Landkreis München:Run auf den neuen Omikron-Impfstoff

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Landkreis München: Seit der Zulassung der neuen angepassten Impfstoffe verzeichnen die Impfzentren in Oberhaching und Haar eine deutlich höhere Nachfrage.

Seit der Zulassung der neuen angepassten Impfstoffe verzeichnen die Impfzentren in Oberhaching und Haar eine deutlich höhere Nachfrage.

(Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Viele Menschen haben auf die angepassten Vakzine gewartet und lassen sich nun in den Impfzentren boostern. Das Gesundheitsamt erwartet durch das Oktoberfest einen Anstieg der Infektionszahlen.

Von Stefan Galler

Oktoberfest, Schulstart, Beginn der kalten Jahreszeit - diese Komponenten sprechen derzeit nicht gerade dafür, dass Corona schon bald der Vergangenheit angehören könnte. Vielmehr ist es aufgrund der Rahmenbedingungen wahrscheinlich, dass die Pandemie in den nächsten Wochen eine weitere Renaissance erleben wird. Auch das Gesundheitsamt des Landkreises München rechnet laut Leiter Gerhard Schmid damit: "Ein Inzidenzanstieg ist aus Sicht des Gesundheitsamts zu erwarten, dieser wird sich aber frühestens in einigen Tagen zeigen."

Bleibt die Frage, wie sich die Bevölkerung gegen die drohenden Gefahren schützt. Für das Impfzentrum in Oberhaching kann Gerhard Bieber, Pressesprecher der Johanniter Unfall-Hilfe, jedenfalls schon mal einen "signifikanten Anstieg der Impfungen" seit Beginn dieser Woche verkünden.

Waren zuletzt oft nur zehn Impfwillige pro Tag ins Zentrum am Keltenring gekommen, so sind es nun zwischen 30 und 50. Doch das hänge nicht primär mit dem Oktoberfest zusammen, sondern liege fast ausschließlich an der Einführung der beiden an die Variante Omikron BA.1 angepassten Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. "Wir hören von vielen Patienten, dass sie extra darauf gewartet haben, sich mit diesem Impfstoff boostern zu lassen", sagt Bieber. Ein geplanter Wiesn-Besuch werde dagegen nur sehr vereinzelt als Grund für eine Impfung angegeben.

"Viele Menschen aus den vulnerablen Gruppen sind wachsam und schauen genau hin"

Viele ältere Menschen verzichten laut Bieber im Gegenteil in diesem Jahr ganz bewusst auf einen Oktoberfest-Besuch und planten darüber hinaus derzeit ihre Einkäufe beispielsweise so, dass sie mit möglichst wenig Personen in Kontakt kommen. "Viele Menschen aus den vulnerablen Gruppen sind wachsam und schauen genau hin", sagt der Johanniter-Sprecher.

Auch im Impf-und Testzentrum des Malteser Hilfsdienstes in Haar ist seit ein paar Tagen mehr los als in den vergangenen Wochen: Hier sei sowohl die Zahl der Impfungen wie auch jene der Tests seit ein paar Tagen leicht gestiegen, teilt Leiter Alexander Brandstaeter mit. Auch bei den positiven Testergebnissen verzeichne man einen Anstieg.

Während die verstärkte Nachfrage nach Tests mit dem Start des Oktoberfestes zusammenhängen dürfte, sieht Brandstaeter den Grund für die größere Nachfrage nach Impfungen wie sein Kollege Bieber von den Johannitern vor allem in den beiden neuen angepassten Impfstoffen. Das Gesundheitsamt empfiehlt jedenfalls, einen Termin zu vereinbaren, online unter https://impfzenten.bayern oder telefonisch über das Callcenter des jeweiligen Impfzentrums.

Der neue Impfstoff schützt vor der Omikron-Variante BA.1, der noch neuere BA.5-Booster ist dagegen noch nicht verfügbar

Während also in Oberhaching und Haar schon munter der neue Impfstoff verabreicht wird, kommt es in den Arztpraxen offensichtlich noch dann und wann zu Missverständnissen: So berichtet der Neubiberger Klaus-Detlev Jost, der als Impfarzt in München arbeitet, dass nicht jeder Impfling versteht, worum es sich bei dem neuen Vakzin handelt: Der nun verabreichte Stoff schütze vor allem gegen die "alte Variante BA.1", teilt Jost mit, "aber kaum mehr als der bisherige gegen die momentan vorherrschende BA.4 plus BA.5".

Dass die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zuletzt einen BA.5-Booster zugelassen habe, löse Verwirrung bei den Patienten aus: "Dieser mittels Notzulassung zugelassene Impfstoff ist noch nicht verfügbar", betont Jost. Er habe zuletzt sogar einen potenziellen Impfling wegschicken müssen, der ausschließlich nach diesem neuen Präparat verlangt hatte.

Die Impfung ist laut Amtsarzt Gerhard Schmid weiterhin das probateste Mittel, um das Risiko schwerer Verläufe zu minimieren. Es sei davon auszugehen, dass ein Großteil der Menschen im Landkreis in den vergangenen Jahren bereits mit dem Virus Kontakt hatte, "sei es durch Infektion oder durch die Impfung", so der Leiter des Gesundheitsamtes, der jedoch einschränken muss: "Dies bedeutet, dass durchaus ein gewisser, wenn auch nur relativer Schutz besteht." Von einer "Herdenimmunität", weil seit Beginn der Pandemie mittlerweile laut Robert-Koch-Institut (RKI) etwa 40 Prozent der Bevölkerung im Landkreis positiv getestet worden sind, könne also nur bedingt gesprochen werden.

Allerdings ist man im Gesundheitsamt trotz des drohenden Anstiegs bei den Ansteckungen optimistisch, was die aktuelle Situation angeht: Zwar sei schon jetzt davon auszugehen, dass die Zahl der tatsächlich Infizierten deutlich höher ist als die vom RKI angegebene Sieben-Tage-Inzidenz (am Mittwoch 248,5), jedoch "scheinen die Verläufe derzeit milder zu sein als beispielsweise bei Infektionen mit der Delta-Variante", unterstreicht Schmid. Nachdem vergangene Woche der Tod zweier Männer im Alter von Mitte 90 gemeldet wurde, hat sich die Zahl der Corona-Opfer im Landkreis auf 388 erhöht.

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