Mittelklasselimousine im Fahrbericht Zugewinn an Sicherheit oder beginnende Bevormundung?

Staufolgefahrt beherrscht der E 300 in Perfektion, inklusive Start-Stopp bei längeren Pausen. An die automatischen Lenkeingriffe bei höherem Tempo muss man sich allerdings erst gewöhnen. Wer die Hände zu lange in den Schoß legt, wird optisch und akustisch gewarnt und dann sanft eingebremst. Wenn der Radius eng wird und der Fahrer trotzdem nur zuschaut, versuchen Kameras und Sensoren durch einen kräftigen Lenk- und Bremsimpuls, den Wagen wieder auf Kurs zu ziehen. Klingt logisch, ist aber schon durch damit verbundene Schrecksekunde eher keine Vertrauen bildende Maßnahme.

Zurück bleibt ein mulmiges Gefühl, selbst wenn das autonome Überholen nach Setzen des Blinkers ebenso problemlos funktioniert wie das sichere Durchfahren einer engen Autobahnbaustelle. Trotzdem stößt das System immer wieder an seine Grenzen - zum Beispiel, wenn Einscherer die Lücke zum Vordermann gnadenlos zumachen, wenn sich der Tempolimit-Pilot an jedes Verkehrsschild hält, wenn der Lenkassistent plötzlich spurkorrigierend eingreift. Zugewinn an Sicherheit oder beginnende Bevormundung?

Mercedes Neuerfindung des Spoilers
Mercedes Concept IAA im Fahrbericht

Neuerfindung des Spoilers

Mit intelligenter Aerodynamik, dem Bediensystem der nächsten E-Klasse und dem Look künftiger Elektroautos: Die Stromlinien-Limousine Concept IAA weist Mercedes die Zukunft.   Von Georg Kacher

Hoher Fahrkomfort, gute Fahrdynamik

Auf der A 81 Richtung Würzburg machen die Helferlein Mittagspause. Nur ABS und ESP sind noch aktiv, und die neue Mehrkammer-Luftfederung. Sie senkt den Wagen ab oder hebt ihn an, hält das Niveau konstant und ist über Dynamic Select in vier Stufen einstellbar. Trotz 18-Zoll-Winterreifen sind die satte Grundgeschmeidigkeit und der Federungskomfort der S-Klasse näher als der C-Klasse. Die Skala der Abstimmungen reicht von Comfort (gut gepolstert, aber nie schwammig) bis Sport plus (straff, aber nicht spröde). Die Lenkung ist weniger leichtgängig als im S 500 und weniger schwergängig als im C 63 AMG. Auf den kurvigen Landstraßen durch den Steigerwald und die Fränkische Schweiz bleiben die Assistenzsysteme außen vor. Hier sammelt der Mercedes Pluspunkte für das besonnene Einlenkverhalten, das progressive Rückstellmoment und sauber definierten Fahrbahnkontakt.

Die Oberpfalz empfängt uns mit Dauerregen. Auf dem rutschigen Geläuf kann der E 300 zeigen, was in ihm steckt. Zum Beispiel eine ordentliche Portion Grip, eine gütliche Einigung mit dem Grenzbereich und eine bemerkenswerte Trittsicherheit. Die neue E-Klasse will auf Zug gefahren werden, mit genug Drehmomentreserve für schnelle Zwischenspurts und mit genug Drehzahlreserve zum nächsten Hochschaltkick. Lastwechsel stupsen die Nase in Richtung Scheitelpunkt, animieren zu früherem Herausbeschleunigen und zum Aufmachen der Lenkung. Nein, auch dieser Mercedes ist kein Auto, das zum Räubern animiert. Aber wenn es sein muss, kann er auch das.

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Das neue Bedienkonzept überzeugt

Der Innenraum wirkt zugleich neu und vertraut. Ziemlich clever sind die Bedientasten in den Lenkradspeichen. Das linke Touchpad kümmert sich um relevante Fahrzeugfunktionen, das rechte steuert das Infotainment - intuitiv mit den Daumen. Die Eingabe wird per Knopfdruck bestätigt. Es gibt zwar auch Direktwahl- und Favoritentasten, den Comand-Controller und die verbesserte Sprachbedienung, aber eigentlich muss man ab sofort die Hände nicht mehr vom Lenkrad nehmen. Ebenfalls neu: der farbige Breitband-Bildschirm, die kleinere und deutlich günstigere Burmester Musikanlage, das große Parkpaket mit Einpark-Automatik per App (funktioniert leider noch nicht über das iPhone) und die insgesamt 168 LED des adaptiven Lichtsystems, das die Nacht zum Tag macht.

Wir erreichen die tschechische Grenze mit der Patina von drei harten Arbeitstagen. Die neue E-Klasse ist ein feines Auto, aber sie spielt weiter in derselben Liga wie der Wettbewerb - trotz der bemerkenswerten Innovations-Offensive. Während ACC und Staupilot dickes Lob verdienen, führen die Lenkeingriffe in eine Grauzone, wo Auto und Fahrer unterschiedliche Vorstellungen haben von dem, was als nächstes zu tun ist. Der technische Fortschritt wird diese Lücke mit der gebotenen Rasanz schließen, doch bis es soweit ist, greifen wir lieber selbst in die Speichen. Wer weiß schon, wann uns Big Brother die Zügel aus der Hand nimmt . . .

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