Studienreisen Dorthin, wo es sicher ist

Die letzten Nashörner sehen im Kruger-Nationalpark, dann noch Johannesburg und Kapstadt besuchen - die typische Südafrika-Reise.

(Foto: Christophe Simon/AFP)

Studienreisen sind derzeit bei Deutschen besonders gefragt. Bei den Zielen haben die Urlauber aber klare Prioritäten - nicht nur aus politischen Gründen.

Von Ingrid Brunner

Fragt man im ausgehenden Jahr nach den Gewinnern und Verlierern im Segment Studienreisen, so sind an erster Stelle die Reiseveranstalter selbst zu nennen - als Gewinner. Peter-Mario Kubsch, Chef des Marktführers Studiosus, spricht von einem erfolgreichen Jahr. Bis zum Jahresende erwartet er mit circa 103 550 Teilnehmern ein Wachstum von vier Prozent sowie einen Umsatz von mehr als 275 Millionen Euro - ein Plus von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Ein All Time High", so Kubsch, Rekordhöhe also.

Auch Wikinger Reisen verzeichnet einen Umsatz- und Gästerekord. "Wir haben die 100-Millionen-Euro-Marke geknackt", sagt Daniel Kraus, Geschäftsführender Gesellschafter bei Wikinger. 62 000 Gäste buchten bei dem auf weltweite Wander- und Aktivreisen spezialisierten Veranstalter. Allein der Bereich Wanderreisen wuchs um 18 Prozent. Auch DER Touristik und Gebeco zeigen sich zufrieden mit dem Geschäftsverlauf für 2017, wenngleich Ury Steinweg, der Geschäftsführer von Gebeco, einräumt, dass es kein einfaches Jahr gewesen sei. Der Grund: die Sicherheitslage und die politische Situation in einigen Zielländern, besonders im östlichen Mittelmeer.

Womit man bei den Verlierern ist, und da nennen die Veranstalter von Studienreisen unisono an erster Stelle die Türkei. Noch vor fünf Jahren, sagt Ury Steinweg, sei dies das teilnehmerstärkste Land bei Gebeco gewesen, 2017 kam keine einzige Studienreise zustande. Das gleiche Bild bei Studiosus: keine einzige Reise in 2017. Auch für Ägypten-Rundreisen gebe es nach wie vor kaum Nachfrage.

Im Billigland

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Andere Länder sanken ebenfalls in der Gunst der Gäste, bei den Fernreisen sind dies vor allem Kuba, Iran und auch Island. Die Gründe allerdings sind hier andere: eine überhitzte Nachfrage, Qualitätsprobleme etwa in Kuba, überhöhte Preise in Iran und Island sowie Kapazitätsengpässe. In allen drei genannten Ländern wuchs die Bettenzahl nicht mit der Nachfrage.

Peter-Mario Kubsch sieht in Europa allen voran Polen als Verlierer: Hier verzeichnet Studiosus ein Minus von 37 Prozent. "Das politische Image des Landes schreckt sensible Kunden ab", sagt Kubsch. Auch Italien sei rückläufig: Die vielen Erdbeben dort verunsicherten die Reisenden, in Portugal sorgten Waldbrände für rückläufige Buchungen. Hingegen habe sich Frankreich erholt, die Zahlen bei Studiosus lagen 2017 fast auf dem Niveau von 2015, dem Jahr vor den schweren Anschlägen im Land. Spanien ist 2017 die Nummer eins in Europa. Fraglich ist nur, ob dies so bleibt angesichts des Katalonien-Konflikts.

Für das Jahr 2018 sieht Martin Schlupp, Pressesprecher bei DER Touristik, weiterhin eine Ausweichbewegung vom östlichen ins westliche Mittelmeer sowie eine wieder erstarkende Nachfrage nach Studienreisen in kleinen Gruppen "mit klassischem Verlauf"; sprich Italien und Griechenland sind wieder im Kommen. Einig sind sich die Studienreise-Veranstalter über das Top-Fernreiseziel 2018: Südafrika ist bereits jetzt stark gebucht und verzeichnete auch 2017 Besucherrekorde. Diesen Trend bestätigt auch Meike Ratzke von SA Travel, einem Reiseveranstalter, der sich auf Südafrika spezialisiert hat. "Südafrika ist ausgebucht", sagt sie. Gefragt seien Selbstfahrer- und Rundreisen mit den Stationen Johannesburg, Kapstadt, der Garden Route sowie den Tierparks mit Safari und Übernachtung in der Lodge.

"Unser bestes Russlandjahr ever"

Ratzke führt als Gründe den günstigen Wechselkurs an. Und dass das Land als sicher wahrgenommen werde. Auch andere Fernziele entwickeln sich gut: Vietnam, Namibia, Japan, China, Indien, Myanmar, Nepal, auch Jordanien und Israel sind wieder nachgefragt. Überraschend meldet sich auch Russland als Reiseziel zurück. "Unser bestes Russlandjahr ever", sagt Ury Steinweg von Gebeco. Die Annexion der Krim, der Konflikt im Donbass scheinen vergessen zu sein.

Viel Potenzial sehen DER Touristik und Gebeco in Großbritannien. Allerdings, sagt Ury Steinweg, gebe es da ein Problem: "Das für uns günstige Pfund macht es attraktiv, nach England zu fahren. Doch da sind schon die Engländer, für die ist es aktuell teuer, ins Ausland zu reisen - die machen Urlaub im eigenen Land." Auf diese Idee kommen auch in Deutschland immer mehr Menschen. Bei Wikinger Reisen ist das Deutschland-Geschäft bereits auf Platz drei bei den europäischen Zielen. "Wir schätzen, dass Deutschland in vier, fünf Jahren die Nummer eins bei Wikinger sein wird", sagt der Geschäftsführer.

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