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Corona-Beschränkungen:Die bayerischen Wirte befürchten das Schlimmste

Wo sonst Gäste beieinander sitzen, ist es zurzeit leer: Hotels und Lokale sind geschlossen, die Inhaber fürchten um ihre Zukunft.

(Foto: Stephan Rumpf)

Hoteliers und Wirte sorgen sich, dass sie länger schließen müssen - und damit fiele das immens wichtige Weihnachtsgeschäft ins Wasser.

Hermann Reischl hat die Hoffnung auf das Weihnachtsgeschäft schon fast aufgegeben. "Für viele Hotels ist Silvester und Weihnachten eine der Hauptzeiten im ganzen Jahr, und die wird jetzt wahrscheinlich ausfallen. Das ist ein Riesenproblem", sagt der Inhaber des Wellnesshotels Reischlhof im Bayerischen Wald. Gerade werden überall Szenarien durchgespielt, wonach Hotels und Gaststätten trotz der Corona-Pandemie zumindest über Weihnachten aufsperren dürfen.

Hermann Reischl dagegen vermutet, dass Hotels nicht vor dem 10. Januar öffnen können. Denn vor dem Treffen von Kanzlerin und Ministerpräsidenten am Mittwoch deutet für ihn zu viel auf eine Verlängerung des Lockdowns hin. "Man muss die Hotellerie wahrscheinlich dafür opfern, dass alles im Großen und Ganzen mit einer gewissen Vernunft läuft", sagt der 50-jährige.

Im Moment sei ihm sogar recht, dass sein Hotel geschlossen ist, er habe schließlich eine Verantwortung für Mitarbeiter und Gäste. Die vom Staat versprochene Förderung sei aber der "einzige Strohhalm", da viele die Krise sonst nicht überstehen würden. "Jedes Hotel und jeder Gastronom verlässt sich zu hundert Prozent darauf, dass sie Hilfe bekommen."

Auch Raphaela Hof vom Gasthof Hirzinger in Söllhuben im Landkreis Rosenheim ist besorgt: "Es fallen bestimmt 25 bis 30 große Weihnachtsfeiern mit über hundert Personen aus." Auch kleine Weihnachtsfeiern seien seit Monaten abgesagt, auf Ende Januar oder gleich um ein ganzes Jahr verschoben. "Wir versuchen es natürlich mit dem Geschäft außer Haus aufzufangen", sagt die 24-jährige Wirtstochter. Damit erreiche man aber nicht einmal ein Viertel vom normalen Umsatz.

"Für uns wäre es von Vorteil, wenn die Novemberhilfe auf den Dezember verlängert wird", sagt Hof. Denn neben den Sommermonaten sei das Weihnachtgeschäft am stärksten, da viele Veranstaltungen unter der Woche stattfänden. "Der erste Lockdown war schon eine Herausforderung, aber der zweite ist noch schlimmer. Wir wissen ja nicht ob wir im Januar wieder aufmachen können", sagt die Hof. Sie telefoniere fast jeden Tag mit ihren Angestellten, die alle gerne wieder arbeiten würden. "Man geht jeden Tag in diese leere Wirtschaft, das ist wirklich gruselig."

In dieser Lage wäre es für Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) "ein wichtiges Zeichen an die Bevölkerung", wenn die Gastronomiebetriebe an Weihnachten öffnen dürften. Er glaubt: "Wenn die Oma mit ihren drei Kindern zum Essen geht, hat man fast weniger Infektionsrisiko als wenn die zu Hause auf dem Sofa Weihnachten feiern." Falls die Gastronomie auch im Dezember nicht öffnen darf, müsse es die gleichen Hilfen geben wie für den November. "Wer geschlossen wird, der wird auch durchfinanziert", sagt Aiwanger. Er appelliert an den Bund, das Geld "zeitnah rüberzuschieben", damit Gastronomen und Hoteliers "zumindest überleben" könnten. Für nach den Feiertagen fordert Aiwanger eine "Öffnung nach Augenmaß", wenn die Infektionszahlen dies zuließen.

Aus Sicht von Thomas Geppert hätten die Hotels und Gaststätten überhaupt nie geschlossen werden sollen, weil sie mit ihren Hygienekonzepten nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung seien. Der Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands nennt die Lage vieler Hoteliers und Gastronomen "äußerst verzweifelt". Umso bitterer wäre es, wenn nun auch noch große Teile des Weihnachtsgeschäfts verloren gingen. Der Verband will sich in den nächsten Tagen per Umfrage bei seinen Mitgliedern erkundigen, ob es für sie überhaupt in Frage kommt, nur für eine oder bestenfalls zwei Wochen aufzusperren, um nach Weihnachten gleich wieder dicht zu machen.

Denn so ein heruntergefahrener Betrieb lasse sich nur mit einigem Aufwand wieder aufsperren, sagt Geppert. Denn einfach die Weihnachtsdekoration hervorzuholen und das Licht anzuknipsen reiche ja nicht. Mitarbeiter müssten aus der Kurzarbeit geholt und Ware eingekauft werden - alles mit dem Risiko, bei steigenden Infektionszahlen doch nicht öffnen zu dürfen und dann weder die Mitarbeiter noch die Ware zu brauchen. Die Entschädigungen vom Staat könnten den Betrieben ein bisschen Luft verschaffen und müssten verlängert werden, fordert auch Geppert - nur könne man die Novemberhilfen bisher noch nicht einmal beantragen.

Für die Seilbahnen war der November nicht entscheidend, denn die meisten stehen dann ohnehin still und werden auf den Winter vorbereitet. Seit 2001 die Faschingsferien eingeführt wurden, hängt die Wintersaison für sie wirtschaftlich auch nicht mehr allein von der Weihnachtszeit ab. Sollte das Weihnachtsgeschäft aber ausfallen, wäre das laut Peter Lorenz "mit Sicherheit eine wirtschaftliche Katastrophe für uns". Der Geschäftsführer der Bahnen am Brauneck, am Wallberg und am Spitzingsee hofft, dass die Lifte noch im Dezember in Betrieb gehen, so wie es auch die Konkurrenz drüben in Österreich mit aller Macht versuche. Dass Seilbahnfahren mit Abstand funktioniere, habe sich im Sommer gezeigt. "Und Après-Ski war bei uns nie das große Thema."

© SZ vom 24.11.2020 / gla, kpf, paut/van/vewo
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