Kino:Große Welt

Kino: Andrew Scott und Paul Mescal in "All Of Us Strangers". Der Film erzählt eine übersinnliche Liebesgeschichte zwischen zwei Männern.

Andrew Scott und Paul Mescal in "All Of Us Strangers". Der Film erzählt eine übersinnliche Liebesgeschichte zwischen zwei Männern.

(Foto: Parisa Taghizadeh)

Das Berliner Länderfilmfestival "Around the World in 14 Films" findet erstmals auch in München statt.

Von Josef Grübl

Es ging wie immer um die Wurst, genauer gesagt um die Bratwurst. Bei den Hofer Filmtagen 2005 trafen sich ein paar Filmverrückte dort, wo sich in Hof alle treffen, wenn sie nicht gerade im Kino sind: Bernhard Karl, Kathrin Bessert und Nikola Mirza standen also am Bratwurststand und träumten von einem eigenen Festival. Ein Jahr später war es schon so weit: 2006 ging in Berlin das Weltkinofestival "Around the World in 14 Films" an den Start, zu sehen waren internationale Festivalfilme, die bereits in Cannes, Locarno, Sundance oder Venedig liefen.

Diese Idee kam beim Publikum gut an, seitdem hat das Festival einen festen Platz im Berliner Kulturkalender. Bernhard Karl sagt dazu: "Ich wurde oft gefragt, warum unsere cineastische Weltreise eigentlich nicht selbst auf Reisen geht. Nun ist es endlich so weit, als erste Station haben wir uns für München entschieden." Das liegt nahe, da der Festivalgründer gebürtiger Münchner ist und seit Jahren das internationale Programm für das Filmfest kuratiert. Und so startet am 11. Dezember in den City-Kinos die Münchner Ausgabe von "Around the World in 14 Films."

Der Titel stimmt zwar nicht ganz, der Rest aber schon: Bereits zum Auftakt werden keine 14, sondern insgesamt 21 Filme gezeigt. Auf dem Programm stehen potenzielle Programmkino-Perlen wie das Öko-Drama "Evil Does Not Exist" vom japanischen Oscar-Preisträger Ryûsuke Hamaguchi oder Agnieszka Hollands in Venedig bejubeltes und in ihrer polnischen Heimat kontrovers diskutiertes Flüchtlingsdrama "Green Border". Beide Filme laufen 2024 regulär in den Kinos an, so wie viele der gezeigten Titel.

Der Eröffnungsfilm "Der Junge und der Reiher" startet hierzulande ebenfalls bereits in wenigen Wochen, Fans des Japaners Hayao Miyazaki warten aber schon sehnsüchtig darauf. Der Großmeister des Anime-Kinos ist 82 Jahre alt und hat schon öfter seinen Regie-Rücktritt verkündet - um dann doch immer wieder mit neuen Filmen zu überraschen. In Japan zählt sein jüngstes Werk zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres, auch in Frankreich wurden bereits mehr als eine Million Kinotickets verkauft. Erzählt wird die Geschichte eines elfjährigen Jungen, der in einer fantastischen Welt nach den Spuren seiner toten Mutter sucht. Dabei lockt ihn ein sprechender Reiher in die Tiefen eines unheimlichen Turms.

Auf dem Festival-Plan stehen Filme aus Malaysia, Italien, Kongo, Vietnam oder Iran, von Regiestars wie Alice Rohrwacher, Nuri Bilge Ceylan oder Andrew Haigh. Von letzterem wird man in den kommenden Monaten wohl noch mehr hören: Sein neuer Film "All Of Us Strangers" feierte in Telluride Premiere, wurde bejubelt und taucht seitdem in allen möglichen Best-of-Listen des Kinojahres auf. Er erzählt eine übersinnliche Liebesgeschichte zwischen zwei Männern und kann dabei auf tolle Schauspieler wie Andrew Scott, Paul Mescal und Claire Foy bauen. In den deutschen Kinos startet Haighs Film im Februar, beim neuen Münchner Weltkinofestival läuft er als Abschlussfilm.

Around the World in 14 Films, Mo., 11., bis Sa., 16. Dez., City-Kino, Sonnenstraße 12a

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