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Banken - Berlin:Rekordeinlagen: Sparkassen wissen nicht, wohin mit dem Geld

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Geldautomaten sind an der Fassade einer Sparkasse beleuchtet. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Berlin/Magdeburg (dpa/sa) - Die Sachsen-Anhalter haben den 13 Sparkassen im Land im Corona-Jahr 2020 mehr Geld anvertraut als je zuvor. Die Sparkassen-Kunden im Land hätten im vergangenen Jahr 24,4 Milliarden Euro auf dem Konto gehabt und damit 8 Prozent oder 1,7 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr, teilte der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV) am Dienstag mit. Darauf könne man stolz sein, sagte OSV-Präsident Michael Ermrich.

"Unseren Sparkassen fehlen jedoch Möglichkeiten, diese Gelder zu investieren bzw. zinsbringend anzulegen", sagte der Präsident. Die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stelle die Sparkassen im Land daher vor Probleme: "Die negativen Einlagenzinsen der EZB führen dazu, dass wenn Kunden Gelder auf ihr Girokonten überweisen, die Sparkassen dafür Negativzinsen bei der EZB zahlen", sagte Emrich. Die Zinspolitik der EZB habe dazu geführt, dass das Betriebsergebnis der ostdeutschen Sparkassen innerhalb der vergangenen drei Jahre um 166 Millionen Euro gesunken sei. Vergangenes Jahr lag es demnach bei 1,14 Milliarden Euro.

Der Sparkassen-Präsident rief die Notenbank zu einem Kurswechsel in der Geldpolitik auf. "Sie darf nicht auf Dauer bodenständigen Banken und Sparern einseitig schaden", sagte Emrich. Das gefährde auch die Stabilität des Finanzmarktes, führe zu wachsenden Blasen an den Börsen und auf dem Wohnungsmarkt.

Auch die Sachsen-Anhalter interessieren sich laut OSV zunehmend für Aktien. Die Sparkassen verzeichneten beim Umsatz im Kundenwertpapiergeschäft ein Plus von 10,7 Prozent oder 1,7 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Im Geschäft mit Aktien und Optionsscheinen legte das Geschäft um 104,5 Prozent zu, bei Investmentfonds um 10,6 Prozent. Am beliebtesten waren in Sachsen-Anhalt aber nach wie vor kurzfristige Anlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten. Ihr Volumen stieg um 14,9 Prozent auf 15 Milliarden Euro.

Die Sachsen-Anhalter legten 2020 aber nicht nur mehr Geld bei den Sparkassen an, sie liehen sich auch mehr. Die Sparkassen vergaben Kredite in Höhe von 2,5 Milliarden Euro und damit 8,6 Prozent mehr als 2019. Der Großteil davon, 1,3 Milliarden Euro, ging an Privatpersonen, 1 Milliarde Euro an Unternehmen und Selbstständige.

Der OSV vertritt insgesamt 45 Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Trotz der Pandemie rechnet der Verband in der Region nicht mit einer großen Welle von Unternehmens-Insolvenzen in den kommenden Monaten. "Die Liquidität der Unternehmen bietet noch keine Anzeichen, um von flächendeckend drohenden Insolvenzen zu sprechen", sagte Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender.

"Es wird Insolvenzen geben, wir haben einen Bug aus dem letzten Jahr. Aber ich bin überzeugt, dass wir keine große Insolvenzwelle bekommen werden", ergänzte Verbandspräsident Ermrich. Über Kredite, Stundungen und staatliche Zuschüsse sei die mittelständische Wirtschaft zumindest aktuell mit ausreichend Eigenkapital ausgestattet.

Je länger die Krise dauere, umso unsicherer werde indes die Situation. Zudem seien die großen Sorgen etwa im Einzelhandel oder der Gastronomie berechtigt. "Wir sehen die Not insbesondere einzelner Branchen in Folge des fortgesetzten Lockdowns und dass ausbleibende Hilfen zu Schwierigkeiten führen", betonte Zender.

© dpa-infocom, dpa:210216-99-463220/3

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