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Tourismus in der Türkei:Im Billigland

Turkey's Tourism Industry Shows Signs of Recovery

Der Strand von Ölüdeniz bei Fethiye ist nach wie vor ein beliebtes Ausflugsziel. Allerdings ist es hier nicht mehr so überlaufen wie früher – aber das hat ja auch Vorteile.

(Foto: Chris McGrath/Getty Images)

Extreme Preisnachlässe in den Hotels, subventionierte Flüge: Die Türkei versucht mit allen Mitteln, wieder mehr Urlauber anzulocken. Es funktioniert - teilweise.

Obwohl das Auswärtige Amt die Reisehinweise für die Türkei verschärft hat, lassen sich viele Urlauber von einem Badeurlaub in der Türkei nicht abschrecken. Der Grund ist einfach: "Urlaub in der Türkei war noch nie so günstig", sagt Susanne Stünckel, Pressesprecherin der Tui. "Die Türkei bietet aktuell das beste Preis-Leistungs-Verhältnis rund ums Mittelmeer."

Auch bei Thomas Cook und dem Türkei-Spezialisten Öger Tours lief das Last-Minute-Geschäft im Spätsommer gut. Der Reiseveranstalter FTI spricht sogar von einer Umsatzsteigerung von 20 Prozent im Türkei-Geschäft. 816 000 Menschen sind nach eigenen Angaben mit FTI in die Türkei gereist - 18 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Preiskampf ist extrem

Die Konzerne unterbieten sich momentan gegenseitig: Sieben Nächte, Sonne, Strand und essen, so viel man kann, gibt es schon ab 265 Euro pro Woche, Hin- und Rückflug inklusive. Vergleichbare Urlaube in Spanien sind bis zu 60 Prozent teurer. Realistisch sind solche Preise natürlich nicht. Möglich werden sie nur, weil der türkische Staat seit vergangenem Jahr jeden Flug, der in touristische Gegenden des Landes führt, mit 6000 Dollar subventioniert. Gerade in der Nebensaison gewähren viele Hoteliers weitere Preisnachlässe.

2016 war der Markt massiv eingebrochen. Gerade nach dem Putschversuch im Juli fühlten sich viele Urlauber in der Türkei nicht mehr sicher. Das Land verlor allein 1,6 Millionen Touristen aus Deutschland. Im Rekordjahr 2015 stand die Türkei noch auf Platz sechs der weltweit beliebtesten Reiseziele aller Nationen. 39,4 Millionen Gäste besuchten damals die Türkei, darunter 5,6 Millionen Deutsche.

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Im Sommer 2017 stieg die Nachfrage von Mai bis Juli zwar wieder an. Doch nur in den Badeorten. Die Türkische Riviera rund um Antalya war hier die beliebteste Ferienregion. Allerdings ist davon auszugehen, das zeigen die Daten des Deutschen Reiseverbands, dass die Besucherzahlen 2017 unter denen von 2016 liegen werden.

Reisende, die Land und Leute kennenlernen wollen, meiden die Türkei weiterhin

Vor allem Urlauber, die normalerweise Studien- und Rundreisen in die Türkei buchen würden, bleiben dem Land weiter fern. "Es gibt null Nachfrage und null Gäste in der Türkei in diesem Jahr", sagt Frano Ilic, Pressesprecher bei Studiosus. Bereits im vergangenen Jahr sind die Buchungszahlen stark eingebrochen. Gerade mal 75 Gäste im ganzen Jahr wollten in die Türkei reisen. Noch vor fünf Jahren brachte Studiosus 6000 Urlauber ins Land.

Ähnlich ist die Situation beim Mitbewerber Gebeco. "In diesem Jahr haben wir keine Gruppenreisen in der Türkei angeboten. Vor einigen Jahren gehörte die Türkei noch zu den teilnehmerstärksten Zielländern", sagt Ury Steinweg, Geschäftsführer bei Gebeco. Seine Erklärung für den Rückgang der Buchungen: "Unsere Reisen zeichnen sich dadurch aus, weit in ein Land einzutauchen. Dazu zählt der Besuch von belebten Plätzen, aber auch Orten abseits der touristischen Zentren. Davor sind viele Kunden in diesem Jahr zurückgeschreckt." Das liege an der Angst vor Anschlägen und Verhaftungen.

Frano Ilic von Studiosus spricht auch vom "Erdoğan-Effekt". Zahlreiche Besucher sind mit dem Verhalten der türkischen Regierung nicht einverstanden. Auch das Schweizer Reiseunternehmen Bentour, ein Türkei-Spezialist, hatte Anfang des Jahres nur wenige Buchungen. Erst nach dem Verfassungsreferendum am 16. April kamen die ersten Gäste. Zurzeit buchen bei Bentour 25 Prozent mehr Touristen die Türkei als noch im Vorjahr.

"Die Besucher haben abgewartet, wie sich das Land entwickelt. Besonders Stabilität und Sicherheit sind den Gästen wichtig, über politische Diskrepanzen sehen viele hinweg", sagt Deniz Ugur, Geschäftsführer von Bentour. Er ist sich sicher, dass die Zahlen jetzt nach der Bundestagswahl weiter ansteigen werden. "Wenn die Politiker nicht mehr auf Stimmenfang gehen und es wieder Gespräche mit der Türkei gibt, wird sich die Situation stabilisieren."

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