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Nürnberg:Wie Bayern die Situation für Hebammen verbessern will

Baby in Klinik für Geburtshilfe

Immer mehr Hebammen würden sich aus der Tätigkeit der Geburtshilfe zurückziehen, lautet ein Kritikpunkt.

(Foto: Holger Hollemann/dpa)
  • An Weihnachten mussten zwei Kliniken in großen bayerischen Städten ihre Kreißsäle wegen Hebammenmangels schließen.
  • Damit sich solche Engpässe nicht noch weiter ausweiten, hat Gesundheitsministerin Huml (CSU) eine große Bandbreite von Interessensvertretern zu einem runden Tisch eingeladen.
  • Die zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen, war eine Herausforderung.

Von Dietrich Mittler, Nürnberg

Zuletzt geschah es in Schweinfurt und in Eichstätt: Zwei Kliniken mussten von Weihnachten an vorübergehend ihre Kreißsäle schließen, weil es an Hebammen fehlte. In Schweinfurt nur für wenige Tage, in Eichstätt sogar auf unbestimmte Zeit. Werdende Mütter waren gezwungen, auf andere Häuser auszuweichen. Durch ein "Aktionsprogramm" - am Mittwoch in Nürnberg einstimmig beschlossen - sollen solche unerfreulichen Ereignisse künftig vermieden werden.

"Mit zusätzlichen Impulsen wollen wir die Versorgung von Mutter und Kind sicherstellen - und zwar vor, während und nach der Geburt", sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Das Programm sei ein wichtiger Schritt hin zu einer zukunftsfähigen Ausgestaltung der Hebammenversorgung. Etwa durch regionale Angebote, Schwangere bei der Suche nach Hebammen zu unterstützen.

Auch sollen Hebammen stärker vom Verwaltungsaufwand entlastet werden. Und es gelte, den Weg zu einer akademischen Hebammenausbildung weiter zu öffnen - als Anreiz für potenzielle Nachwuchskräfte. Gemeinsam erarbeitete Best-Practice-Modelle sollen zudem die Arbeit in der stationären Geburtshilfe verbessern helfen. Um die Ziele zu erreichen, hatte die Ministerin mehrmals nach Nürnberg zu einem runden Tisch eingeladen. Der kam erstmals im Februar 2019 zustande.

Der Einladung folgten nicht nur der Bayerische Hebammen-Landesverband sowie der Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands, sondern auch Vertreterinnen und Vertreter der Landesärztekammer, der Krankenhausgesellschaft, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände, der Kommunen sowie des Kultus- und des Wissenschaftsministeriums. Nicht zu vergessen auch die ausgewählten Mitglieder der Bundeselterninitiave "Mother Hood".

Die zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen, war eine Herausforderung. Zwar zeigten sich alle Teilnehmer zufrieden, dass nun die relevanten Akteure zusammenkamen - mit dem Ziel, einen gemeinsamen Aktionsplan zu erarbeiten. Aber es wurden auch die Bruchstellen deutlich. Auf Nachfrage hieß es etwa seitens der Bayerischen Krankenhausgesellschaft: "Wir beobachten mit Sorge, dass sich immer mehr Hebammen aus der Tätigkeit der Geburtshilfe zurückziehen und viele nur noch die vor- und nachgeburtliche Versorgung von Mutter und Kind betreiben."

"Unsere Studie hat gezeigt, dass viele Hebammen daran denken, ihren Beruf aufzugeben"

Die daraus resultierende Kernforderung der Krankenhausgesellschaft dürfte indes Bayerns Hebammen gar nicht behagen. Sie lautet: "Die Geburtshilfe ist eigentlich das Kernstück der Hebammentätigkeit. Folglich würden wir uns wünschen, dass die Politik den Hebammen künftig vorschreibt, auch in der Geburtshilfe tätig zu sein." Mechthild Hofner, die Vorsitzende des Hebammen-Landesverbandes, konterte umgehend: "Dann muss die liebe Krankenhausgesellschaft aber auch den ersten Schritt vor dem zweiten machen. Sprich, sich dafür einzusetzen, dass die Rahmenarbeitsbedingungen in Kliniken wirklich so sind, dass die Hebammen dort wieder gerne und gut Geburtshilfe leisten können - und dort in den Häusern auch verbleiben wollen."

Gesundheitsministerin Huml hob, über solche Querelen hinwegsehend, das gemeinsame Ziel aller Akteure hervor: die Sicherstellung der Versorgung mit Hebammen. Nicht zu vergessen: die höhere Zufriedenheit der Hebammen mit ihrer Arbeit. Um die ist es nicht gut bestellt. "Unsere Studie hat gezeigt, dass viele Hebammen daran denken, ihren Beruf aufzugeben. Oder das bereits getan haben - insbesondere aufgrund der gestiegenen Arbeitsbelastung." In diesem Sinne gelte es, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Natürlich, so die Ministerin, werde man auch über die Forderung der Krankenhausgesellschaft nachdenken. Aber: "Dabei muss immer das Ziel im Auge behalten werden, möglichst viele junge Menschen für den Hebammenberuf zu gewinnen."

Die Staatsregierung, so Huml, habe durch im vergangenen Jahr beschlossene Programme zur finanziellen Unterstützung freiberuflich tätiger Hebammen einiges auf den Weg gebracht. Doch nun gelte es, weitere Handlungsoptionen zu schaffen. So etwa durch eine "Koordinierungsstelle auf Landesebene", die ihrerseits die kommunalen Stellen beraten soll. Auch prüft Humls Ministerium, eine Ombudsstelle einzurichten - "als neutralen Vermittler" zwischen Schwangeren und Hebammen, wenn es zu Problemen kommt.

© SZ vom 09.01.2020/amm
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