Im Ramadan: Süße Versuchung

Die Dattel, auch "Brot der Wüste" genannt, gehört zum Ramadan wie der Hunger selbst. Schon Wochen bevor der muslimische Fastenmonat beginnt, stehen Datteln mit Zweig und Kern direkt an der Kasse im türkischen oder arabischen Supermarkt. Sie rufen: Wir schaffen das zusammen! Und meinen damit die etwa 18 Stunden Fastenzeit von der Morgen- bis zur Abenddämmerung, die in Mitteleuropa täglich zu bewältigen sind, ohne zu essen oder zu trinken. Und tatsächlich, wer frühmorgens auf leeren Magen ein paar Datteln isst, fühlt sich gleich angenehm satt und kuschelt sich dann wieder ins Bett. Es gibt die Datteln in rot, gelb, schwarz, hell und dunkelbraun. Sie können hart, weich, cremig und trocken sein. Aber eins ist ihnen gleich: Sie sind reich an Zucker und Kalorien.

Das Dattel-Konsumverhalten ist auch Typfrage: Da gibt es den lethargischen Typ, der - kaum ist die Sonne untergegangen - mit einem herzhaften Biss in die Dattel sein Fasten bricht. Da gibt es den Gesundheitsbewussten, der schon Stunden vor dem Fastenbrechen den Dattel-Shake zubereitet, getrocknete Datteln, Aprikosen, Feigen und Pflaumen zerkleinert und warme Milch darüber gießt, um am Ende das Ganze noch mit Zimt (wenn Ramadan in die Wintermonate fällt), Kokosflocken und Rosinen zu verfeinern.

Und da gibt es den Kunstvollen, der die Datteln nicht nur mit Walnüssen oder Mandeln füllt, sondern parallel dazu Schokolade schmilzt und die Datteln oben und unten ins Schokobad taucht. Vor allem beim Kunstvollen sind alle gern zu Gast. Von Dunja Ramadan

Bild: Michael Runkel/picture alliance 8. April 2019, 22:532019-04-08 22:53:30 © SZ vom 8.4.2019/pvn