Verkehr und G 7:Wie die Münchner Polizei die Tunnel am Mittleren Ring sichert

Lesezeit: 3 min

Verkehr und G 7: Polizisten durchsuchen den Luise-Kisselbach-Tunnel, der auf der Protokollstrecke des G7-Gipfels liegt.

Polizisten durchsuchen den Luise-Kisselbach-Tunnel, der auf der Protokollstrecke des G7-Gipfels liegt.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Die Beamten sperren in der Nacht die Tunnelröhren, um sie abzusuchen - wenn es sein muss auch mit Hebebühnen. Denn nicht das geringste Sicherheitsrisiko darf vor dem G-7-Gipfel auf der Strecke bestehen. Welche Beeinträchtigungen noch zu erwarten sind.

Von Martin Bernstein

Der Mann trägt Handwerkermontur. Er ist offenbar auf dem Heimweg. Und er ist stinksauer. Er springt aus dem Auto und baut sich vor den Polizisten auf, die auf dem Grünstreifen an der Garmischer Straße stehen. Tunnelsperrung? Auf dem Mittleren Ring? Wegen G 7? "Ein Witz", ruft der Mann, dem unschwer anzumerken ist, dass er darüber überhaupt nicht lachen kann.

Den rund hundert Beamten, die die ganze Nacht hindurch die Tunnel am Mittleren Ring in München sperren, absuchen, überprüfen und wieder freigeben, ist es ebenfalls ernst. Denn im Ernstfall, wenn das Wetter in den nächsten Tagen Hubschrauberflüge verhindern sollte, werden durch diese Tunnel Staatskarossen und Polizeieskorten Richtung Garmisch rauschen. Die acht Gipfelteilnehmer und ihre Delegationen, die in München einquartierten Abordnungen der fünf Gaststaaten, die Vertreter internationaler Organisationen. Da darf nicht das geringste Sicherheitsrisiko auf der Strecke bestehen.

Deshalb werden die Tunnelröhren abgesucht, wenn es sein muss auch mit Hebebühnen, die die Stadt München herangefahren hat. Und mit Sprengstoff-Spürhunden wie dem neuneinhalbjährigen belgischen Schäferhund "Dark", der am Donnerstagabend kurz nach 21 Uhr damit anfängt, in der Richtung Garmischer Autobahn führenden Röhre des Luise-Kiesselbach-Tunnels in jede Rettungsnische, jede Notruf-Telefonzelle, jeden Sicherungskasten zu schnuppern. Schlägt er nicht an, worauf alle Beteiligten hoffen, wird das Objekt versiegelt. Und weiter geht's zur nächsten potenziellen Gefahrenstelle.

Wer üblicherweise mit Tempo 50 durch den Tunnel am Münchner Westpark fährt, ahnt kaum, wie viele dunkle Ecken, Türchen und Durchgänge es in der Betonröhre gibt. Ebenso im Petueltunnel und im unterirdischen Teil der Landshuter Allee sowie im Münchner Osten im Leuchtenbergtunnel. Auch wenn die genauen Fahrtrouten möglicher Transitfahrten nach Elmau wie so vieles in diesen Tagen ein Geheimnis bleiben - viel Fantasie braucht man nicht, um sich die möglichen Wege aus der Stadt heraus ins Werdenfelser Land vorzustellen.

Verkehr und G 7: Jede Rettungsnische, jede Notruf-Telefonzelle, jeder Sicherungskasten wurde von einem Sprengstoffspürhund untersucht.

Jede Rettungsnische, jede Notruf-Telefonzelle, jeder Sicherungskasten wurde von einem Sprengstoffspürhund untersucht.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
Verkehr und G 7: Nicht nur der Luise-Kisselbach-Tunnel wurde untersucht, auch der Petuel- oder der Leuchtenbergtunnel waren betroffen.

