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Assistenzsysteme der neuen E-Klasse:Countdown zum fahrerlosen Auto

Die neue Mercedes E-Klasse macht vieles alleine. Trotzdem bleibt der Fahrer der intelligenteste Sensor im Auto und behält die Verantwortung - weil die Technik noch an Grenzen stößt.

Von Thomas Harloff

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Mercedes E-Klasse 2016: Die Assistenzsysteme auf einen Blick

Quelle: Daimler AG

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Im Frühjahr 2016 startet die nächste Generation der Mercedes E-Klasse. Bei der will die Marke mit aller Macht jene Fehler vermeiden, die sie beim aktuellen Modell hinter die Konkurrenz zurückgeworfen hat. Als die Baureihe 212, wie sie werksintern heißt, 2009 auf den Markt kam, war sie technisch auf dem Niveau von Audi A6 und BMW 5er. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Daran änderte auch die umfangreiche und dem Vernehmen nach etwa eine Milliarde Euro teure Modellpflege 2013 nicht viel. Die E-Klasse war im Vergleich altbacken und entsprach weder den Ansprüchen des Herstellers noch seiner Kunden.

Deshalb schnürt Mercedes für sein gehobenes Mittelklassemodell nun ein Paket an Assistenz-, Sicherheits- und Komfortsystemen, das dieses Segment in einem solchen Umfang noch nicht gesehen hat. Die wenigsten werden serienmäßig an Bord sein, aber das entsprechende Extrageld vorausgesetzt ist die neue E-Klasse ein Auto, das nicht mehr weit davon entfernt ist, selbständig zu fahren.

Mercedes E-Klasse 2016: Intelligent Drive mit Lenkeingriff

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Herzstück dieser Entwicklung ist eine Technologie, die Mercedes "Intelligent Drive" nennt. Sie soll bald in der Lage sein, nicht nur den Abstand zum vorausfahrenden Auto konstant zu halten, sondern bei einem Tempo von bis zu 200 km/h auch dessen Spur zu folgen. Es hält alleine die Spur und in leichten Kurven lenkt es selbständig. Bis zu Tempo 130 soll es dafür keine Fahrbahnmarkierungen benötigen und auch an Bordsteinen oder Graskanten entlang lenken.

Mercedes E-Klasse 2016: aktiver Spurhalte- und Totwinkel-Assistent

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Totwinkel- und Spurhalteassistenten sind im Automobilbau schon lange verbreitet. Mit akustischen Signalen oder Vibrationen in Lenkung oder Fahrersitz warnen viele Modelle den Fahrer, falls das Auto droht, unbeabsichtigt die Fahrbahnmarkierung zu überqueren oder trotz Verkehr von hinten zum Spurwechsel ansetzt. Die neue E-Klasse geht einen Schritt weiter und greift in solchen Situationen aktiv ein. Allerdings nicht über die Lenkung, sondern indem sie einseitig bremst und damit die Spur korrigiert.

Mercedes E-Klasse 2016: aktiver Bremsassistent und Ausweich-Lenk-Assistent

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Auch Notbremsassistenten kennt man. Bemerkt der Fahrer ein Hindernis, unterstützt ihn die Technik mit maximaler Bremskraft, falls er zu zaghaft reagiert - oder bremst alleine, wenn er zu lange zögert. Die neue E-Klasse soll das nicht nur bei großen Hindernissen wie plötzlich im Weg stehenden Autos können, sondern auch bei Fußgängern. Entscheidet sich der Fahrer zum Ausweichen - und nur dann -, hilft der Ausweich-Lenk-Assistent. Der nutzt die Informationen des Radarsystems und der Stereokamera, um die Lenkmomente so zu berechnen, dass der Fahrer das Auto nach dem Manöver wieder problemlos geradestellen kann.

Mercedes E-Klasse 2016: aktiver Bremsassistent mit Kreuzungsfunktion

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Es gibt viele Szenarien, in denen eine Notbremsung erforderlich sein kann. Bei einem plötzlich auftauchenden Stauende zum Beispiel. Aber auch an einer Kreuzung, wenn etwa ein anderer Autofahrer die Vorfahrt missachtet. Mit ihrer Radar- und Kameratechnik erkennt die neue E-Klasse solche Situationen und leitet automatisch eine Vollbremsung ein, wenn es sonst zum Crash kommen würde. Das funktioniert laut Mercedes bis etwa 70 km/h.

Mercedes E-Klasse 2016: Geschwindigkeitslimit-Pilot

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Hochautomatisiertes Fahren soll nicht nur sicherer, sondern auch komfortabler werden. Das Beachten von Tempolimits können Autofahrer deshalb künftig ihrem Fahrzeug überlassen. Die neue E-Klasse erkennt über ihre Kamera beziehungsweise anhand der Navigationsdaten nicht nur die entsprechenden Verkehrsschilder, sondern passt auch selbständig die Geschwindigkeit an.

Mercedes E-Klasse 2016: Car-to-X-Kommunikation

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Eine Hauptvoraussetzung für das autonome Fahrern ist die Kommunikation von Auto zu Auto. Fahrzeuge müssen sich über eine Datenwolke untereinander austauschen, um einen reibungslosen Verkehr zu gewährleisten. Mercedes zufolge kann das auf zwei Arten erfolgen: Einmal automatisch, indem beispielsweise havarierte Autos eine Gefahrenmeldung in die Cloud senden. Aber auch manuell - etwa dann, wenn ein Fahrzeug eine Gefahrenstelle passiert und diese Information sofort allen Fahrern zur Verfügung steht, die diese Stelle potenziell passieren. Die neue E-Klasse soll zu einer derartigen Vernetzung fähig sein.

