyfall auf dem Marienplatz, kein Riesenrad auf der Theresienwiese also", so der Initiator des Antrags, Stadtrat Klaus Peter Rupp (SPD). Seine FDP-Kollegin Gabriele Neff brachte noch die Marktkaufleute ins Spiel, "Mandelbrenner und Gurkenhobel-Verkäufer, die es jetzt sehr schwer haben". Sie sollen nun auch berücksichtigt werden, versprach Baumgärtner. Eine Liste der Orte und einen Zeitplan gibt es freilich noch nicht, dazu war die Zeit dann doch etwas zu knapp.

Das Wirtschaftsreferat will das genaue Konzept jetzt gemeinsam mit Bezirksausschüssen, Vereinen und den Schaustellerverbänden erst erarbeiten. Dieses Vorgehen gefiel den Stadträten, sie sprachen sich einstimmig für das Vorhaben aus. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) war ebenfalls des Lobes voll: "Das ist genau das, was wir wollen - eine schnelle Hilfe für alle Betroffenen. Ich hoffe nur, es gibt jetzt auch einen richtigen Sommer."

© SZ vom 14.05.2020/aner
Aussaat auf der Theresienwiese in München, 2015

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