Adidas-Chef Hainer Wie wichtig ist der FC Bayern für Adidas?

SZ: Kontinente, Zukunftsmärkte - wie wichtig ist ein Club wie der FC Bayern für Adidas? Ist er, gemessen an den Nationalteams, trotz deutscher Meisterschaft, Pokalsieg und Champions-League-Finale, eine regionale Erscheinung?

Hainer: Es gibt keinen anderen Verein, mit dem wir eine so enge Beziehung und so langfristige Bindungen haben wie mit dem FC Bayern. Franz Beckenbauer und Gerd Müller haben in den 70ern noch Kaffee und Kuchen bekommen bei Käthe Dassler. Und Gerüchte besagen, dass Adi Dassler eine seiner Töchter, die Brigitte, mit Uli Hoeneß verheiraten wollte.

SZ: Das Geschäftsmodell hat nicht funktioniert, Adidas ist dann 2001 als Gesellschafter in die FC Bayern München AG eingestiegen. Haben Sie als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender die Personalie Ribery diskutiert?

Hainer: Selbstverständlich haben wir das im Aufsichtsrat intensiv diskutiert. Dass es für den FC Bayern gut ist, einen Ribéry bis 2015 zu haben, ist doch überhaupt gar keine Frage. Er ist einer der besten Spieler, und das hilft auch der Mannschaft.

SZ: Wie erleben Sie den Aufsichtsrat der Bayern im Übergang von Beckenbauer zu Hoeneß?

Hainer: Das sind zwei unterschiedliche Personen, die Großes für den Verein geleistet haben. Ich glaube, jede Zeit braucht ihre Persönlichkeiten. Als Bayern eine Aktien- also Kapitalgesellschaft wurde, war es wichtig, dass Franz Beckenbauer als Präsident den Mitgliedern das Gefühl gab, dass es weiter um Fußball geht. Aber der FC.Bayern entwickelt sich natürlich weiter, die Fußballwelt entwickelt sich weiter. Uli Hoeneß ist absolut prädestiniert für die künftigen Aufgaben als Aufsichtsratschef.

SZ: Franz Beckenbauer war immer auch mit seinen diversen Nebentätigkeiten beschäftigt, beim Springer-Verlag, beim Fernsehen, er hat eigene Sponsoren und hatte wichtige Einsätze für den deutschen Fußball, so bei der deutschen WM-Bewerbung. Ist Hoeneß bereits ein aktiverer Aufsichtsratschef?

Hainer: Ja, das ist er. Er hat den Verein geprägt in seiner ganzen Ausstrahlung. Er war 30 Jahre lang Manager, und es gab in den vergangenen zehn Jahren nicht einen Sponsorenvertrag, den Uli Hoeneß nicht selber mitverhandelt hätte. Die großen Sponsoren wollen weiterhin auch mit ihm zu tun haben. Er ist aktiv, und das ist gewünscht. Aber er mischt sich nicht mehr ins Tagesgeschäft ein.

SZ: Sie haben damals für zehn Prozent am FC Bayern 75 Millionen Euro gezahlt und engagieren sich als Sponsor in jeder Saison mit einigen Millionen. Was springt für Adidas dabei heraus?

Hainer: Der FC Bayern ist Botschafter unserer Marke, er ist Werbeträger. Sie wissen, wie oft der FC Bayern in der Zeitung schriftlich und bildlich thematisiert wird, wie oft er im Fernsehen zu sehen ist. Das sind enorme Werbe- und Medieneffekte.

SZ: Werden die Werbe- und Medieneffekte nicht zunehmend dadurch verringert, dass jeder Star im Ensemble eigene Verträge hat, auch mit Ihren Konkurrenten?

Hainer: Die Verträge mit Vereinen und Sportlern sind heute in der Tat komplizierter und sehr umfangreich geworden. Die ersten Vereinbarungen mit den Bayern vor 30 Jahren wurden auf zwei Seiten Papier geschrieben. Heute sind es 75 Seiten, weil eben nicht nur die Rechte gegenüber dem Klub geregelt werden, sondern auch die Persönlichkeitsrechte der Spieler. Wenn Sie ein Mannschaftsfoto wollen, wird genau festgelegt, was die Spieler an Ausrüstung tragen müssen. Auch ein Profi wie Ribéry, der bei Nike unter Vertrag ist, muss in Adidas-Kleidung auftreten. Ein Mannschaftsfoto zählt zum Vertragsumfeld.

SZ: Wo genau endet das "Umfeld"?

Hainer: Das ist die Frage. Wenn er aus der Tiefgarage bei Bayern fährt, darf er da bereits die Nike-Mütze aufsetzen oder muss er noch Adidas repräsentieren?

SZ: Bei der WM scheint alles klar geregelt zu sein. Adidas dominiert in allen Stadien. Ist es wirklich noch so wichtig, dass das Firmenlogo irgendwann auf einer Werbebande durch die TV-Kamera huscht?

Hainer: Es ist die Summe der ganzen Aktivitäten. Wenn wir bei einer WM einmal keine Werbebande hätten, würde das keiner merken. Wenn wir aber über zehn Jahre nicht werben, würden wir das merken. Adidas versucht, die WM mit einer Drei-Säulen-Strategie zu beherrschen. Wir wollen Ausrüster des Fußball-Weltverbandes Fifa sein, weil wir damit den offiziellen Ball stellen. Wir wollen von 32 Mannschaften so viele wie möglich ausrüsten, damit wir auch bei den Spielen permanent gesehen werden. Und - die dritte Säule - wir brauchen Spieler, denn der Mensch, der Verbraucher, will Helden sehen. Wenn wir diese drei Komponenten erfolgreich zusammenfügen, werden wir die WM dominieren. Das ist uns 2006 gelungen, obwohl wir nur sechs Mannschaften im Turnier hatten.

SZ: Muss Ihnen als Vorstandschef eigentlich ein neuer Schuh gefallen, der auf den Markt kommt?

Hainer: Nein, das muss er nicht. Meine Aufgabe ist es, die Strategie des Unternehmens zu entwickeln.

SZ: Ihr Bruder Walter war Bundesliga-Profi bei 1860 München, Sie haben auf Landesebene gespielt. Kann man Adidas führen, ohne Fußballkenntnisse zu besitzen?

Hainer: Ich glaube nicht, dass man heute Profi gewesen sein muss, um bei Adidas Vorstandsvorsitzender zu sein. Wer jedoch überhaupt keinen Bezug zum Sport hat, würde ohnehin etwas Anderes machen.