Nicht nur der Luise-Kisselbach-Tunnel wurde untersucht, auch der Petuel- oder der Leuchtenbergtunnel waren betroffen.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Ob es dazu aber überhaupt kommen wird, darüber entscheidet am Ende das Wetter. Sicher ist indes, dass am Freitagmorgen der Berufsverkehr wieder einsetzt, Elmau hin, Gipfel her. Wie wichtig die unterirdischen Röhren für den Verkehr in der Landeshauptstadt sind, zeigt sich schon in der Nacht. Obwohl es inzwischen nach 22 Uhr ist, bilden sich Staus auf dem Mittleren Ring und auf der von Westen einmündenden Lindauer Autobahn. Um 6 Uhr muss die letzte Tunnelröhre wieder frei befahrbar sein, lautet deshalb die Vorgabe der Einsatzleitung.

Danach werden nur noch blassblaue Polizeisiegel an Türen und Türchen, kaum sichtbar im Vorbeifahren, an die nächtliche Sicherheitsüberprüfung erinnern. Suchhund "Dark" wird dann erst einmal wieder zu Hause auf seiner Decke liegen und sich von der nächtlichen Spinnwebentortur erholen, der seine Spürnase ausgesetzt war. Und der Zorn des Mannes im Handwerker-Overall über die Tunnelsperrung wird, so ist zu hoffen, der Vorfreude aufs sonnige Wochenende gewichen sein.

Welche Einschränkungen am Wochenende zu erwarten sind

Dieses allerdings wird für die Münchnerinnen und Münchner noch einige weitere Unannehmlichkeiten bereit halten. Für Transfer- und Lotsenfahrt der Polizei mit Gipfelteilnehmern und -gästen, aber auch für die Großdemonstrationen am Freitag und Samstag wurden zudem bis Dienstag um 22 Uhr zahlreiche Halteverbotszonen eingerichtet. Am Freitagabend rechnet die Initiative "Fridays for Future" für ihre um 17 Uhr auf dem Odeonsplatz beginnende Demonstration mit rund 1000 Teilnehmern.

Am Samstag findet im Zeitraum von 12 bis 16.30 Uhr in der Münchner Innenstadt die größte Demonstration im Zusammenhang mit dem G-7-Gipfel statt. Zwischen 20 000 und 40 000 Teilnehmer werden erwartet. Nach einer Auftaktkundgebung auf der Theresienwiese um 12 Uhr wird der Demonstrationszug die Route Pocci-, Lindwurm-, Herzog-Heinrich-Straße, Kaiser-Ludwig-Platz, Herzog-Heinrich-, Paul-Heyse-, Schwanthaler-, Sonnenstraße, Sendlinger-Tor-Platz, Lindwurm- und Poccistraße wieder zurück zur Theresienwiese nutzen.

Aber nicht nur in München wird es - verschärft durch zahlreiche Open-Air-Veranstaltungen, unter anderem im Olympiapark und auf dem Königsplatz - zu massiven Verkehrsbehinderungen kommen. Auch die Straßen zwischen Stadt und Flughafen und nach Süden werden bis Dienstag immer wieder von Sperrungen betroffen sein, vor allem die Garmischer Autobahn und ihre Ausweichrouten, etwa die Bundesstraßen 2, 11 und 13.

Am Sonntag treffen die Gipfelteilnehmer ein. Am Abend findet zudem ein Empfang in der Münchner Residenz statt. Am Montag muss die Polizei die in München logierenden Gäste des Treffens aus anderen Staaten nach Elmau und wieder zurück eskortieren. Und am Dienstag reisen die G-7-Staats- und Regierungschefs wieder ab. Bei gutem Wetter können viele dieser Dutzende von Transfers per Flugzeug und Hubschrauber abgewickelt werden - aber eben nicht alle.

Der dringende Rat der Münchner Polizei: Auto stehen lassen (und dabei aufpassen, dass das nicht in einem temporären Halteverbot geschieht). Und dann den öffentlichen Nahverkehr nutzen - auch wenn man gar nicht zur Demo will, sondern zum "Munich Mash" oder den "Fantastischen Vier".

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