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SZ-Serie: München natürlich:"Die Nase ist ein wahrer Isarfisch"

Nase Naesling Quermaul Schnabel Blaunase Chondrostoma nasus mit Laichausschlag Portraet Deu

Er ist wieder zurück in der Isar in München, liebt ein kiesiges Flussbett und ein nicht allzu schnell fließendes Gewässer. Die renaturierte Isar ist eigentlich ein idealer Ort für die Karpfenfische.

(Foto: imago/blickwinkel)

Fast war der typische Münchner Fisch schon ausgestorben, nun kehren die geselligen Tiere langsam zurück.

In Gemeinschaft fühlt sie sich besonders wohl. Wer eine Nase am Isargrund entdeckt, kann durchaus das Gefühl bekommen, dass der Fisch über die vielen Nachbarn lächelt. Da ist diese knubblige graue Schnauze, die eigentlich ein Teil des Oberkiefers ist, deutlich dahinter liegt das scharfkantige Maul des Karpfenfischs, der zum Fisch des Jahres 2020 ernannt worden ist. Als Frank Meißner 1982 vom Neckar nach München zog, stand er oft am Deutschen Museum und blickte in einen riesigen Schwarm von Nasen. "Die Isar war dunkelgrün vor Leibern", erinnert er sich. Die Zeiten sind vorbei. Fast war der typsche Münchner Fisch ausgestorben.

Es begann ganz plötzlich. Anfang der Neunzigerjahre waren die Schwärme verschwunden, eine seltsame Geschichte. Denn zu dieser Zeit wurden eigentlich kaum noch neue Kraftwerke in der Isar verbaut, die den Nasen (Chondrostoma nasus) den Aufstieg zur Laichzeit im Frühjahr verwehren könnten. Fischer wie Frank Meißner, der im Vorstand des Münchner Vereins "Isarfischer" ist, vermuten, dass eigentlich nur Vögel wie Kormorane und Gänsesäger für den massiven Schwund der Nasen verantwortlich sein könnten. Demnächst beginnt an der Münchner Isar die erste wissenschaftliche Studie, wie gefährlich Gänsesäger und Kormorane tatsächlich für die Bestände sind.

Der Deutsche Angelfischerverband DAFV vermutet, dass es auch an Flüssen mit "geringer Struktur" liegen könnte, die "in ökologisch schlechtem Zustand" sind. Denn Nasen sind Friedfische, allein durch ihre eigentümliche Kieferform können sie nur nach unten in Richtung Kiesbett fressen und nagen dort Algen vom Grund. Vor der Renaturierung der Isar vor knapp zehn Jahren fanden die Nasen womöglich nicht genügend Nahrung und auch keine Schutzräume für den Nachwuchs.

Das hat sich nun glücklicherweise geändert und die Nasen kehren langsam zurück. Zwar nicht in großen Schwärmen, aber zumindest in kleineren Schulen. Das findet Frank Meißner auch erfreulich. "Die Nase ist ein wahrer Isarfisch", sagt der BR-Moderator und Naturschützer. Denn der Fisch mit seinen leuchtend orangefarbenen bis roten Flossen braucht viel Kies und eine nicht allzu reißende Strömung.

Betrachten statt befischen: Frank Meißner kennt Nasen seit seiner Kindheit, doch angeln würde er sie heute nicht mehr, dafür sind sie zu selten.

(Foto: Robert Haas)

Normalerweise heißt es, dass er am Unterlauf der Isar bei Plattling, in der Donau oder anderen großen Flüssen vorkommt, aber nicht unbedingt an einem Gebirgsfluss wie der Isar. Vor einem Jahr aber fanden Fischer jedoch am Oberlauf der Isar bei Lenggries Nasen, die bis dorthin gewandert waren, um zu laichen. Diese Entwicklung ist auch für andere Lebewesen im Fluss wichtig. Zum einen gelten die Nasen als Putzkolonne des Flusses, wenn sie Algen und Plankton futtern. Andererseits sind die Jungfische auch wichtige Nahrungsquelle für Jäger wie den großen Huchen, der ebenfalls in München lebt und laicht.

Die Fischer angeln die Nasen übrigens seit vielen Jahren nicht mehr, im Gegenteil, sie setzen jährlich Hunderte Nasen in den Fluss. Auch die Wasserwirtschaftsämter bemühen sich, dass die Fische an Wehren und Kraftwerken Aufstiegshilfen bekommen und so hoffentlich bald nicht mehr direkt vom Aussterben bedroht sein werden. Zum Münchner Steckerlfisch, der die Nase einst war, wird er wohl nie mehr werden, das liegt nicht nur an den geringen Beständen. Die Nase hat nämlich ziemlich viele Gräten, was den Verzehr etwas umständlich macht, obwohl er angeblich der erste Fisch war, der auf dem Oktoberfest tonnenweise gegrillt wurde, bevor er von Renken, Makrelen und Saiblingen abgelöst worden ist. Frank Meißner, der sich vor 25 Jahren die letzte Nase geangelt hat, kennt noch einen weiteren Grund, weshalb sie nicht mehr zum Brotfisch der Münchner Angler taugt: "Sie schmeckt eher nach nichts."

© SZ vom 09.04.2020/kafe
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