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Nach Wiesn-Absage:Ein Hauch von Oktoberfest für München

Die Wiesn wurden abgesagt, die Budenbesitzer werden möglicherweise in der Stadt ihre Schmankerl anbieten.

Die Wiesn wurden abgesagt, die Budenbesitzer werden möglicherweise in der Stadt ihre Schmankerl anbieten.

(Foto: dpa)

Ein fraktionsübergreifender Antrag im Stadtrat soll Budenbesitzern Flächen in der Stadt einräumen. Das Wirtschaftsreferat ist begeistert - und reichert den Antrag noch mit weiteren Ideen an.

Keine Wiesn, kein Frühlingsfest, die Auer Mai-Dult ausgefallen, was mit der Jakobi- und der Kirchweih-Dult sein wird, weiß noch keiner, und ganz Bayern wird im Jahr 2020 volksfestfreie Zone sein - neben den großen Festwirten trifft die Absage der Volksfeste vor allem die Schausteller am Lebensnerv. Deshalb beschäftigt sich der Stadtrat in der Vollversammlung am Mittwoch mit einem fraktionsübergreifenden Antrag von Anja Berger (Grüne), Klaus Peter Rupp (SPD) und dem CSU-Fraktionsvorsitzenden Manuel Pretzl: Sie schlagen vor, Fischsemmel-, Popcorn- und Zuckerwattenverkäufern die Gelegenheit zu geben, "Speisen und Schmankerl zum Mitnehmen auf den Plätzen der Münchner Wochen-und Bauernmärkte zu anderen Tagen als den üblichen Markttagen" anzubieten. Das Wirtschaftsreferat unter Clemens Baumgärtner - der ja auch für das Oktoberfest zuständig ist - scheint von der Idee so angetan zu sein, dass es den ursprünglichen Antrag mit eigenen, weitergehenden Ideen anreichert.

Manuel Pretzl sagt, es gehe darum, ein Signal zu senden, "wie wir die Stadt durch diese Krise bekommen". Auch er meint mittlerweile, dass es eventuell Möglichkeiten geben könnte, den Kreis der Angesprochenen zu erweitern: "Wenn sich ein Biergartenwirt meldet und meint, er habe Platz für einen Schießstand und ein Kinderkarussell - warum nicht?" Das Wirtschaftsreferat betont, dass es nicht um eine "Ersatz-Wiesn" gehe, vor allem nicht darum, das Oktoberfest über die ganze Stadt auszudehnen.

Die Antragsteller sind zuversichtlich, im Stadtrat eine Mehrheit für ihren Vorschlag zu finden. Pretzl: "Immerhin stehen die drei größten Fraktionen dahinter." Der Kreis der Interessierten dürfte allerdings sicher weniger umfassen, als für gewöhnlich auf dem Oktoberfest vertreten sind: Es würde sich wohl kaum rentieren, den Fünfer-Looping, den Freefall oder eine große Geisterbahn für wenige Tage aufzubauen, vom Platzbedarf ganz zu schweigen. "Das soll auf keinen Fall eine dezentrale Wiesn werden, sondern ein längerfristig angelegtes Angebot, auch damit sich die Besucher nicht ballen", so Baumgärtner. Der Münchner Schausteller-Verein war für eine Stellungnahme zu den Plänen nicht erreichbar. Einen Vorteil sieht Baumgärtner nicht nur für die Betreiber von Fahrgeschäften und Buden, sondern auch für die Münchner:"Die Menschen werden im Sommer großteils hierbleiben, und die Schausteller wollen arbeiten - deshalb wollen wir einen ,Sommer in der Stadt' auf die Beine stellen." Wichtig sei, dass das konsensual geschehe. "Deshalb werden wir die Bezirksausschüsse um Vorschläge bitten, wo sie sich das vorstellen können. "Vor allem solle verhindert werden, dass Konkurrenz zu Lokalen oder Gewerbetreibenden entstehe. Wenn der Stadtrat sein Ja gebe, werde man ein Konzept erarbeiten. "Es kann sicher keine Hilfe für alle sein, vor allem für die großen Mega-Attraktionen von der Wiesn dürfte es eher schwierig werden", so Baumgärtner.

© SZ vom 13.05.2020/wean
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