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TV-Dokumentation:Fragwürdige Vergabe des Siegels

Eigentlich soll das Siegel garantieren, dass der Fisch nicht aus überfischten Beständen kommt und bei seinem Fang das Ökosystem Meer keinen Schaden davon trägt. Zwölf Prozent der Betriebe weltweit tragen das Siegel, in Deutschland ziert es mehr als die Hälfte aller verkauften Fischprodukte. Supermarktketten wie Edeka und Lidl bieten nur noch MSC-zertifizierte Ware an. 41 Prozent der deutschen Verbraucher vertrauen dem Siegel.

Der Chef der Organisation "Marine Stewardship Council" weist alle Vorwürfe zurück

Huismann aber findet viele Beispiele, die zeigen, dass die Vergabe durch den MSC offenbar fragwürdig ist. Er trifft Fischer, die sagen, dass das Siegel vor allem industrielle Fangflotten begünstigt, obwohl deren Methoden bisweilen fragwürdig sind, etwa wenn sie mit Grundschleppnetzen den Meeresboden schädigen. "Wenn das MSC-Siegel drauf ist, gibt es keine Fragen mehr", sagt der Geschäftsführer einer Schollenfischerei, die in der Nordsee fischt. Daniel Pauly, Mitbegründer des MSC und Direktor des Institute for the Oceans and Fisheries, kritisiert, der Verband habe seine "Seele verloren".

Huismann konfrontierte den MSC-Chef Rupert Howes in London mit allen Vorwürfen und zeigte ihm Fotos von den abgeschnittenen Haifischflossen, die er in Montevideo bei der Entladung filmte. Doch trotz aller Indizien für Fehlentscheidungen weist der Verband die Vorwürfe zurück: "Die Balance zwischen Industrie und Naturschutz ist beim MSC gewährleistet", außerdem garantiere der WWF mit seinen Vertretern im Aufsichtsgremium des MSC, dass die Belange des Meeresschutzes ausreichend vertreten seien. Das ehrgeizige Ziel des MSC: Jedes dritte Fischprodukt soll 2030 das Siegel tragen.

Immer wieder trifft Huismann auf seiner Reise auf Mauern des Schweigens. Sein Film zeigt, dass zumindest dieses Siegel zu einem Marketinginstrument der Industrie verkommen ist, das uns, die Verbraucher, dazu verführen soll, mit gutem Gewissen zu kaufen, was anderswo Schaden anrichtet.

Die Story im Ersten: Das Geschäft mit dem Fischsiegel. ARD, 22.45 Uhr.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung dieses Artikel stand, dass der WWF "mit seinem Logo" greenwasching betreibt. Dem ist nicht so. Wohl aber geschieht dies nach wie vor mit der Hilfe von zwei Siegeln, die der WWF mitgegründet hat (RSPO und ISCC für Treibstoff aus Biomasse). Damit "hilft er seinen Partnern aus der Industrie indirekt dabei, neue und viel größere Regenwaldflächen im Namen der Nachhaltigkeit zu zerstören", wie Huismann in seinem Schwarzbuch WWF. Die dunklen Geschäfte des Panda schreibt.

© SZ vom 23.04.2018/lala
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