SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 56:Mit Beatmungsschlauch an der Bettkante

Lesezeit: 2 min

SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 56: Auch wenn der Patient auf Beatmung angewiesen ist, ist eine Mobilisierung wichtig.

Auch wenn der Patient auf Beatmung angewiesen ist, ist eine Mobilisierung wichtig.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Mobilisation von Gelenken ist wichtig - selbst wenn eine Beatmungsmaschine am Patienten angeschlossen ist. Pola Gülberg weiß, wie es mit dem aktiven Bewegen trotzdem klappt.

Protokoll: Johanna Feckl, Ebersberg

Bewegung ist wichtig - das gilt auch für unsere Patienten auf der Intensivstation. Klar wird es mit einem Marathonlauf wohl eher nichts, aber es gibt nur selten Fälle, in denen gar keine Mobilisation möglich ist. Selbst die Gelenke von Patienten, die an einer Beatmungsmaschine angeschlossen sind, können mobilisiert werden. Das sollen sie in der Regel auch. Es ist nur ein wenig komplizierter als bei denjenigen, die selbstständig atmen können.

Mobilisation kann für beatmete Patienten, die tief sediert sind, einen einfachen Positionswechsel bedeuten, bei dem die Gelenke passiv durch uns bewegt werden. Die wacheren Beatmungspatienten hingegen können mit unserer Unterstützung aktiv mitwirken. Doch bis es soweit ist, dauert es eine Zeit.

Es ist wenig sinnvoll, zu einem neuen Patienten ins Zimmer zu poltern mit einem "Guten Tag, heute setzten wir Sie mal an die Bettkante". Ich muss eine Vertrauensbasis herstellen und mich um die Ängste des Beatmeten kümmern - denn viele haben Sorge, dass ihnen die Bewegung zu anstrengend wird und uns dies dann wegen des Tubus nicht mitteilen können.

Also beginnen wir langsam: Die Gelenke lassen sich auch liegend bewegen. Dabei beobachten wir den Patienten genau: Macht er gut mit oder blockiert er? Schwitzt er? Atmet er ruhig oder fängt er zu hyperventilieren an? Sind seine Augen entspannt oder weit geöffnet?

SZ-Pflegekolumne: Auf Station, Folge 56: Intensivfachpflegerin Pola Gülberg von der Ebersberger Kreisklinik.

Intensivfachpflegerin Pola Gülberg von der Ebersberger Kreisklinik.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Wenn das alles gut aussieht, dann können wir uns nach ärztlicher Anordnung ans Sitzen an der Bettkante wagen. Dabei ist eine sorgfältige Vorbereitung das A und O - schließlich hängen haufenweise Schläuche und Kabel am Patienten, die trotz Mobilisation nicht eingeklemmt oder gar herausgerissen werden dürfen. Am problematischsten ist dabei der Beatmungsschlauch, denn er sorgt für die lebenswichtige Atmung, ist aber zugleich der dickste und unflexibelste Schlauch.

Das Schlauchsystem einer Beatmung besteht aus fünf bis sechs einzelnen Teilen, die aneinander befestigt sind. Bevor irgendwas in Richtung Mobilisation passiert, kontrollieren wir alle Zusammenschlüsse, ob sie auch fest genug gedreht sind.

Als nächstes heißt es: Sortieren und ordentlich fixieren. Außerdem prüfen wir, ob die Medikamentenleitungen lang genug sind, sodass kein Zug auf eine der Leitungen entsteht. Da kann eine schon mal drei Meter lang sein. Der Beatmungsschlauch ist am kürzesten, deshalb ist für gewöhnlich die Bettkante das Ziel, an dessen Seite auch die Beatmungsmaschine steht. Ist alles gut vorbereitet, braucht es noch die helfenden Hände von mindestens einer weiteren Pflegekraft oder eines Physiotherapeuten - dann steht einer Mobilisation trotz einer Beatmung nichts mehr im Weg.

Pola Gülberg ist Intensivfachpflegerin. In dieser Kolumne erzählt die 38-Jährige jede Woche von ihrer Arbeit an der Kreisklinik in Ebersberg. Die gesammelten Texte sind unter sueddeutsche.de/thema/Auf Station zu finden.

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