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Ausflugsziele:Es wird eng am Berg

Rasante Abfahrten und eigene Trails erwarten Mountainbiker heutzutage, sagen Experten. Gibt es diese nicht, kommen sie Wanderern, Almbauern und Naturschützern in die Quere.

Rasante Abfahrten und eigene Trails erwarten Mountainbiker heutzutage, sagen Experten. Gibt es diese nicht, kommen sie Wanderern, Almbauern und Naturschützern in die Quere.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Der Konflikt zwischen Freizeitsportlern, Almbauern und Umweltschützern eskaliert immer öfter, vielen gelten Moutainbiker als Invasoren. Im Landkreis Miesbach wird nun nach Konzepten gesucht.

Von Matthias Köpf, Miesbach

Erst vor ein paar Tagen ist der Konflikt wieder einmal so weit eskaliert, dass jemand handgreiflich wurde. Denn offenbar konnte es der Mann auf dem Mountainbike nicht hinnehmen, dass ihn Florian Bossert freundlich auf das Radfahrverbot auf dem schmalen, grasigen Bergsteig hingewiesen hatte. Bossert kümmert sich als Gebietsbetreuer für das Miesbacher Landratsamt um die Natur im Mangfallgebirge, er war an jenem Tag in der Nähe des Rotwandhauses unterwegs und an seiner Dienstkleidung als Amtsperson erkennbar. Das beeindruckte den Biker aber offenbar ebenso wenig wie die Schilder mit dem Radfahrverbot. Der Mann soll Bossert plötzlich angegriffen, ihm die Faust auf die Brust geschlagen, ihn umgestoßen und sich auf dem Rad davongemacht haben. Die Polizei hat ihn noch nicht ausfindig machen können - zumal an dem Tag in diesem Gebiet wohl wieder hunderte Mountainbiker unterwegs waren. Wie sich die unterschiedlichen Ansprüche von Almbauern, Wanderern und Bikern miteinander und mit den Anforderungen des Naturschutzes vereinbaren lassen, will der Landkreis Miesbach nun mit Vertretern aller beteiligten Gruppen herausfinden.

Bei einem ersten Treffen am Montag, zu dem der neue Miesbacher Landrat Olaf von Löwis (CSU) mehr als zwei Dutzend Teilnehmer eingeladen hatte, war auch Florian Bossert dabei. Er komme eigentlich mit den meisten Mountainbikern gut ins Gespräch, sagte Bossert. Etwa die Hälfte von ihnen seien über die geltenden Regeln informiert und wollten ohnehin auf den Forstwegen bleiben, die in der Region seit 2002 als Netz von Mountainbikestrecken ausgewiesen und beworben wurden. Viele andere reagierten einsichtig, wenn auch manche durchaus unzufrieden. Einige andere aber führen nach dem Gespräch trotzdem weiter, und zwar schon vor der nächsten Wegbiegung. Und von einigen wenigen wird Florian Bossert nach eigenen Worten schlicht komplett ignoriert.

Mit der immer weiter wachsenden Zahl derer, die in ihrer Freizeit in die südlich von München gelegenen Berge drängen, würden auch diejenigen immer mehr, die nicht auf andere Menschen oder auf die Natur als dem Schauplatz ihrer Selbstentfaltung Rücksicht nehmen wollen - in dieser Diagnose waren sich amtliche und ehrenamtliche Naturschützer, Almbauern, Touristiker, Alpenvereinsfunktionäre und Forstleute am Runden Tisch weitgehend einig. Speziell die Mountainbiker werden inzwischen oft als Invasoren wahrgenommen und müssen selbst mit Wutausbrüchen von Wanderern und Landwirten rechnen. Am Taubenberg bei Warngau, wo Forstleute auf einem einzigen Quadratkilometer Wald illegale Bike-Trails von stolzen 13 Kilometern Gesamtlänge ausgemacht haben wollen, soll neulich ein Bauer einen Radler mit dem Traktor verfolgt, eingeholt und dann zu Boden gestoßen haben - direkt vor einem Biergarten, dessen Gäste keineswegs dem Radler geholfen, sondern sich mit dem Bauern solidarisiert hätten.

Auch hierzu ermittelt die Polizei, doch sie wird den Grundkonflikt um die Vorherrschaft im Gebirge nicht lösen können. Bauern, Förster und Naturschützer rufen nach Verboten, das Landratsamt Miesbach schlägt den Einsatz von Rangern vor, um in den Landschaftsschutzgebieten des Kreises die geltenden Regeln durchzusetzen. Vor Sperrungen und Verboten müsse aber ein Angebot an die Mountainbiker stehen, da folgen die meisten den Argumenten der Touristiker und der Rad-Experten vom Alpenverein. Denn mit dem vor fast 20 Jahren ausgewiesenen Netz von Forstwegen sei heute kein Biker mehr zufrieden zu stellen. Längst erwarteten viele Fahrer rasantere Abfahrten oder eigene Trails, auf denen sie zu Tal rollen können - ihrerseits ungestört von Bergwanderern, weidendem Vieh und anderen Fußgängern. Erst wenn es solche Angebote gebe, werde sich die Massen der Mountainbiker überhaupt in irgendwelche Bahnen lenken lassen.

© SZ vom 08.07.2020/wean

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