Mercedes E-Klasse 2016: digitaler Autoschlüssel

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Damit sind die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Auto und Internet noch nicht erschöpft. Schon heute können Smartphones tiefgreifend mit der Bordelektronik moderner Autos vernetzt werden. Der nächste logische Schritt ist nun, das Telefon als Autoschlüssel zu nutzen. Dazu benötigt der Fahrer ein Handy, das über den neuen Funkstandard zur drahtlosen Datenübertragung NFC und eine Secure-SIM, also eine SIM-Karte mit Verschlüsselungsfunktion, verfügt. Mercedes implementiert per gesichertem Chip ein Fahrberechtigungssystem. Das Smartphone kann fortan zum Öffnen, Schließen und Starten der E-Klasse genutzt werden.

Mercedes E-Klasse 2016 mit Remote Park Pilot

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Nun zum Ein- und Ausparken. Steht der Fahrer nicht weiter als drei Meter von seinem Auto entfernt, kann er es per Smartphone-App nach seinen Wünschen in eine Parklücke rangieren. Das soll Mercedes zufolge sowohl auf Parkflächen als auch in Garagen funktionieren. Allerdings benötigt die E-Klasse einige Sonderausstattungen als Basis, darunter die Einparkhilfe mit 360-Grad-Kamera, das schlüssellose Zugangssystem Keyless-Go und ein Automatik-Getriebe.

Mercedes E-Klasse 2016: Multibeam-LED-Licht

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Auch bei der Lichttechnik durften sich die Mercedes-Ingenieure austoben. "Multibeam-LED" nennt der Hersteller das System, dessen Scheinwerfer mit 84 einzeln ansteuerbaren LEDs arbeitet. Das versetzt den Fahrer in die Lage, das Fernlicht zu aktivieren und trotzdem keine anderen Verkehrsteilnehmer zu blenden, weil die Bereiche, in denen sie sich bewegen, blitzschnell ausgespart werden. Neu sind zudem das City- und das Schlechtwetterlicht. Bei Ersterem ist der Lichtkegel besonders breit, um in Ortschaften zum Beispiel die Gehwege besser auszuleuchten. Das Schlechtwetterlicht soll bei Regen durch gezieltes Dimmen einzelner LEDs die Reflexionen für den Gegenverkehr verringern. Auch an Kreuzungen verteilt die E-Klasse ihr Licht optimal passend zur jeweiligen Verkehrssituation.

Mercedes E-Klasse 2016: Mehrpegelfunktionalität der Heckleuchten

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Nicht nur die Scheinwerfer, auch die Heckleuchten werden immer intelligenter. Bremslicht und Blinker leuchten je nach Fahrsituation mit unterschiedlicher Intensität. Steht der E-Klasse-Fahrer beispielsweise an einer Ampel auf der Bremse, wird das Licht gedimmt, damit der dahinter stehende Fahrer nicht geblendet wird.

Mercedes E-Klasse 2016: Pre-Safe Plus Heckaufprall

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Apropos Heck: Droht eine Heckkollision, leitet das Pre-Safe-Plus-System selbständig Maßnahmen ein, um deren Folgen abzumildern. Zuerst warnt es das Folgefahrzeug mit blinkenden Leuchten, damit dessen Fahrer noch reagieren kann. Gleichzeitig strafft es die Gurte und blockiert die Bremsen der E-Klasse, um das Risiko eines Schleudertraumas und die Gefahr von Folgekollisionen zu mindern.

Mercedes E-Klasse 2016: Pre-Safe Impuls Seite

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Auch bei einem Seitenaufprall wird die Pre-Safe-Technologie aktiv. Mithilfe von Luftkammern, die sich in den Rückenlehnen befinden, rückt der Sitz des Fahrers oder Beifahrers in Sekundenbruchteilen in die Fahrzeugmitte. Dadurch vergrößert sich der Abstand zur Tür und die Verletzungsgefahr wird kleiner.

Mercedes E-Klasse 2016: Beltbag

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Bei einer Frontalkollision kommt der aus der S-Klasse bekannte Beltbag zum Einsatz, ein in die Sicherheitsgurte der Rücksitze integrierter Airbag. Kommt es zum Aufprall, kann er blitzschnell seine Fläche vergrößern und damit das Verletzungsrisiko mindern.

Nicht bildlich dargestellt ist das serienmäßige Pre-Safe-Sound-System. Droht ein Unfall, ertönt aus den Lautsprechern der E-Klasse ein kurzes Rauschsignal. Dadurch wird der Stapedius aktiviert, ein winziger Muskel im menschlichen Ohr. Sobald ein lautes Geräusch ertönt, zieht der sich reflexartig zusammen und verändert die Ankopplung des Trommelfells an das Innenohr. Damit schützt es das Gehör gegen einen zu hohen Schalldruck, wie er auch bei Autounfällen durch einen lauten Knall vorkommt.

© SZ.de/harl
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