Mögliches Plagiat Giffey scheint auch Fehler von Wikipedia übernommen zu haben

VroniPlag Wiki entstand 2011 in der Folge der Enthüllungen über die Dissertation des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Dem CSU-Politiker wurde der Doktorgrad damals aberkannt, wenig später trat er als Minister zurück. Infolge der Recherchen auf VroniPlag verloren auch andere Politiker wie die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zunächst ihren akademischen Grad und dann auch ihre politischen Ämter. Der letzte Fall ist erst wenige Tage alt: Am 4. Februar entzog die FU Berlin dem Berliner CDU-Politiker Frank Steffel seinen Doktorgrad.

Den auf der Plattform Vroniplag Wiki aktiven Menschen, die meist anonym bleiben, geht es nach eigenen Angaben darum, wissenschaftliches Fehlverhalten offenzulegen und so der Qualitätssicherung zu dienen. Durch akribische Textvergleiche suchen sie in akademischen Arbeiten nach Stellen, in denen die Autoren sich die Gedanken Anderer wörtlich oder sinngemäß zu eigen machen, ohne dies wie vorgeschrieben zu kennzeichnen.

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Im Fall von Franziska Giffey, deren Arbeit auf VroniPlag ohne Namensnennung untersucht wird, geht es zum Beispiel um Seite 66. Dort beschäftigt sich die Autorin mit dem sogenannten deliberativen Demokratiemodell und verweist dabei unter anderem auf das 1992 erschienene Buch "Faktizität und Geltung" von Jürgen Habermas. Laut Vroniplag finden sich mehrere von Giffey verwendete Formulierungen nicht bei Habermas, dafür aber bei Wikipedia, das als Quelle jedoch nicht genannt ist. Von Wikipedia habe Giffey auch einen Fehler im Untertitel des Buches übernommen.

Ungenannt bleibt laut Vroniplag auch ein Bericht des Ausschusses für Kultur und Bildung des Europäischen Parlaments von 2005, obwohl diesem knapp eine halbe Seite zum Teil wörtlich entnommen sei.

Die deutschen Hochschulen hatten bei Plagiatsverdachtsfällen in den vergangenen Jahren unterschiedlich strenge Maßstäbe angelegt. Manchmal wurde der Doktorgrad aberkannt, in anderen, durchaus vergleichbaren Fällen, kamen die Damen und Herren Titelträger mit dem Urteil davon, "geschlampt" zu haben. Grundsätzlich reichen bereits wenige plagiierte Passagen auf Hunderten Seiten, um den Doktorgrad zu verlieren.

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